Homosexualität in der Bundeswehr

Stellen frei im Hort der Männlichkeit

Die Bundeswehr will offen und vielfältig sein und stellt sich mit einer neuen Studie ihrer diskriminierenden Geschichte. Trotzdem kommt der Öffnungsprozess nur schleppend voran. Woran liegt das?

von
Daniela Krenn
Daniela Krenn
Veröffentlicht am 01.04.2021
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Oberleutnant Winfried Stecher wollte 1998 weder seine Kündigung durch die Bundeswehr hinnehmen, noch den Grund dafür: dass er auf Männer steht. Seine Beschwerde gegen die Kündigung ging bis vor das Bundesverfassungsgericht. Sie führte zur Streichung einer Dienstvorschrift, die es verbot, homosexuelle Männer zu befördern.1 Also alles in Ordnung? Nein, die Aufarbeitung des Umgangs der Bundeswehr mit Menschen, die sich als schwul, lesbisch, trans-, bi-, intersexuell und divers definieren, fängt gerade erst an.

»Diskriminierung in der Bundeswehr gab es doch gar nicht – denn es war doch alles geregelt und richterlich bestätigt.« Dieser Satz kam von einem Stabsoffizier, als er im Januar 2017 zum ersten Mal von der Studie zur Aufarbeitung der Geschichte homosexueller männlicher Soldaten in der Bundeswehr hörte.2 Die Studie wurde vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften im September 2020 veröffentlicht. Oberstleutnant Klaus Storkmann arbeitete drei Jahre daran. Er macht von Anfang an klar, dass es nicht wichtig sei, herauszufinden, ob die Bundeswehr Homosexuelle diskriminiert habe – denn das stehe außer Frage. Es gehe ihm vielmehr um das Wie. Dieses Wie beantwortet er vor allem mithilfe der persönlichen Geschichten von mehr als 60 Zeitzeuginnen.3 Seine Studie »Tabu und Toleranz« arbeitet auf über 350 Seiten auf, wie die Bundeswehr zwischen 1955 und 2000 Soldatinnen zur Geheimhaltung ihrer Sexualität veranlasst, sie versetzt, entlassen oder gar nicht erst eingestellt hat.

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