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WM-Affäre

Kein Schuldspruch gegen „den Kaiser“

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Am 6. Juli 2000 erhielt Deutschland den Zuschlag für die WM 2006. Der damalige Chef des Bewerbungskomitees war Franz Beckenbauer. In Deutschland ist er seit 1969 als »Kaiser« bekannt. Er soll vor der WM-Vergabe umgerechnet 6,7 Millionen Euro von Robert Louis-Dreyfus, dem damaligen Adidas-Vorstandschef, erhalten haben. Um Stimmen zu kaufen und die WM nach Deutschland zu holen, so der Vorwurf. Wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde, ist ungeklärt. Es verschwand letztendlich auf Konten des damaligen FIFA-Finanzchefs Mohamed bin Hammam.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im August 2019 unter anderem gegen Beckenbauer Anklage wegen Betruges erhoben. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes wurde sein Verfahren getrennt von dem gegen die anderen Angeklagten - Theo Zwanziger, seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach, den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und den Ex-FIFA-Generalsekretär Urs Linsi - zu Ende geführt. Beckenbauer erwarten keine juristischen Konsequenzen mehr. Die Vorwürfe verjährten im April 2020.

In Deutschland müssen sich Zwanziger, Niersbach und Schmidt aber noch in einem weiteren Anklagepunkt vor Gericht verantworten. Es geht zwar um dieselbe Sache, aber der Vorwurf lautet diesmal Steuerhinterziehung. Die ominöse Summe von 6,7 Millionen Euro war in der Steuererklärung unter »Kostenbeteiligung FIFA-Gala 2006« als Betriebsausgabe verbucht worden.

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Fußnoten

  1. Nestler, Stefan: Prozess um WM-Affäre 2006: Die Uhr ist abgelaufen, auf: dw.com (27.4.2020); Dahlkamp, Jürgen: Sommer, Sonne, Schwarzgeld, auf: spiegel.de (01.9.2016).

Autor*innen

Ist seit Sommer 2019 Redakteurin bei KATAPULT. Sie ist Historikerin und schreibt vor allem über soziale und gesellschaftspolitische Themen.

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