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Frauenrechte

Schwangerschaftsabbruch im Untergrund

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Polen besaß auch vorletzte Woche schon eines der striktesten Abtreibungsgesetze in Europa. Nun entschied das Verfassungsgericht des Landes, dass auch Abtreibungen in Folge massiver Fehlbildungen des Fötus illegal werden sollen. Die Reaktionen fielen dementsprechend heftig aus. Nach landesweiten Protesten von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern haben gestern Zehntausende MĂ€nner und Frauen ihre Arbeit niedergelegt. Ihr Ziel ist nicht lediglich die RĂŒcknahme des Gesetzes - es geht in der Zwischenzeit um den RĂŒcktritt der ultrakonservativen Regierung. Letztere denkt jedoch bisher nicht daran, einzulenken. Stattdessen setzt sie auf Eskalation. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski wird von der katholischen Kirche und rechtsextremen Gruppierungen unterstützt.

Bei ihrem Versuch, SchwangerschaftsabbrĂŒche weiter zu kriminalisieren, ist die polnische Regierung von religiösen Überlegungen getrieben. Schwerbehinderte Kinder, die höchstwahrscheinlich frĂŒhzeitig sterben, so die Regierungsposition, könnten immerhin getauft und im kirchlichen Rahmen beerdigt werden. Die Autonomie der schwangeren Frauen spielt demgegenĂŒber keine Rolle.

Dass die Zahl die Zahl der AbbrĂŒche sinkt, ist nicht zu erwarten. Was restriktivere Abtreibungsgesetze nĂ€mlich definitiv nicht verhindern, sind: SchwangerschaftsabbrĂŒche. TatsĂ€chlich befördert werden Abtreibungen unter wesentlich schlechteren Bedingungen und steigenden Gesundheitsrisiken fĂŒr die Frauen.

Medizinisch nicht korrekt durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche zählen immer noch zu den fünf häufigsten Ursachen von Müttersterblichkeit. Wie unsicher Abtreibungen vorgenommen werden, hĂ€ngt eng mit der rechtliche Lage in den einzelnen Staaten zusammen. Je weniger rechtliche Restriktionen fĂŒr SchwangerschaftsabbrĂŒche, desto sicherer sind Letztere. Werden Abtreibungen hingegen kriminalisiert, werden Frauen gezwungen, sie in der IllegalitĂ€t durchfĂŒhren zu lassen – unter teils gefĂ€hrlichen und lebensbedrohlichen Bedingungen. UngefĂ€hr 25 Millionen unsichere AbbrĂŒche werden jedes Jahr vorgenommen. Hierbei kommen jĂ€hrlich fast 23.000 Frauen ums Leben. Weltweit sieben Millionen müssen infolge unsicherer Abtreibungspraktiken in Krankenhäusern behandelt werden.

Hat das polnische Gesetz trotz der massiven Proteste Bestand, dĂŒrften in Europa einige derartige FĂ€lle hinzukommen.

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Footnotes

  1. Hassel, Florian: Es ist unertrĂ€glich, auf: sueddeutsche.de (28.10.2020). ↩
  2. Sieradzka, Monika: Polen. Der Sturm auf die Kirche, auf: dw.com (27.10.2020). ↩
  3. Doctors without Borders (Hg.): Unsafe abortion. A forgotten emergency, auf: doctorswithoutborders.org (7.3.2019); World Health Organization (Hg.): Laws impact abortion safety, auf: who.int. ↩
  4. Doctors without Borders (Hg.): Q&A on the consequences of unsafe abortion and the provision of safe abortion care, auf: doctorswithoutborders.org (6.3.2019). ↩
  5. World Health Organization (Hg.): Preventing unsafe abortion, auf: who.int (25.9.2020). ↩

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