Fleischersatz
Vegane Burger vom Schlachter

Fleischlose Ernährung liegt im Trend. Viele Ersatzprodukte werden jedoch von Fleischkonzernen hergestellt.



Als der Beyond-Meat-Burger Mitte 2019 auf den deutschen Markt kam, gab es einen großen Hype um pflanzlich erzeugte Bratlinge. Mittlerweile führt fast jede Supermarktkette ihren eigenen veganen Burger im Sortiment. Oft werden diese jedoch nicht von Pionierfirmen fleischloser Produkte hergestellt, sondern von großen Fleischproduzenten.

Unternehmen wie Ponnath oder Vossko haben die positive Marktentwicklung für sich entdeckt. Inzwischen produzieren sie für Handelsketten wie Netto, Lidl oder Rewe nicht nur Wurst- und Fleischwaren, sondern auch vegetarische und vegane Alternativen. Sie können sich den neuen Absatzmarkt leichter erschließen als ihre Konkurrenten mit rein veganen Produkten, da sie bereits über ein ausgeprägtes Vertriebsnetz und große Marketingbudgets verfügen. Für die Großkonzerne lohnt sich der Einstieg in die Herstellung vegetarischer und veganer Lebensmittel. Der weltweite Markt hatte 2018 einen Umfang von 4,5 Milliarden US-Dollar, dieser soll sich in den kommenden sechs Jahren um 71 Prozent auf rund 7,7 Milliarden US-Dollar erhöhen.1

Mit veganen Produkten betreten die eigentlichen Fleischproduzenten aber überwiegend Neuland. Nicht so Rügenwalder Mühle, einer der größten Akteure am deutschen Fleischmarkt. Das Unternehmen hat bereits vor sieben Jahren erste vegetarische und vegane Produkte in Fleisch- und Wurstform eingeführt. Mittlerweile übersteigt die Anzahl der zumindest fleischfreien Produkte im Sortiment des Herstellers die Zahl der Wurst- und Fleischwaren um mehr als das Doppelte.2 Inzwischen erwirtschaftet der Lebensmittelriese 34 Prozent seines Gesamtumsatzes in dieser Kategorie.

Für viele Menschen, die sich aus ethischen Gründen gegen Fleischkonsum entscheiden, ergibt sich mit diesen vegetarisch-veganen Produkten ein Widerspruch. Einerseits fließen die Gewinne daraus an Unternehmen, für die das Schlachten auch weiterhin wichtiger Bestandteil ihres Geschäfts bleibt. Andererseits bestehen die Ersatzprodukte häufig aus tierischen Produkten. Der vegetarische Aufschnitt der Rügenwalder Mühle besteht beispielsweise fast ausschließlich aus gefärbtem Eiklar.3


Dieser Text stammt aus der KNICKER-Ausgabe 7 zum Thema Lebensmittelmarkt. Darin geht es um die Marktmacht großer Konzerne in Schwellen- und Entwicklungsländern, Menschenrechte zum Dauertiefpreis und vegane Burger, die von Fleischkonzernen hergestellt werden. Zu den Artikeln gibt es aufwendig recherchierte Karten – und eine A1-Karte zu Lebensmittelkonzernen und den dazugehörigen Marken.

Hier gibt es KATAPULT und KNICKER im Abo.




[1] Report and Data: Meat Sustitutes Market Analysis, auf: reportsanddata.com (September 2019).
[2] Rügenwalder Mühle (Hg.): Die Rügenwalder Mühle auf einen Blick, auf ruegenwalder.de.
[3] Kriener, Manfred: Die dunkle Seite des Schinken Spickers, auf: taz.de (11.10.2015).


20.05.2020

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Kommentare


Sarah   11:14 Uhr 21.05.2020

@ Ulf, schau mal, in der Grafik sind diese Produzenten grün markiert :)





Hans   12:31 Uhr 20.05.2020

@Uli:
Hier ist ne Liste für den US-amerikanischen Raum.
https://www.kindlygeek.com/who-owns-the-vegan-food-brands-the-complete-list


Danke für die Übersicht, Katapult. Für Pflanzenmilch würde ich mir eine ähliche Liste wünschen!





Uli   11:52 Uhr 20.05.2020

Stellt sich die Frage, wie kann man ausschließlich Produzenten unterstützen, die nicht von Tierleid profitieren ?
Gibt es da eine Übersicht/Liste ?



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