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Grafiken und Daten zu Corona

KATAPULT zerlegt Stammtischparolen

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Irgendwann taucht es im Gespräch immer auf derzeit: das Thema Corona. Weil es sehr emotional diskutiert wird, sammeln wir hier alle Studien und Daten, die wir zu Corona finden. Damit ihr sachlich darüber sprechen könnt und dafür Zahlen und Wissenschaft als Grundlage habt.

Themenvorschläge bitte per Mail an: onlineredaktion@katapult-magazin.de.

Onkel Jürgen fragt: „Ist Corona wirklich schlimmer als die Grippe?”

Corona und Grippe, Erkrankungen im Vergleich
Corona und Grippe, Dauer im Vergleich

Antwort: Ja.

Die Anzahl der Erkrankten ist deutlich höher. Das belastet unser Gesundheitssystem auf Dauer. Heißt: Die Krankenbetten sind viel schneller voll. Und auch: Mehr Pflegepersonal wird selbst krank. Daher ist es sinnvoll, Menschen davor zu schützen. Vor allem jene, die sich nicht impfen lassen können.

Quellen: RKI, NaLi, Destatis, RKI

Onkel Jürgen fragt: „Wie viele Menschen sterben nach der Corona-Impfung?“

Todesfälle nach der Impfung

Antwort: Sehr, sehr wenige sterben im Zeitraum danach und ein Zusammenhang mit der Impfung ist nicht eindeutig bewiesen.

Das Paul-Ehrlich-Institut berechnet, dass es zwei Todesfälle zeitnah nach 100.000 Corona-Impfungen gab. Die Todesursache ist jedoch nicht immer eindeutig die Impfung. Es könnte durchaus auch andere Gründe haben. Außerdem ist die Anzahl der Toten dieselbe wie die erwarteten Totesfälle in diesem Zeitraum.

Das Institut, das für die Impfstoffzulassung in Deutschland verantwortlich ist, erklärt: "Wenn ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko geimpft werden, dann wird es eine gewisse Anzahl von zufälligen Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung assoziiert zu sein."

Quellen: RKI

Onkel Jürgen sagt: „Die Schnelltests sind unnötig!“

Antigen-Schnelltests Wirkung
Qualität Antigentests

Antwort: Schnelltests sind ein wichtiges Hilfsinstrument bei der Bekämpfung der Coronapandemie. Trotzdem sind sie nicht 100 Prozent zuverlässig. Coronamaßnahmen können sie nicht ersetzen.

Durchschnittlich sind Infizierte rund acht Tage ansteckend. Christian Drosten, Virologe der Berline Charité, sagte, dass an den drei Tagen vor Symptombeginn bei Infizierten eine Sicherheitslücke bestehe. Heißt: Einige Schnelltests schlagen nur an fünf von acht Tagen an.

Für Schnelltests gibt es zwei wichtige Kennzeichen, um ihre Zuverlässigkeit zu bestimmen: Sensitivität und Spezifität. In Deutschland sind nur Tests mit einer Sensitivität von mindestens 80 Prozent zulässig. Das bedeutet, dass eine Antigentestmarke von 100 PCR-positiven Proben über 80 Prozent ebenfalls als positiv erkennen muss. In Deutschland sind außerdem nur Schnelltests zugelassen, die eine Spezifität von über 97 Prozent sicherstellen. Das heißt, die Tests müssen von 100 asymptomatischen Personen 97 als korrekt nicht-infektiös erkennen.

Fazit: Schnelltests sind ein wichtiges Instrument. Trotzdem sind sie nicht 100 Prozent zuverlässig. Die Coronamaßnahmen wie Abstand halten, desinfizieren, Hände waschen, Maske tragen, etc. ersetzen sie nicht. Trotzdem sollte man beim Kauf der Tests noch mal auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts checken, ob der Test den Kriterien entspricht.

Quellen: NDR; Quarks

Onkel Jürgen sagt: „Die Impfung schützt nicht vor Corona!“

Schutz der Impfung vor Erkrankung
Impfstatus unbekannt

Antwort: Doch. Wenn auch nicht zu 100 Prozent.

Wenn sich eine geimpfte Person mit dem Coronavirus infiziert, ist sie zu 90 Prozent vor einer schweren Erkrankung geschützt. Zum Vergleich: Wenn sich eine ungeimpfte Person infiziert, ist sie zu 0 Prozent vor einem schweren Verlauf geschützt.

Onkel Jürgen fragt: „Macht die Corona-Impfung Frauen unfruchtbar?“

Frauen unfruchtbar nach Impfung

Antwort: Dafür gibt es keinen Beleg.

Viele Frauen sind unsicher, ob sie nach einer Impfung schwanger werden können. Forschende sind sich hier aber einig: Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise, dass eine Impfung unfruchtbar macht. Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen ungeimpften Personen ab 12 Jahren die Corona-Impfung. Auch Frauen, die schwanger werden wollen, wird die Impfung empfohlen. Die Annahme, dass die Impfung etwas an der Plazenta verändern könnte, ist falsch. Daten zeigen, dass Frauen mit Antikörpern - also nach einer Erkrankung oder eben einer Impfung - gesunde Kinder zur Welt bringen.

Quelle: Zusammengegencorona.de

Onkel Jürgen fragt: „Jede Corona-Impfung hat doch arge Nebenwirkungen, oder?“

Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe

Antwort: Nein. Fakt ist, dass die Impfung Nebenwirkungen haben kann. Die sind selten. Deswegen bieten Impfungen mehr Schutz als Risiko.

Am häufigsten melden Personen nach einer Impfung Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen an der Einstichstelle und Kopfschmerzen. In seltenen Fällen wurden auch schwerwiegende Impfschäden gemeldet.

Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt in Deutschland die Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen. Für den Zeitraum Ende Dezember 2020 (seit Zulassung des mRNA-Impfstoffes Biontech Pfizer) und Ende November 2021 wurden knapp 200.000 Verdachtsfälle nach einer Corona-Impfung gemeldet. Über die Hälfte der Verdachtsfälle wurde nach einer Impfung mit Biontech Pfizer angegeben. Im gleichen Zeitraum sind über 123 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Auf 1.000 Impfungen sind demnach 1,6 Verdachtsfälle gemeldet worden.

Hier die Melderaten für Nebenwirkungen pro Impfstoff:

  • Biontech Pfizer: 1,2 pro 100.000 Impfungen
  • Moderna: 2,7 pro 100.000 Impfungen
  • Astra Zeneca: 3,6 pro 100.000 Impfungen
  • Johnson&Johnson: 2,2 pro 100.000 Impfungen

Zu den sehr seltenen Nebenwirkungen zählen Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen. Einige Studien sehen hier vor allem junge Männer nach der zweiten Impfung gefährdet, eine dänische Studie ergibt ein höheres Risiko dafür bei jungen Frauen.

Starke allergische Reaktionen auf alle vier Impfungen wurden nur äußert selten beobachtet. In Deutschland ist es weniger als ein Fall pro 100.000 Impfungen.

Eine weitere - in den Medien viel besprochene - Nebenwirkung ist das Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom. In einigen Fällen endete dieses tödlich. Eine genaue Zahl, wie viele Menschen betroffen sind, gibt das Paul-Ehrlich-Institut nicht an, schreibt aber, diese Nebenwirkung sei ebenfalls sehr selten.

Quelle: PEI

Onkel Jürgen meint: „Wir leben in einer Corona-Diktatur!“

Antwort: Nein. Demokratische Standards wurden während der Pandemie ohne Einschränkung eingehalten.

Zumindest ist das in Deutschland nicht der Fall. Forscher:innen der Universität Göteborg haben sich angeschaut, mit welchen Mitteln unterschiedliche Staaten der Corona-Pandemie zwischen März 2020 und Juni 2021 begegnet sind. Insgesamt analysierten sie 144 Staaten und fragten, ob die politischen Reaktionen auf die Krise demokratische Standards unterliefen. Zusammen mit Portugal, Österreich, der Schweiz, Finnland, Dänemark und Irland zählt Deutschland zu den europäischen Ländern, in denen demokratische Standards während der Pandemie ohne Einschränkung eingehalten wurden.

Quelle: Varieties of Democracy

Onkel Jürgen fragt: "Leiden Kinder auch unter Long Covid?"

Antwort: Das ist bisher noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen.

Müdigkeit, Kopfschmerzen und schnell aus der Puste: Das sind die Symptome, die derzeit nach einer Coronaerkrankung oft genannt werden. Die Wissenschaft hat aber derzeit noch nicht genügend Daten, um wirklich eindeutig sagen zu können, ob diese Symptome auch direkt mit einer Coronaerkrankung zusammenhängen.

Einige Studien deuten aber darauf hin. Beispielsweise zeigt eine russische Studie, dass Kinder nach einer Coronaerkrankung Symptome haben, die sie zuvor nicht hatten. Allerdings ist derzeit die Studienlage zu Long Covid sehr überschaubar.

In vielen Studien sind Vorerkrankungen und andere Ursachen nicht miteinbezogen. In manchen Studien wurden Kinder nach einer Coronaerkrankung und Kinder ohne Coronaerkrankung verglichen. Sie zeigten teilweise die gleichen Symptome. Tatsächliche Zahlen zur Häufigkeit von Long Covid gibt es daher (noch) nicht. Forschende gehen davon aus, dass die Bevölkerung derzeit auch gestresst sei und die Pandemie an den Nerven zerrt.

Quelle: Osmanov et al.; Süddeutsche

Onkel Jürgen behauptet: „Deine Dreckstöle verbreitet Corona!“

Antwort: Nein. Haustiere verbreiten das Virus nicht, können sich aber infizieren. Das kommt aber jedoch selten vor.

Hunde, Katzen, Kaninchen, Goldhamster und Frettchen können sich mit dem Coronavirus anstecken. Das ist aber selten. Seit 2020 haben sich in Deutschland insgesamt 19 Haustiere angesteckt, davon 15 Katzen und vier Hunde. Momentan wird vermutet, dass die Ansteckungen meist ohne Symptome verlaufen. Deswegen sollten infizierte Menschen nicht mit ihren Haustieren schmusen und eher auf Distanz gehen. Einen Hinweis darauf, dass Haustiere das Virus auf Menschen übertragen, gibt es bisher nicht. Das Löffler-Institut startet gerade eine Studie für Leute, die Hunde halten und positiv auf Covid-19 getestet wurden.

Onkel Jürgen sagt: "Das sind meine Gründe, warum ich mich nicht impfen lasse."

Antwort: Ja, Menschen haben Angst. Müssen sie aber nicht. Die Impfung gilt nicht mehr oder weniger gefährlich als andere Impfungen auch. Gründe, sich nicht impfen zu lassen, gibt es nicht, sofern für eine Person die Impfung nicht aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres Alters nicht empfohlen ist.

Im Oktober 2021 befragte das Forsa-Institut in Deutschland rund 3.000 nicht geimpfte Personen, warum sie sich nicht impfen lassen. Wenn die Personen frei antworteten - also ohne vorgegebene Antwortmöglichkeit - gaben die meisten an, dass die Impfstoffe noch nicht gut genug erprobt wären. Knapp jede zehnte Person wollte noch auf einen anderen zugelassenen Impfstoff warten. Diese Personen können jetzt aufatmen. Seit Februar 2022 ist der Impfstoff Nuvaxovid in Deutschland verfügbar. Im Unterschied zu den bisherigen Impfungen enthält dieser Impfstoff ein fertiges Spikeprotein. Bei den bisherigen Impfestoffen wurde dem Körper nur ein Bauplan des Spikeproteins gespritzt. Herstellen musste es der Körper dann selbst.

Quelle: Tagessschau

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Fußnoten

  1. Robert Koch Institut (Hg.) Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2020, auf: rki.de.
  2. NaLi (Hg.): Influenza, auf: nali-impfen.de.
  3. Destatis (Hg.): Statistik Dossier, Daten zur Covid-19-Pandemie, Ausgabe 08/2021, auf: destatis.de (15.12.2021).
  4. RKI, S.6.
  5. Robert-Koch-Institut (Hg.): Wie sind die Todesfälle nach COVID-19-Impfung einzuordnen?, auf: rki.de (ohne Datum).
  6. Rehrmann, Marc-Oliver: Drosten: "Schnelltests sind wohl weniger zuverlässig als gedacht", auf: ndr.de (13.4.2021).
  7. Quarks (Hg.): Corona-Tests: Diese gibt es - und so zuverlässig sind die, auf: quarks.de (20.4.2020).
  8. Zusammen gegen Corona (Hg.): Corona-Schutzimpfung: Das Gerücht von der Unfruchtbarkeit, auf: zusammengegencorona.de (11.11.2021)
  9. Paul-Ehrlich-Institut (Hg.): Sicherheitsbericht, auf: pei.de (23.12.2021).
  10. Varieties of Democracy (Hg.): Pandemic Backsliding: Democracy During Covid-19 (PanDem), Version 6, auf: v-dem.net (ohne Datum).
  11. Osmanov et al.: Risk factors for post-COVID-19 condition in previously hospitalised children using the ISARIC Global follow-up protocol: a prospective cohort study, auf: https://erj.ersjournals.com/ (Januar 2022).
  12. Bartens, Werner: Der lange Schatten der Infektion, auf: sueddeutsche.de (9.2.2022).
  13. BR24 (Hg.): Schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe: Auf Kosten der Sicherheit? | Faktenfuchs | BR24, auf: youtube.com (1.5.2021).
  14. Nick, Andrews; u.a.: Effectiveness of COVID-19 vaccines against the Omicron (B.1.1.529) variant of concern; auf: medrxiv.org (14.12.2021).
  15. Friedlich-Löffler-Institut: FAQ SARS-CoV2 / Covid-19 und Tiere, auf: openagrar.de (2.2.2022).
  16. Telefongespräch mit Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts am 3.2.2022.
  17. Shi, Jianzhong: Susceptibility of ferrets, cats, dogs, and other domesticated animals to SARS–coronavirus 2, auf: science.org (April 2020).

Autor:innen

Geboren 1994, ist seit 2021 Grafikerin bei KATAPULT. Sie hat visuelle Kommunikation in Graz studiert und ist Illustratorin.

Seit 2020 Redakteurin bei KATAPULT. Hat Journalismus und Kommunikation in Wien und Amsterdam studiert. Themenschwerpunkte sind Gesellschaftspolitik und feministische Themen. Macht auch Podcasts.

Ist seit 2019 bei KATAPULT und seit 2020 Onlinechefin. Vor allem für die Berichterstattung über sozialpolitische Themen zuständig. Zu ihren journalistischen Schwerpunkten zählen Kultur- und Arbeitsthemen.

Geboren 1986, ist seit 2020 Redakteur bei KATAPULT. Er hat Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg und Greifswald studiert und wurde mit einer Arbeit im Bereich Politische Ideengeschichte promoviert. Zu seinen Schwerpunkten zählen die deutsche Innenpolitik sowie Zustand und Entwicklung demokratischer Regierungssysteme.

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