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Arbeit

Warum Minijobs auch problematisch sind

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Wer einen Minijob hat, darf bis zu 450 Euro monatlich verdienen - ohne Steuern oder Abgaben für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Wenn sich Arbeitende auch von der Rentenversicherung befreien lassen, heißt das: Was Brutto auf dem Lohnzettel steht, landet fast komplett Netto auf dem Konto. Für viele Menschen, die sich neben dem Studium, der Rente oder einem anderen Teil- oder Vollzeitjob etwas dazu verdienen wollen, klingt das oft verlockend.

Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland gehen einem Minijob nach. Das ist etwa zweimal die Bevölkerung Berlins. Für über vier Millionen ist er die einzige Einnahmequelle. Minijobs wurden 2003 eingeführt, um Menschen zu ermöglichen, unkompliziert etwas Geld dazu zu verdienen und um Schwarzarbeit zu vermindern. Wer nebenbei als Kellner:in arbeiten möchte, soll das tun können - allerdings angemeldet und mit einigen Ansprüchen, wie etwa Urlaubs- oder Krankengeld.Auch für Unternehmen gibt es Vorteile: Sie können sogenannte "Auftragsspitzen" abfangen, also flexibel auf mehr Arbeit reagieren, wenn es der Fall ist.

Fünf Punkte, warum sich Minijobs auch nachteilig für die Beschäftigten auswirken:

Was die Politik jetzt vorhat?

Die Positionen zum Thema Minijobs gehen auseinander, aber fast alle Parteien haben dazu Pläne im Wahlprogramm. SPD, Grüne und die Linke wollen geringfügige in sozialversicherte Jobs umwandeln. Die SPD möchte hier jedoch Ausnahmen für beispielsweise Rentner:innen. FPD und CDU möchten die Minijobs behalten, allerdings die Verdienstmöglichkeit auf 550 Euro erhöhen, um so auf den Anstieg des gesetzlichen Mindestlohn zu reagieren. Nur die AfD hält sich raus: Über die Zukunft von Minijobs steht nichts im Wahlprogramm.

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Autor:innen

Seit 2020 Redakteurin bei KATAPULT. Hat Journalismus und Kommunikation in Wien und Amsterdam studiert. Themenschwerpunkte sind Gesellschaftspolitik und feministische Themen. Macht auch Podcasts.

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