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Finning

Geld gegen Flosse

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Es ist wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen oder vom Hund gebissen zu werden, statt Opfer einer Haiattacke zu werden. Andersherum ist das Verhältnis nicht so gut. Der Mensch tötet jährlich schätzungsweise 100 Millionen Haie. Und das schneller, als sich die Art reproduzieren kann. 73 Millionen allein beim sogenannten Finning. Bei dieser Praxis werden Haien die Flossen abgetrennt und die Körperreste zurück ins Meer geworfen. Die Tiere sind derart verstümmelt nicht mehr lebensfähig, sinken ab und werden von anderen Tieren gefressen. Grund für das Finning ist Profit. Flossen sind rentabler als das Haifleisch, denn sie gelten in einigen Ländern als Delikatesse. Pro Tonne soll es über 10.000 Dollar geben. Hongkong importiert die meisten Flossen und ist verantwortlich für die Hälfte des weltweiten Handels. 

Weltweit ist Finning schon lange ein Thema. Doch dagegen vorzugehen, scheint schwierig zu sein. Die meisten Länder haben keine explizite Gesetzgebung. In der EU darf mit Flossen gehandelt werden. Seit 2003 ist Finning in der EU verboten und seit 2013 dürfen die Tiere nur noch ganz gefangen werden. Doch es gibt Lücken: Flossen und Körper können getrennt an Bord verstaut und an unterschiedliche Häfen gebracht werden. Und eine Fischereikommissarin gibt zu bedenken: Wer soll das kontrollieren? Für Fischereinationen wie Spanien und Portugal sind solche Gesetze schwierig, denn sie verdienen viel Geld mit dem Haihandel. Knapp 3.500 Tonnen Flossen soll die EU jährlich im Durchschnitt exportieren – ein Gesamtwert von etwa 52 Millionen Euro.

Oft wurde vermutet, Finning finde dort statt, wo niemand hinsieht - draußen auf hoher See. Stimmt aber nicht. Die meisten Flossen, die nach Hongkong, Vancouver, San Francisco und Nordbrasilien gehen, kommen Forschern zufolge aus dem Küstengewässer vor Australien, Indonesien, den USA, Mexiko und Brasilien. Um Haihandel besser kontrollieren und Finning wirklich stoppen zu können, sind solche Forschungsergebnisse ein wichtiger erster Schritt, sagt der Studienautor. 

Haiflossen schmecken übrigens nach nichts. Der Direktorin der Nichtregierungsorganisation Hong Kong Shark Foundation zufolge kommt der Geschmack bei der Haifischflossensuppe vom beiliegenden Brot. Beim Konsum gehe es einzig darum, ein Luxusgut zu verspeisen und dadurch Status zu zeigen.

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Fußnoten

  1. Florida Museum (Hg.): Lightning Strikes; Sharks vs. Dogs, auf: floridamuseum.ufl.edu.
  2. Liu, John Chung-En et al.: Shark Fin Regulations in the United States: Animal Welfare, Cultural, and Policy Considerations, Case Studies in the Environment (2019) 3 (1): 1–6.
  3.  Shark Foundation (Hg.): Finning, auf: shark.swiss.
  4. Liu 2019.
  5. Van Houtan, Kyle S. et al.: Coastal sharks supply the global shark fin trade, The Royal Society (2020), auf: royalsocietypublishing.org.
  6. Schmeitzner, Birgit: Keine Schlupflöcher mehr beim Hai-Finning, auf: tagesschau.de (22.11.2012).
  7.  Ebd.
  8. Karlowski, Ulrich: Haiflossen-Fischerei – Shark Finning, auf: stiftung-meeresschutz.org (12.12.2017).
  9. The Guardian (Hg.): Shark finning: why the ocean's most barbaric practice continues to boom, auf: theguardian.com (6.7.2020).
  10.  Shiffman, David: Why cracking down on the shark fin trade may be easier than we thought, auf: nationalgeographic.com (28.10.2020).

Autor:innen

Ist seit 2019 bei KATAPULT und seit 2020 Onlinechefin. Vor allem für die Berichterstattung über sozialpolitische Themen zuständig. Zu ihren journalistischen Schwerpunkten zählen Kultur- und Arbeitsthemen.

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