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Präsidentschaftswahlen in Madagaskar

DJ, Medienmogul und Putschist ist neuer Präsident

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Andry Rajoelina setzte sich mit 55,66 Prozent der Stimmen gegen seinen langjährigen Rivalen durch. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2013 waren beide Kandidaten noch von der Wahl ausgeschlossen – der Grund: ihre Rolle in den blutigen Auseinandersetzungen im Jahr 2009.

Damals führte Rajoelina – ehemaliger DJ, zu jener Zeit 34 Jahre alt, Medienmogul und Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo – die Protestbewegungen gegen Marc Ravalomanana an, der seit 2002 als Präsident amtierte. Die Demonstranten warfen ihm persönliche Bereicherung und Korruption vor. Zudem ließ er Rajoelinas Fernsehsender aufgrund negativer Berichterstattung schließen. Die Proteste arteten zu gewaltsamen Unruhen aus, bei denen innerhalb weniger Monate über 140 Menschen umkamen. Rajoelina sicherte sich den Rückhalt des Militärs, das ihn schließlich zum Präsidenten der neuen Übergangsregierung ernannte. Die versprochenen Neuwahlen ließ Rajoelina mehrmals verschieben, ehe sie 2013 doch stattfanden – auf Druck der Afrikanischen Union jedoch ohne Beteiligung Rajoelinas und seines Rivalen Ravalomanana.

Die Kandidatur der beiden Rivalen bei den diesjährigen Wahlen wurde im In- und Ausland teilweise deutlich kritisiert – man befürchtete, dass der Konflikt erneut aufflammen könnte. Der Wahlkampf blieb jedoch weitgehend friedlich. Sowohl Rajoelina als auch Ravalomanana hatten bereits im Vorfeld angekündigt, die Wahlergebnisse unabhängig vom Ausgang zu akzeptieren.

Größere inhaltliche Unterschiede zwischen den beiden zeichneten sich im Wahlkampf nicht ab. Anderen Kandidaten wurden von Beginn an nur Außenseiterchancen zugesprochen – vor allem weil den Spitzenkandidaten viel mehr finanzielle Mittel für den Wahlkampf zur Verfügung standen. Beide gehören zu den den vermögendsten Personen Madagaskars.

Madagaskar gilt als eines der ärmsten Länder weltweit, 75 Prozent aller Madagassen leben von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Das Gesundheitssystem ist unterentwickelt, Lepra- und Pestepidemien brechen immer wieder aus. Aufgrund der mangelhaften wirtschaftlichen und sozioökonomischen Entwicklung des Landes kritisierten Oppositionelle die hohen Wahlkampfausgaben der beiden Kandidaten scharf. Bereits die letzte Wahl im Jahr 2013 galt als eine der teuersten im weltweiten Vergleich. Der damals siegreiche Hery Rajaonarimampianina gab während des Wahlkampfs 43 Millionen US-Dollar aus. Das sind umgerechnet 21,50 US-Dollar pro erhaltene Stimme - und damit mehr als im Wahlkampf zwischen Hillary Clinton (19,92 US-Dollar) und Donald Trump (12,61 US-Dollar).

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Autor*innen

Geboren 1993, ist seit 2017 Redakteur bei KATAPULT und vor allem für die Berichterstattung internationaler Politik zuständig. Er hat Geographie an der Universität Augsburg und der Universitat de Barcelona studiert. Er ist zudem als freiberuflicher Fotograf tätig. Zu seinen Schwerpunkten zählen geopolitische Konflikte und Entwicklungspolitik.

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