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war in ukraine

“We Shouldn’t Become a Battlefield Due to Your Silence!”

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Yuliya from Vienna

Hey everyone, my name is Yuliya. I come from Western part of Ukraine, from the Carpathian Mountains, and I am currently studying at the Central European University in Vienna. I am in Vienna right now, and this is a very safe and privileged position to be in, as I was not impacted by the war as much as those in my country. Still, all my family is currently in Ukraine, doing their best to help host internally displaced people from other regions. In Vienna, we are also doing our best to support Ukraine from abroad; we are collecting humanitarian aid and civilian defense items, and we are supporting Ukraine on the information front. A couple of days ago, we started making a podcast highlighting the voices of real people from the war.

We’ve also opened a couple of centers where we are collecting humanitarian aid for the refugees already in Vienna and for those who are impacted by the war in Ukraine. We are trying to change the situation somehow. I guess that the information front is one of the most important fronts at the moment, as there is lots and lots of Russian propaganda that has impacted many Western countries, the Middle East and the world in general. So, one of our aims is to spread the truth and to help people in different regions know this truth.

I want to say that the war in Ukraine is a very, very nasty aggression on the part of Russia. This is the real face of Russian imperialism, which operates differently from the U.S. version. I really want people in the West, especially people who consider themselves leftist or some sort of leftist, to think more critically, to listen to our voices and to understand that this war is not about them. This is about us.

This is about real aggression and real colonialism which is happening in my land, and my people are impacted and being killed by Russian troops. Yes, we're doing our best to survive, and we will do our best to fight back and defend our territorial integrity, our democracy and our people. But you should help us! Please, donate to our army and please, please, demand that your government institute a no-fly zone over Ukraine. It is such a double standard that we are to be the battlefield for your silence. Thank you so much. And take care!

Yuliya from Mariupol/Kyiv
Hi all. My name is Yulia Zahorodna. I am from Mariupol (currently occupied by Russians – AR), and now I live in Kyiv. I studied in Mariupol, and then, I got my Master’s degree in Media Communications from the Ukrainian Catholic University in Lviv. I currently work in the Press-Office of Kyiv International Airport “Zhulyany”.

What should people know about the Russian war in Ukraine? People need to know that we lost everything in war, and I am not talking about material things. We have lost those close to us; we have lost our feelings – that’s what happened to me. I completely lost my humanity and emotions towards those people who live in the invading country. I am not sorry for what is happening to them, and I am ready to attack them myself.

I am not sorry what for will happen to them in the next fifty years. I really want the worst things to happen to them for their silence. On the other hand, I understand that this is very bad because I am losing what makes me human and humane; I am losing human qualities. Be ready to lose all of that in war. You also lose your loved ones, your dreams and yourself. It is very scary, and the scariest thing is what happens next. You don’t know what will happen, and there is no exit. You don’t know who you are going to be, how you are going to look, how you will behave and whether you will keep anything that you were before the war. It is a complete loss of oneself. I call on everyone who will hear me to think of this. Don’t think about material things; think that you are losing everything that makes you human.


„Unser Land sollte nicht zum Schlachtfeld werden, weil ihr schweigt!“

Von Anna Romandasch

Die folgenden Texte stammen von zwei Frauen. Beide heißen Yuliya. Die eine lebt in Kyjiw, die andere in Wien. Sie sind Ukrainerinnen, die sich freiwillig gemeldet haben, und beide leiden. Beide bemühen sich darum, ehrliche Informationen über den Krieg in der Ukraine zu verbreiten. Dies sind ihre Gedanken:

Yuliya aus Wien

Hallo allerseits, mein Name ist Yuliya. Ich stamme aus den Karpaten, im Westen der Ukraine. Ich studiere im Moment an der Wiener Central European University. Zurzeit befinde ich mich in Wien. Dadurch bin ich in einer sicheren und privilegierten Lage, denn der Krieg betrifft mich nicht so stark wie meine Landsleute. Meine ganze Familie ist jedoch noch in der Ukraine und versucht, Unterkünfte für Geflüchtete aus anderen Landesteilen zu organisieren. Auch wir in Wien tun unser Bestes, um die Ukraine vom Ausland aus zu unterstützen. Wir sammeln Hilfsgüter und Schutzausrüstung für die Zivilverteidigung, und wir leisten Hilfe an der Informationsfront. Vor ein paar Tagen haben wir einen Podcast ins Leben gerufen, der Menschen aus diesem Krieg zu Wort kommen lässt. Außerdem haben wir Sammelstellen für Hilfsgüter eingerichtet – sowohl für diejenigen, die bereits nach Wien geflohen sind, als auch für die Menschen, die vor Ort vom Krieg betroffen sind. Wir versuchen irgendwie, die Lage zu verbessern. Ich vermute, die Informationsfront ist zurzeit eine der wichtigsten Fronten. Die russische Propaganda übt ihren Einfluss in vielen westlichen Ländern aus, im Nahen Osten und auf der ganzen Welt. Daher ist es eines unserer Ziele, die Wahrheit zu verbreiten und Menschen in verschiedenen Teilen der Welt diese Wahrheit zugänglich zu machen.

Ich möchte festhalten, dass der Krieg in der Ukraine ein scheußlicher, von Russland verübter Angriff ist. Hier zeigt der russische Imperialismus sein wahres Gesicht. Er unterscheidet sich von dem der USA. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Menschen im Westen, besonders die, die sich selbst als mehr oder weniger links bezeichnen, anfangen, kritischer zu denken. Sie sollten unsere Stimmen hören und begreifen, dass es bei diesem Krieg nicht um sie geht. Es geht um uns. Es geht um echte Aggression und echten Kolonialismus, die in meinem Land stattfinden. Meine Leute werden von den russischen Truppen getötet. Ja, wir geben unser Bestes, um zu überleben, und wir geben alles, um zurückzuschlagen und unsere territoriale Integrität zu verteidigen, unsere Demokratie und unser Volk. Aber ihr müsst uns helfen! Bitte, spendet an unsere Armee und bitte, bitte verlangt von eurer Regierung, dass sie über der Ukraine eine Flugverbotszone errichtet. Es zeugt von einer solchen Doppelmoral, dass wir aufgrund eures Schweigens zum Schlachtfeld werden sollen. Vielen Dank! Und passt auf euch auf!


Yuliya aus Mariupol/Kyjiw
Hallo, mein Name ist Yuliya Sahorodna. Ich stamme aus Mariupol (das zurzeit von den Russen besetzt ist, Anm. d. Red.) und lebe jetzt in Kyjiw. Ich habe in Mariupol studiert und einen Masterabschluss in Medienkommunikation an der Katholischen Universität von Lwiw gemacht. Gegenwärtig arbeite ich in der Pressestelle des Kyjiwer Schuljany-Flughafens.

Was sollten die Menschen über den russischen Krieg in der Ukraine wissen? Sie sollten wissen, dass wir in diesem Krieg alles verloren haben, und ich meine damit keine materiellen Dinge. Wir haben diejenigen verloren, die uns nahestanden; wir haben unsere Gefühle verloren – so ist es mir ergangen. Ich habe meine ganze Menschlichkeit und jegliche Gefühle gegenüber denjenigen verloren, die in dem Land leben, das bei uns einmarschiert. Es tut mir nicht leid, was mit ihnen geschieht, und ich bin bereit, sie selbst anzugreifen. Es tut mir nicht leid, was mit ihnen in den nächsten fünfzig Jahren geschieht. Ich wünsche mir, dass ihnen die schlimmsten Dinge widerfahren, weil sie schweigen. Andererseits verstehe ich, dass all dies sehr schlecht ist, denn ich bin dabei, das zu verlieren, was mich zu einem Menschen und menschlich macht; ich verliere zutiefst menschliche Eigenschaften. Sei bereit, im Krieg all dies einzubüßen. Du verlierst deine Angehörigen, deine Träume, dich selbst. Es ist beängstigend, und das Beängstigendste ist immer das, was als Nächstes passiert. Du weißt nicht, was es sein wird, und es gibt keinen Ausweg. Du weißt nicht, wer du sein, wie du aussehen, wie du dich verhalten wirst, und ob du irgendetwas von dem behältst, was dich vor dem Krieg ausgemacht hat. Es ist ein völliges Sich-selbst-Verlieren. Ich appelliere an alle, die mich hören, darüber nachzudenken. Denkt nicht an materielle Dinge. Denkt daran, dass ihr alles verliert, das euch zum Menschen macht.


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