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Asyl

600.000 ohne Asylantrag

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Die erste Registrierung eines Flüchtlings wird mittels der IT-Anwendung EASY vorgenommen. EASY hat in erster Linie die Aufgabe, die Flüchtlinge auf die Bundesländer zu verteilen. Je nachdem, wie bevölkerungs- und wirtschaftsstark ein Bundesland ist, bekommt es mehr oder weniger Flüchtlinge zugewiesen.

In dieser ersten EASY-Registrierungs- und Verteilungsstelle wurden für das gesamte Jahr 2015 etwa eine Million Flüchtlinge gezählt. Die Daten, die dort erhoben werden, sind nicht personenbezogen. Warum 600.0003 Flüchtlinge bisher keinen Asylantrag stellen konnten oder gestellt haben, geht aus diesen Daten nicht hervor.

Warum haben 600.000 Flüchtlinge keinen Asylantrag gestellt?

1. Verwaltung ist überfordert
Der Antrag wurde gestellt, aber von den Behörden noch nicht bearbeitet. Die Verwaltung ist mit der Anzahl der Asylanträge überfordert. Viele Flüchtlinge müssen lange warten, bis ihr Fall bearbeitet wird oder die erste Anhörung beginnt.

2. Flüchtling reist weiter
Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, muss das nicht heißen, dass sie auch nach Deutschland wollen. In einigen Fällen reisen sie in die skandinavischen oder nord-westlich gelegenen Länder weiter.

3. Flüchtling meldet sich nicht
Ein Asylsuchender hat eine Woche Zeit, um sich nach der EASY-Registrierung in seiner Aufnahmestelle einzufinden. Passiert das nicht, wird er von der Polizei als »Illegal Eingereister« gemeldet.

4. Falsche Zählung
Der Leiter des BAMF, Frank-Jürgen Weise, hat zugegeben, dass bei der derzeitigen Methode der Zählung viele Fehler gemacht werden. Weil die Registrierung nicht personenbezogen durchgeführt wird, ist eine Mehrfachanmeldung möglich. Ein Flüchtling kann sich theoretisch mehrfach eintragen lassen, ohne dass das System das erkennt. Einige Flüchtlinge sind im Gegenzug wegen technischer Probleme mit EASY ohne Eintragung weitergereist.

Die Zählung der Flüchtlinge ist für das Jahr 2015 gescheitert. Es könnten mehr als eine Million Menschen sein, es könnten aber auch weniger sein. Zusätzlich warten mehrere Hunderttausend Menschen darauf, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird.

Die in der Karte angegebenen Asylerstanträge pro 1.000 Einwohner sagen deshalb auch etwas über die Leistung und Auslastung der Verwaltung aus. Eigentlich müssten die Werte in den wirtschaftsstarken Ländern hoch sein, weil der Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge nach diesem Kriterium verteilt. Das ist aber nicht der Fall.

Stattdessen sind die Werte in Bayern und Hessen gering, während sie in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und dem Saarland hoch sind. In diesen Ländern scheint die Verwaltung weniger Probleme damit zu haben, die Asylanträge zu bearbeiten.

Autor:innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete während seines Studiums das KATAPULT-Magazin.

Aktuell pausiert er erfolgreich eine Promotion im Bereich der Politischen Theorie zum Thema »Die Theorie der radikalen Demokratie und die Potentiale ihrer Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten«.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)

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