Europäische Union
7 Gründe, warum der BREXIT die EU retten wird

Die Briten sind raus. Nichts hätte der EU besser helfen können, ihre Stärken zu präsentieren. Endlich gibt es einen Präzedenzfall, der einen Vergleich überhaupt erst ermöglicht. Ein Szenario. Von BENJAMIN FREDRICH



1. Keine nörgelnden Briten mehr in der EU
Seit Margaret Thatcher sind die Briten im Dauerstreit mit der EU. Jakob Augstein betrachtet den Brexit bereits als Beendigung eines großen Missverständnisses.1 Die Briten waren nie bereit für die EU und haben das Projekt eher gelähmt als gefördert. Die EU kann jetzt endlich ungestört arbeiten.

2. Großbritannien trifft es wirtschaftlich so hart, dass kein zweites Land austreten will
Zölle und der nicht mehr vorhandene freie Warenverkehr werden die britische Wirtschaft enorm schwächen. Der Pfund fällt, die Arbeitslosigkeit steigt. London wird nicht mehr der Finanzplatz Nummer eins in Europa sein. Start-ups werden ihren Sitz noch eher nach Berlin, Paris oder Amsterdam verlegen und London als beliebtesten Ort für Unternehmensgründungen und Innovationen ablösen.

3. Nordirland und Schottland treten der EU bei
Durch den BREXIT verliert die EU ein Mitgliedsland und gewinnt zwei: Schottland und Nordirland. Das britische Empire verwandelt sich zu einem kleinen Königreich, das wirtschaftlich so stark sein wird wie etwa Polen.

4. Die EU konzentriert sich auf populäre Politik
TTIP und CETA wird es nicht geben, weil darüber abgestimmt wird. Sinnlose Verordnungen werden zurückgenommen, Jean-Claude Juncker und Martin Schulz profilieren sich als Politiker, die ihre Mitgliedsstaaten vor Krisen schützen, wirtschaftlich stabil halten und die Bevölkerung immer öfter in die Entscheidungsprozesse einbeziehen.

5. Die offenen Lügen der Brexeteers schwächen die EU-Gegner der restlichen Staaten
Bereits ein Tag nach dem britischen Referendum ist klar geworden, dass die Argumente von Boris Johnson und Nigel Farage nicht umzusetzen sind. Die Briten werden durch den BREXIT keine 350 Millionen Pfund in das Gesundheitssystem stecken, ihre Einwanderung nicht stoppen, sondern nur kontrollieren, und wirtschaftlich enorm verlieren. Noch schlimmer: Farage hat seinen Rücktritt erklärt und damit gezeigt, dass er keinen Plan hat, wie der BREXIT jetzt umzusetzen ist. Die gesamte Europäische Rechte wird es schwer haben, die gleichen Lügen in einem Wahlkampf gegen die EU zu verkaufen.

6. Junge Leute gehen wieder wählen, auch für die EU
Die Berichterstattung über die britischen Nichtwähler führt dazu, dass junge Europäer wieder wählen gehen und der EU neue Legitimation verschaffen.

7. Durch den BREXIT werden die Vorteile der EU wieder sichtbar
Reisefreiheit, Niederlassungsfreiheit, Arbeitnehmerfreizügigkeit und vieles mehr - nach der Durchführung des BREXIT wird in emotionaler Weise über traurige Schicksalsgeschichten berichtet werden. Briten, die ihre Arbeit in Spanien verlieren und arbeitslos in ihre Heimat zurückgeschickt werden, in der sie auch keine Arbeit finden, werden als Abschreckungsbeispiel eines EU-Austritts herangezogen.

Erst durch den BREXIT wird wieder klar, dass die EU nicht nur für Empfängerländer Vorteile hat. Es scheint fast so, als hätten die Briten noch viel früher austreten müssen. Kein weiteres Land wird die EU danach verlassen wollen. Einziger Nachteil: Großbritannien hat eine schwere Zeit vor sich.

Vielleicht treten sie danach wieder in die EU ein: Herzlich willkommen! Ganz egal, wie sich die Briten entscheiden, der BREXIT wird der EU die nächsten 60 Jahre als metaphorische Siegessäule dienen. Großbritannien, vielen Dank.



[1] Vgl. URL: https://www.youtube.com/watch?v=ZIq_L3UnRTk&feature=youtu.be, 06.07.2016.


06.07.2016

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Kommentare


Gerd Wegner   09:42 Uhr 11.07.2016

HaHaHa,
wenn Sie "Vorsicht Satire" über Ihren Erguss geschrieben hätten, wäre es sogar glaubhaft.





Marc   11:36 Uhr 09.07.2016

zu 1: endlich kann Juncker grenzenlos regieren
zu 2: die Briten werden so hart sanktioniert, dass bloss keiner mehr auf die Idee kommen soll und alle schön in la familia bleiben
zu 3: damit tun sie sich keinen Gefallen, es sei denn sie werden gerne augesaugt. Irgendwer muss die "Zeche" der Briten ja jetzt zahlen
zu 4: Die EU hat jetzt Narrenfreiheit
zu 5: ich hoffe, dass der genaue Gegeneffekt eintritt und die Machenschaften der Politclowns für Jedemann begreifbar wird.
zu 6: Die Jungen wurden schon vorgeimpft, weil ihnen erzählt wurde, wie schlimm es vor der Jahrtausendwende in Europa war und wir alle im Bürgerkrieg lagen mit unserer Naziwährung D-Mark
zu 7: welche Vorteile ?





Illoinen   10:36 Uhr 09.07.2016

"Reisefreiheit"? Aber nur für die es sich leisten können. "Arbeitnehmerfreizügigkeit" hat doch erst zu dem Lohndumping in Europa geführt. Deutschland nennt man heute spöttisch im Ausland schon das "dritte Welt Land der EU"

Mit Lohndumping zu Lasten anderer Länder, hat Deutschland genau das erreicht was es wollte. Wirtschaftlich die anderen EU Staaten zu dominieren. Mit den deregulierten Finanzmärkten, die politisch gewollt sind, mussten am Ende in Europa die Banken mit mehr als 1600 Milliarden "gerettet" werden, alleine Deutschland musste 400 Milliarden aufwenden. Verändert sich nichts seit dem, die nächste Finanzblase kommt bestimmt, denn dies war und ist politisch in Europa gewollt.





Heinrich Heiler   01:09 Uhr 09.07.2016

Insbesondere am Tag des Brexit akzeptierte das OCS zwei Mitglieder des Commonwealth, Indien und Pakistan, das OCS, das bis jetzt noch kein solches Mitglied aufgenommen hatte [9].

Wenn man auch nichts von den Kontakten weiß, die das Vereinigte Königreich schon mit Russland aufgenommen hat, kann man wohl seine Annäherung an China beobachten.

Letzten März enthüllte der London Stock Exchange, der die Börsen der City und Mailand verwaltet, die geplante Fusion mit der Deutschen Börse, die die Frankfurter Wertpapierbörse, die Ausgleichskammer Clearstream und den Eurex betreibt. Es war geplant, dass die beiden Unternehmen gleich nach dem Referendum zum Brexit über die Operation entscheiden. Diese Ankündigung war umso verwunderlicher, da die europäischen Verordnungen formell diesen Vorgang verbieten, welcher der Schaffung einer "marktbeherrschenden Stellung" gleich käme. Die Ankündigung setzte daher voraus, dass beide Unternehmen den Abtritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union vorwegnehmen.

"Darüber hinaus kündigte der London Stock Exchange eine Vereinbarung mit dem China Foreign Exchange Trade Systems (CFETS) an und wurde im Juni die erste Börse der Welt, welche chinesische Staatsanleihen anbietet. Alle Faktoren waren also vereint, um aus der City das chinesische Trojanische Pferd in der europäischen Union auf Kosten der US-amerikanischen Vorherrschaft zu machen."
http://www.voltairenet.org/article192728.html



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