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Land Grabbing

Erde zu verkaufen

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»Land Grabbing: China erfindet Globalisierung neu«, so lautet die Überschrift eines Artikels aus dem Handelsblatt. Sie ist falsch. Chinesische Landpachtverträge sind weder die ersten, noch von außergewöhnlich großer Bedeutung. Investoren aus den USA haben weltweit sechsmal mehr Fläche gekauft als chinesische Investoren. China und USA teilen die Welt unter sich auf: Die Datenbank landmatrix.org widerlegt diesen Mythos. Auch befindet sich kein einziges Land der Welt auf Augenhöhe mit den USA.

Im Wettlauf um fruchtbares Land und Waldflächen haben sich die Amerikaner einen enormen Vorsprung erkauft. Auch in der jüngsten Vergangenheit ist keine außergewöhnliche Position Chinas zu erkennen. Im Gegenteil: Die Aktivitäten der letzten fünf Jahre zeigen, dass die USA ihren Vorsprung stetig vergrößern. Investoren aus den USA haben bis heute über 70 000 km² Land gekauft. Das entspricht etwa der Fläche von Belgien und den Niederlanden zusammen. China kaufte bisher 13 000 km².

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts haben Unternehmer begonnen, Ackerland und Wald überwiegend in Entwicklungsländern zu pachten, um dort Wald zu roden und Felder zu bestellen. Die Pachtdauer wurde in den meisten Fällen über mehr als 100 Jahre angesetzt. Für die lebende und kommende Generation wirken diese Vereinbarungen wegen der langen Dauer deshalb wie Kaufverträge.

Auf diese Weise verkaufen Diktatoren wie Demokraten fruchtbares Land an international agierende Großunternehmen - Land, das vorher die eigene Bevölkerung ernährte.

Die Regierungen armer Staaten nutzen dabei das unterentwickelte Rechtssystem ihres Landes; Bauern bearbeiten dort schon seit Generationen das gleiche Land (Gewohnheitsrecht), können aber kein festgeschriebenes Eigentum (verbrieftes Recht) darüber nachweisen. Der Verkauf ist zwar legal, aber nicht legitim. Auf diese Weise verkaufen Diktatoren wie Demokraten fruchtbares Land an international agierende Großunternehmen - Land, das vorher die eigene Bevölkerung ernährte.

Die »landmatrix«-Datenbank beinhaltet bereits geschlossene Verträge und auch geplante Pachtverträge. Nur in den seltensten Fällen wurden geplante Verträge nicht unterschrieben. Länder wie der Südsudan verpachten ihr fruchtbares Land, offiziell, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Inoffiziell sind Pachtverträge dieser Größe oft mit Korruption verbunden.

Momentan ist diese Datenbank die vollständigste Sammlung von Informationen zu großflächigen Landinvestitionen. Die Betreiber selbst jedoch erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Daten und vermuten, dass noch nicht alle Verträge erfasst wurden. Auch Nutzer können den Betreibern der Datenbank Hinweise auf nicht erfasste Landpachtverträge zuschicken.

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