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Kurzstudie

Superspreader: Impfkritische Inhalte auf Sozialen Netzwerken

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Studie: “The online competition between pro- and anti-vaccination views” von Neil F. Johnson, Nicolas Velásquez, Nicholas Johnson Restrepo, Rhys Leahy, Nicholas Gabriel, Sara El Oud, Minzhang Zheng, Pedro Manrique, Stefan Wuchty und Yonatan Lupu (Mai 2020)

Falschinformationen, gefährliche Hausmittel und Verschwörungstheorien werden nicht erst seit der Corona-Pandemie online geteilt. Darüber, wie sich diese Inhalte in sozialen Netzwerken verbreiten, ist bisher allerdings wenig bekannt. US-amerikanische Forscherinnen und Forscher haben nun über mehrere Monate untersucht, wie impfkritische Facebook-Seiten mit anderen Seiten interagieren. Das Ergebnis: Zwar bilden Facebook-Seiten mit impfkritischen Inhalten in Bezug auf die Zahl ihrer Abonnenten eine Minderheit, sie vernetzen sich aber besser mit anderen Seiten als impfbefürwortende Seiten und vergrößern ihre Followerzahlen schneller. Während des Masernausbruchs 2019 beispielsweise wuchsen impfkritische Seiten etwa dreimal so schnell wie impfbefürwortende Seiten. Nach Berechnungen der Forscherinnen und Forscher könnten impfkritische Inhalte daher in zehn Jahren Facebook dominieren.

Die Daten wurden zwischen Februar und Oktober 2019 automatisiert erhoben und anschließend mittels einer computergestützten Systemanalyse untersucht. Laut den Autorinnen und Autoren umfasst der Datensatz Fanseiten mit rund 100 Millionen Facebook-Nutzern weltweit. Impfkritische Personen bilden demnach kleinere virtuelle Gemeinschaften, also Facebook-Seiten mit einer geringeren Anzahl an Abonnenten. Sie sind auf Facebook aber aktiver, weil sie mehr mit anderen Usern oder Seiten agieren. Immerhin haben sie auch mehr Möglichkeiten dazu: Es gibt doppelt so viele impfkritische wie impfbefürwortende Seiten auf Facebook.

Die Forscherinnen und Forscher konnten außerdem zeigen, dass sich Facebook-Seiten mit impfkritischen Inhalten besser mit Seiten vernetzten, die keine Position zum Impfen bezogen. Da diese “neutralen” Seiten von allen drei Gruppen den größten Zuwachs an neuen Verknüpfungen zu anderen Seiten verzeichneten, bieten diese ein enormes Potenzial zur Verbreitung impfkritischer Inhalte.

Zusätzlich wurden qualitative Kriterien der virtuellen Gemeinschaften untersucht. Die impfkritischen Seiten zeichnen ein diverses Bild unterschiedlicher Themen, die von Sicherheitsbedenken über alternative Medizin bis hin zu Verschwörungstheorien reichen. Damit bedienen sie spezifische Nischen. Mit Erfolg: Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Themenvielfalt den Impfkritikern hilft. Weil sie viele Nischenthemen aufgreifen, kommen verschiedene Leute darüber miteinander ins Gespräch. So gewinnen die Seiten an Zuwachs. Laut einer Modellrechnung könnte eine stärkere Vernetzung der impfbefürwortenden Seiten den Erfolg der Impfgegner im Netz stoppen.

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War 2020 Praktikantin bei KATAPULT.

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