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Pariser Anschläge

Der Rache widerstehen

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»Das ist ein Kriegsakt« , sagte der französische Präsident Francois Hollande nach den Anschlägen in Paris. Ähnlich hat auch George Bush 2001 reagiert. Diese Reaktionen sind zwar nachvollziehbar, aber die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass Rache und Krieg gegenüber Terroristen nicht dazu führt, dass weniger Anschläge verübt werden. Der Westen sollte sich eine neue Strategie überlegen.

In Paris sind derzeit viele Bewohner gereizt und zu Vielem bereit - verständlich -, viele fordern mehr Sicherheit - zu Recht -, einige fordern aber auch die Todesstrafe und Krieg - zu Unrecht. So schrecklich die Anschläge auch waren, sie sind keine Rechtfertigung dafür, die westlichen Grundwerte abzuschaffen oder in den Krieg zu ziehen.

Der Kampf gegen den Terror hat den Terror eher gefördert. Die Armee der USA war acht Jahre im Irak und der ISAF-Einsatz in Afghanistan dauerte sogar 13 Jahre. Das Ergebnis dieser aufwendigen Einsätze ist ernüchternd: mehrere Tausend tote Zivilisten und Soldaten und keine (!) erkennbare Reduzierung von terroristischen Anschlägen. Der kriegerische Rückschlag scheint kein funktionierendes Mittel im Kampf gegen den Terror zu sein.

Bereits jetzt wird von vielen Seiten gefordert, hart zurückzuschlagen - nicht nur im eigenen Land, sondern auch in den vom IS besetzten Gebieten. Vielleicht wird die Französische Regierung gerade deshalb kriegerisch reagieren, weil die Terroristen von Paris das Gegenteil forderten. Aus Prinzip, so der Eindruck, müsse jedoch den Terroristen widersprochen werden.

Heute ist ziemlich offensichtlich, dass die langjährigen westlichen von den USA geleiteten Interventionen im Nahen Osten die Region eher destabilisiert haben. Der IS konnte diese Instabilität in den letzten Monaten nutzen. Jede weitere Intervention wird vermutlich ähnliche negative Ergebnisse erzielen.

Frankreich ist hart getroffen. Russland eigentlich auch - das hat aber kaum jemand bemerkt. Russen sind keine Franzosen und unsere Emotionalität gilt immer nur den Verbündeten. Anschläge im Libanon sind es sogar kaum wert, einen Hintergrundbericht zu veröffentlichen, denn Libanesen sind noch weniger Franzosen als es die Russen sind.

Die Forderungen an die französische Regierung sind hart. Sie muss dem Druck der emotionalen und affektgeleiteten Masse der Sozialen Medien widerstehen. Europa hat gemeinsame Grundwerte. Diese müssen auch dann gelten, wenn man im ersten Moment an die schlimmsten Racheszenarien denkt. Es gibt deshalb nur eine außenpolitische Reaktion, die derzeit sinnvoll ist: keine Reaktion.

Autor:innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete während seines Studiums das KATAPULT-Magazin.

Aktuell pausiert er erfolgreich eine Promotion im Bereich der Politischen Theorie zum Thema »Die Theorie der radikalen Demokratie und die Potentiale ihrer Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten«.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)

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