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Editorial

Magazin für Sachen

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Mein erstes Editorial. Los gehts. 

Einleitung (ganz nett, brauch ich für den Spannungsbogen)

Mein unliebster Moment bei KATAPULT ist immer, wenn Benni mich und alle, die ihm zuhören wollen, daran erinnert, was für ne Mail ich ihm eine Woche vor meinem ersten Praktikumstag bei KATAPULT geschickt hab: „Gibt es einen Dresscode?” Naja, ich wusste nicht, dass das „Büro” zu dem Zeitpunkt nur ein kleiner leerer, etwas trauriger Konferenzraum bei den Greifswalder Stadtwerken war. Ich wusste auch nicht, dass die „Redaktion” nur aus drei Leuten bestand. Ich wusste allgemein ziemlich wenig. Ich war zwar 23, hab mich aber eher wie 13 gefühlt. Ich war komplett überfordert mit allem – besonders als von mir dann verlangt wurde, bitte doch etwas aus dem Bereich 🌻 Sozialwissenschaften und Kartografik 🌻 zur damals erst vierten KATAPULT-Ausgabe beizutragen.

Mein liebster Moment bei KATAPULT war (und auch nur der ist eigentlich für den weiteren Text relevant, Sorry!), als ich, mittlerweile etwas abgezockter, zehn Ausgaben später einen Artikel über James Harden durchbringen konnte. James Harden ist ein eher etwas seltsamer US-Basketballstar, ist aber auch nicht so wichtig. Im Text wird jedenfalls geklärt, ob die Qualität der Stripclubs, die Harden so gerne besucht, am nächsten Tag seine Leistungen auf dem Parkett beeinflussen. Keine Ahnung, wie das im Magazin landen konnte. Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive war das alles eher so mittelgut, das wusste sogar ich (Korrelation und Kausalität!). Aus kartografischer Sicht sowieso. Zum Artikel hab ich eine  halbseitige Zeichnung von James Harden an einer Pole-Dance-Stange gepackt.

Klingt alles etwas belanglos – ist aber der Start von allem, was jetzt kommt! Mir war nämlich schon vor zweieinhalb Jahren sofort klar: KATAPULT hat hier ne riesen Lücke! Für solchen Kram brauchen wir eine Plattform! Und nicht nur, damit ich hin und wieder mal ne seltsame Sportanekdote (das ist Kultur!) unterbringen kann, die man halt so findet, wenn man ne Bildschirmzeit von 8 bis 16 Stunden am Tag hat. KATAPULT braucht einen Raum für wirklich gute Musik-, Film- und Literaturthemen. Für die gibt es manchmal schon spannende wissenschaftliche Zahlen, die man schön katapultig darstellen kann, oft aber eben auch nicht. Sachen eben.

Hauptteil (doch fies und gemein geworden, aber zurecht)

KATAPULT Kultur wird den Rahmen „Kultur” genauso sprengen, wie die mittlerweile über 40 KATAPULT-Leute die Grenzen der Themengebiete „Sozialwissenschaften und Kartografik” ausgereizt haben. Wir werden alles machen, was uns so einfällt – und zwar so, wie wir das wollen und für richtig halten.

Niemand braucht einen weiteren scheiß fünfseitigen, hochtrabenden, scheinbar elitären Feuilletontext über den Untergang der deutschen Sprache (Krieg der Sterne!!). Oder endlose Debatten über cAnCeL cULtUrE. Das haben alle schon lesen müssen und alle fanden es anstrengend oder fad oder beides. Genauso wie niemand eine ganze Rezension vom neuen Jan Delay-Album braucht. Da reicht mir auch ein Tweet oder so. Der würde dann so gehen:„das album heißt ernsthaft earth, wind & feiern hahah lol”. Niemand braucht ein Blabla-Interview zwischen Jens Spahn und irgendeinem querdenkenden Schauspieler. Da fragen wir lieber bei betroffenen Künstler:innen nach oder lassen nen Konzert-Booker sprechen – und zwar per Sprachnachricht oder so. Es wird auch keine dummen True-Crime-Sonderausgaben geben. Das ist ekelhafte Boulevardkacke, deren halber Erfolg darauf beruht, einfach Frauenmorde pseudo-künstlerisch zu romantisieren. Außerdem braucht niemand Promo-Artikel für irgendwelche Genozid-leugnenden Schriftsteller (Ah stop, Sorry! Nicht Promo für die Schriftsteller, sondern nur für ihr 🌻 Werk 🌻). Oder ganzseitige Modeshootings mit antisemitischen Comedians (Ich kann diese schwarz-goldene Versace-Blouse nicht. mehr. sehen.).

Mir ist schon klar, sowas verkauft sich, sowas gibt Klicks und Namen wie Spahn und Schauspieler X und Schriftsteller Y und Comedian Z ziehen. Aber echt kein Bock drauf. KATAPULT Kultur braucht sowas nicht. Wir müssen auch nicht über die neuen Releases irgendwelcher sexistischen Rapper schreiben. Lieber mal ein Interview mit Leuten, die sich gegen so ne Scheiße stellen, wie zum Beispiel mit den Leuten hinter @deutschrapmetoo. Dazu dann KATAPULT-Grafiken. Fertig. 

Wenn ihr, liebe Leser:innen (das wollt ich schon immer mal schreiben), noch Ideen oder Themenvorschläge habt, die wir endlich mal umsetzen sollen, schickt uns ne Mail an kultur@katapult-magazin.de. Und jaja, keine Sorge: Podcasts machen wir dann auch noch. Ihr könnt uns auch einfach Screenshots von den miesesten und unnötigsten Sachen im deutschen Feuilleton schicken, das ist auf ne unangenehme Art auch unterhaltsam.

Schluss (es wird noch lieb) 

Ok, das wars erst mal. Mein erstes eigenes Editorial. Ich schreib eigentlich gar nicht soo gerne und mir ist das alles auch etwas unangenehm. Ich weiß auch, dass der Text zu viele Klammern hat, aber hey, macht mal 👀 in die Kommentare, wenn ihr bis hierhin gelesen habt. Trotz allem: Hoffentlich bleibt das hier nicht mein letztes Editorial. Warum? Wenn alles klappt und ihr immer alles lest und anschaut (Danke 💘), wird KATAPULT Kultur nicht nur ein ödes Ressort auf der KATAPULT-Website (richtiges 2000er-Feeling) mit eigenen Social-Media-Accounts auf Instagram und Twitter (richtiges 2010er-Feeling) bleiben. KATAPULT Kultur soll gedruckt werden! Richtig schön bunt, mit nem Faltposter von James Harden. Hauptsache KATAPULT Kultur erscheint in größerer Auflage als das andere KATAPULT-Magazin. Richtiges 90er-Feeling! 

Authors

Julius Gabele, geboren 1993, ist seit 2017 Redakteur bei KATAPULT und vor allem für die Berichterstattung internationaler Politik zuständig. Er hat Geographie an der Universität Augsburg und der Universitat de Barcelona studiert. Er ist zudem als freiberuflicher Fotograf tätig.

Zu seinen Schwerpunkten zählen geopolitische Konflikte und Entwicklungspolitik.

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