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Überfischung

Kriminelle Gurken

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Ein Kilo Salatgurken kostet etwa einen Euro im Supermarkt. Ein Kilo Seegurken kann Händlern bis zu 2.500 Euro bringen. Das sind Tiere, die in allen Ozeanen auf dem Meeresgrund leben. Etwa 1.250 verschiedene Arten gibt es und je seltener die Seegurke, desto mehr ist sie wert. Einige Taucher im Indischen Ozean verdienen mit dem Fang der Tiere ihren Lebensunterhalt.

Seegurken gelten in einigen südostasiatischen Ländern als Delikatesse. Getrocknet und in Schachteln verpackt werden sie in China gerne verschenkt. Ungewöhnlich aussehende Spezies sind besonders begehrt und damit teuer. Außerdem werden Seegurken in traditioneller Medizin gegen etliche Leiden eingesetzt. Neuerdings haben auch Pharmaunternehmen aus Europa und den USA Interesse an Seegurken. Die unscheinbaren Meeresbewohner enthalten Stoffe, die bei der Therapie von Krebs und Gelenkschmerzen helfen könnten.

Die steigende Nachfrage führt weltweit zu Überfischung. Es werden viel mehr Tiere gefangen, als nachwachsen können. Wenn die Bestände sich nicht erholen können, sterben die Tiere aus. In Mexiko beobachteten Fischer einen drastischen Rückgang der Seegurken. Im Roten Meer maßen Forscher deren Vorkommen. Allein von 2006 bis 2016 schrumpfte die Population der 13 betrachteten Arten um rund 75 Prozent, einige verschwanden komplett. Ohne Seegurken im Ökosystem leiden auch andere Meeresbewohner.

Einige Staaten versuchen deswegen, einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, um die Tierart zu erhalten. Indien hat schon 2001 den Handel und Export von Seegurken verboten. Sri Lanka vergibt staatliche Lizenzen, um den Fang einzuschränken. Doch in beiden Staaten kommt es immer wieder zu illegalen Geschäften mit Seegurken, denn das lohnt sich. Der Preis für Seegurken steigt derweil, seit den 1980er Jahren hat er sich vervierfacht. Die unerlaubt gefangenen Seegurken werden entweder von Indien nach Sri Lanka geschmuggelt, wo sie gehandelt werden dürfen. Oder sie werden direkt nach Südostasien exportiert, unter falscher Kennzeichnung.

Seegurken-Spezialeinheit

Indien und Sri Lanka beobachten einen starken Anstieg der illegalen Tätigkeiten. 2020 wurden fünfmal so viele kriminelle Vorfälle mit Seegurken gezählt wie noch 2018. Dabei gab es 2020 auch einige Vorfälle in Regionen, die bisher nicht von Seegurken-Fang betroffen waren, wie im Inselgebiet Lakshadweep, südwestlich vom indischen Festland. Dort gab es seit 2015 nur ein bekanntes Verbrechen im Zusammenhang mit Seegurken, 2020 waren es schon acht Fälle. Den bisher größten Fund machten Ermittler im Februar 2020. Sie beschlagnahmten 852 Kilogramm Seegurken mit einem geschätzten Wert von rund 480.000 Euro. Ein Schmugglerring hatte die Tiere gelagert und für den Export vorbereitet. Die Verdächtigen entkamen allerdings.

Ein Grund für den Anstieg der registrierten Straftaten sind verstärkte Kontrollen. Lakshadweep gründete sogar eine Sea Cucumber Protection Task Force, um gegen die gut organisierten Banden vorzugehen. In der Region gibt es seit 2020 auch ein 239 Quadratkilometer großes Schutzgebiet für Seegurken. Es ist das weltweit erste, aber zwei weitere sind schon geplant.

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Fußnoten

  1. Lee, Nathaniel; Polan, Shira: Sea cucumbers are so valuable that people are risking their lives diving for them, auf: businessinsider.com (1.10.2020).
  2. Memorial Sloan Kettering Cancer Center (Hg.): Sea Cucumber, auf: mskcc.org (26.2.2021).
  3. Hasan, Mohamed Hamza: Destruction of sea cucumber populations due to overfishing at Abu Ghosoun area, Red Sea, in: The Journal of Basic and Applied Zoology (5/2019).
  4. Syal, Richa: ‘Aphrodisiac’ of the ocean: how sea cucumbers became gold for organised crime, auf: theguardian.com (12.4.2021).
  5. Ebd.
  6. Chatterjee, Badri: Largest global seizure: Forest dept recovers 1,716 sea cucumbers worth ₹4.26 crore, auf: hindustantimes.com (14.2.2020).
  7. Shaji, K.A.: Lakshadweep unveils world’s first sea cucumber conservation reserve, auf: india.mongabay.com (5.5.2020).

Autor:innen

Geboren 1987 und seit 2020 als Redakteurin bei KATAPULT vor allem für aktuelle Berichterstattung zuständig. Sie ist ausgebildete Fotografin und studierte Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

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