Studie
Ressourcenfluch ohne Ressourcen

Rohstoffreichtum kann negative Folgen für ein Land haben. Die Studie zeigt, dass sich diese Effekte auch in Ländern einstellen können, in denen Rohstoffreichtum lediglich vermutet wird.



Studie: »The resource curse without natural resources: expectations of resource booms and their impact« von Jędrzej George Frynas, Geoffrey Wood und Timothy Hinks (Februar 2017)

Rohstoffreichen Ländern müsste es eigentlich gut gehen. Doch paradoxerweise hat ein hohes Aufkommen an natürlichen Ressourcen häufig negative wirtschaftliche und politische Auswirkungen. In der Wissenschaft spricht man vom »Ressourcenfluch«: ressourcenreich und dennoch arm. Viele Staaten schaffen es nicht, die Förderung ihrer Rohstoffe für den eigenen wirtschaftlichen Aufschwung zu nutzen.

Eine britische Studie kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass sich diese Effekte des Ressourcenfluchs auch in Ländern einstellen können, in denen Rohstoffreichtum lediglich vermutet wurde. Die Wissenschaftler Fynas, Wood und Hinks wiesen die negativen Folgen auch in Ländern nach, in denen zwar vorläufige Planungen oder auch explorative Abbauarbeiten durchgeführt wurden, in denen jedoch keine großen Mengen an Rohstoffen gefunden und abgebaut wurden.

Sie untersuchten dafür, inwieweit die Zukunftserwartungen für den Boom natürlicher Rohstoffe in den beiden afrikanischen Staaten São Tomé und Príncipe sowie Madagaskar zu Ressourcenflucheffekten führten, obwohl beide Länder den erwarteten Aufschwung nicht erlebten. Tatsächlich kam es allein aufgrund der Erwartungen positiver Effekte zu negativen Auswirkungen.

Zu den größten Auswirkungen des Ressourcenfluchs gehörte ein unbeständigeres Wirtschaftswachstum und eine verschlechterte Staatsführung der beiden Länder. Die Studie zeigt, dass die Erwartung eines Ressoucensegens allein ausreicht, um sich negativ auf die materiellen sowie politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten eines Landes auszuwirken.

Zukünftig werden noch mehr Staaten von dieser neuen Art des Ressourcenfluchs betroffen sein, so die Wissenschaftler. Sie führen das auf die extrem schwankenden Preise für Rohstoffe zurück sowie auf die vereinfachte Verfügbarkeit von Investitionskapital und Krediten. Diese machen spekulativen Abbau vermeintlicher Rohstoffvorkommen wahrscheinlicher und erleichtern deren Suche.

Dieser Text erschien in der zehnten Ausgabe von KATAPULT. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 19,90 Euro im Jahr.

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20.08.2018

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