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Editorial N°10

Knicker

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Im Kiosk frage ich: Haben Sie Katapult? Antwort: Nee, aber die neue »Barbara« ist grad reingekommen. Lustiger Laden. Ich reagiere, wie wohl jeder Mensch mit gutem Geschmack in dieser Situation reagieren würde, und kaufe mir eine Barbara. Das ist das Magazin, bei dem Barbara Schöneberger auf dem Cover ist – immer. Das Konzept ist derzeit in Mode. Es gibt noch ein Magazin mit Eckart von Hirschhausen zum Thema Gesundheit und eins mit Joko Winterscheidt übers Coolsein – die »JWD«. Was zum Layouter ist das für ein Magazin? Ich fasse zusammen: Joko schießt mit Gewehr, Joko kifft mit Nonne, Joko tanzt mit Wolf, oder so.

Haben wir bei Katapult eventuell alles falsch gemacht, weil wir gar keinen bekannten Namen im Titel haben, über den der gesamte Verkauf läuft? Eins weiß ich. Ich bin nicht so bekannt wie Joko Wintersport, aber ich kenne jemanden, der noch viel bekannter ist: Adolf Hitler. Würden Sie gerne ein Magazin kaufen, dass sich Adolf – Magazin für politische Kultur nennt? Wir werden es ausprobieren, wahrscheinlich als Katapult-Sonderausgabe – denn Personenkult ist wieder im Trend. Inhaltlich muss natürlich was ganz Dolles rein. Vielleicht n Rätsel. Ich frag mal beim Pressevertrieb, ob die das verkaufen.

Wir wollten sowieso bald die erste Sonderausgabe produzieren. Bevor wir aber die Adolf groß rausbringen, machen wir eine riesengroße Katapult-Sonderausgabe in A1. Das ist erst mal unpraktisch, aber man kann das Ding auf A4 zusammenfalten. Ein Falt- und Knickmagazin namens »Knicker«. Vorteil: Zusammengeklappt passt es in den Rucksack, ausgeklappt reicht der Platz für sehr große Karten, Wandkarten sozusagen. Genial, oder?

Das erste Thema steht auch schon: Die Kartografie der Treuhandanstalt. Viele DDR-Betriebe wurden nach der Wende geschlossen und die Produktionsmittel für nen Appel und n Eis verkauft. Die Käufer bauten die Maschinen im Westen wieder auf, schufen damit Arbeitsplätze und verhinderten Konkurrenz aus dem Osten. Wir wollen diese Wanderung der Maschinen dokumentieren, auf einer großen Karte.

Warum dieses Thema? Warum gerade jetzt? Pegida und AfD sind im Osten besonders stark. Das weiß jeder. Als Begründung geben Wissenschaftler immer wieder an, dass der Osten Deutschlands strukturschwach ist. Das ist nicht der einzige Grund, aber es ist sicher einer. Als Reaktion darauf wollte die Ostbeauftragte die Arbeit der Treuhandanstalt ganz neu aufarbeiten, wissenschaftlich, mit richtigen Studien. Toll, dachte ich. Gute Sache. Schon die Aufarbeitung alleine wäre ein gutes politisches Signal. Aber die einzigen Studien, die bis heute existieren, sind superlangweilige Umfragen. Da kamen Sachen raus wie: Die Bürger aus dem Osten finden die Treuhandanstalt nicht so gut. Wir wollen keine Umfragen, wir wollen Details! Wir wollen wissen, wer wann was zu welchem Preis gekauft hat, wo das Zeug wieder aufgebaut wurde und wie lange die Maschinen liefen oder vielleicht immer noch laufen. Wir wollen wissen, wieviele Arbeitsplätze dadurch im Osten verloren gingen.[1]

Markus Söder ist auch auf unserer Seite. Er möchte den Solidaritätszuschlag bis 2022 abschaffen. Das ist gut. Ich stimme ihm zu und schreibe mit freundlichen Grüßen: Behalt den Soli und gib den Ossis ihre Produktionsmittel zurück, du Arsch!

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Autor*innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete während seines Studiums das KATAPULT-Magazin.

Aktuell pausiert er erfolgreich eine Promotion im Bereich der Politischen Theorie zum Thema »Die Theorie der radikalen Demokratie und die Potentiale ihrer Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten«.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)

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