Wohlbefinden statt Wachstum
Scheiß aufs BIP!

Wirtschaftswachstum alleine macht nicht glücklich. Deswegen wenden sich einige Staaten bereits vom Bruttosozialprodukt ab - und suchen nach Alternativen. Von JULIUS GABELE



Schottland interessiert sich nicht mehr so sehr für sein Wirtschaftswachstum. Island und Neuseeland auch nicht. Die drei Staaten gründeten 2018 die Gruppe der “Wellbeing Economy Governments”, also der Regierungen einer “Ökonomie des Wohlergehens”. Der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon zufolge habe der jahrzehntelange Fokus auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr Verlierer als Gewinner produziert. Es sei auch der falsche Weg, um Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Überalterung der Gesellschaft anzugehen. Das Ziel progressiver Wirtschaftspolitik sollte also eher das gesellschaftliche Wohlergehen und nicht mehr allein kontinuierliches Wirtschaftswachstum sein.

Statt des BIPs sollten eher Indikatoren wie Lohngleichheit, Zufriedenheit der Kinder, Zugang zu Grünflächen und bezahlbarem Wohnraum gemessen werden. Die ersten Maßnahmen der Fokusverschiebung wurden bereits umgesetzt: Island hat die wohl progressivste Gesetzgebung bezüglich Lohngleichheit für Männer und Frauen, Mutter- und Vaterschutz sowie Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben. 2019 verabschiedete Neuseeland sein erstes “Wellbeing Budget” mit Schwerpunkt auf der psychischen Gesundheit seiner Einwohner und dem Kampf gegen Kinderarmut. Die Antwort auf die Frage, ob es von Bedeutung sei, dass alle drei Länder aktuell von Frauen angeführt werden, überließ Nicola Sturgeon bei einem Vortrag dem Publikum.1

Dieser Text erschien in der 15. Ausgabe von KATAPULT. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 19,90 Euro im Jahr.




[1] TED (Hg.): Nicola Sturgeon: Why governments should prioritize well-being, auf: ted.com (im Juli 2019)


24.04.2020

Schreiben Sie einen Kommentar


Vorname: *
Nachname:
E-Mail: *
Ihr Kommentar: *
CAPTCHA


1 - 2

Kommentare


Karl Kloos   01:09 Uhr 28.04.2020

Ich glaube nicht, dass sich Regierung davon abwenden werden, auf das Wirtschaftswachstum zu achten. Es wird nicht auf das BIP geschissen, wie der Artikel suggerieren will. Das Wirtschaftwachstum ist nicht nur eine einfache Größe, sondern ein wichtiger Indikator für den Wohlstand und damit auch das Wohlergehen die Leute. Dass diese Größe nicht alle Aspekte des Wohlergehens der Leute abbilden kann, sollte klar sein. Nur Länder mit einem gewissen Wohlstand können es sich ernsthaft um solche Aktionen bemühen. Und es sind nicht nur die drei Länder, die in diese Richtungen denken, sondern viele andere Länder mit einem hohen Wohlstand:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wellbeing_Budget





Lisa   16:05 Uhr 24.04.2020

Hier sollte noch der Vorreiter des Ganzenerwähnt werden: Bhutan (siehe Bruttonationalglück)



1 - 2
AUTOR/IN

ÄHNLICHE ARTIKEL

  1. NUTS-2 Deutschland, Europas Reichenviertel

  2. Demografie Außereheliche Geburten 2016

  3. Nerd-Wissen Die nächsten Hauptstädte für Orte in Alaska

  4. Wirtschaft Vier Regionen mit ähnlicher Wirtschaftsleistung

  5. #afrikaistkeinland Staaten umbenannt in Länder mit ähnlicher Wirtschaftsleistung



ÄHNLICHE KARTEN















© 2020 Katapult gUG (haftungsbeschränkt)