Vorfahren gesucht, Mörder gefunden
Abstammungstest und Herkunftsanalyse für unter 100 Euro. Firmen wie MyHeritage oder Ancestry bieten private DNA-Tests für Zuhause an. Sie erfüllen für die Nutzer:innen in erster Linie keinen medizinischen oder wissenschaftlichen Zweck, sondern dienen eher dem Freizeitvergnügen, wenn beispielsweise die geografische Abstammung herausgefunden werden soll. Etwa 40 Millionen Menschen haben bisher dieses Angebot allein bei den vier größten kommerziellen Testunternehmen genutzt.1 Je mehr Menschen mitmachen und ihre genetischen Profile in Datenbanken hochladen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Verwandte zu finden. Laut einer Studie des Bioinformatikers und wissenschaftlichen Leiters von MyHeritage, Yaniv Erlich, können mit den erfassten DNA-Daten in den USA bereits jetzt 60 Prozent aller Menschen mit europäischen Vorfahren identifiziert werden. Wie? Indem beispielsweise ein Cousin dritten Grades in der Datenbank gefunden wird. Darüber lässt sich der Stammbaum zur gesuchten Person vervollständigen. Beide haben in dem Fall nämlich gemeinsame Ururgroßeltern. Erlich und sein Team schätzen: Wenn nur zwei Prozent einer Bevölkerungsgruppe ihr Genmaterial bei einer Online-Gendatenbank einschicken, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 99 Prozent, eine entfernt verwandte Person zu finden.2