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Nachkriegsmythos

Die meisten Trümmerfrauen waren Bagger

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Die deutschen Trümmerfrauen haben die vom Krieg zerstörten Städte in mühsamer Handarbeit wieder aufgebaut. Von dieser Nachkriegserzählung stimmt nur ein Teil: Trümmerfrauen hat es gegeben, sie leisteten harte Arbeit unter widrigen Umständen, allerdings kamen sie nur örtlich begrenzt vor. Muskelkraft hätte kaum ausgereicht, um alle Schäden zu beheben. Den Großteil der Schuttmassen räumten stattdessen Bagger und schweres Baugerät.

Der wesentliche Anreiz für den Arbeitseinsatz: bessere Lebensmittelkarten angesichts einer verzweifelten ökonomischen Lage. Zudem waren es zu Beginn häufig deutsche Kriegsgefangene oder ehemalige NSDAP-Mitglieder, die zum Arbeitsdienst verpflichtet wurden – in Deutschland wie in Österreich.

Die Trümmerfrau stellt weniger ein neutrales Abbild der Realität als eine politische Projektionsfläche dar – mit wechselhafter Karriere. Die DDR-Führung glorifizierte sie zum Prototypen der sozialistischen Frau, in der BRD diente sie häufig als Heldenerzählung zur positiven Abgrenzung vom Nationalsozialismus. Ende der Achtzigerjahre erfuhr der Mythos dann erneute Aufmerksamkeit: Der Kampf um die Anerkennung der Leistungen von Frauen in der Rentendebatte verschaffte ihm Auftrieb.

Inzwischen instrumentalisieren vielfach Rechtspopulisten den Mythos Trümmerfrau. Dabei belegten zahlreiche Historiker, dass das Narrativ von den wirklichen Ereignissen nur unzureichend gedeckt ist. Selbst die meisten ikonischen Fotos der Arbeitseinsätze sind inszeniert. Doch auch österreichische Populisten versuchen, das positive Image der Trümmerfrauen zu nutzen. Im Oktober 2018 weihte der damalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) in Wien ein neues Denkmal zu Ehren der Trümmerfrauen Österreichs ein – gegen den Willen der Wiener Stadtregierung. Diese lehnte das Denkmal ab, da es eine undifferenzierte Geschichtsdeutung widerspiegele und auch ehemalige Nationalsozialistinnen ehre, die zum Wiederaufbau zwangsverpflichtet worden waren.

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