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Studie

Der Batman-Effekt

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Studie: »The 'Batman Effect': Improving Perseverance in Young Children« von Rachel E. White, Emily O. Prager, Catherine Schaefer, Ethan Kross, Angela L. Duckworth und Stephanie M. Carlson (Dezember 2016)

Kurz: Wenn Kinder Superheldenkostüme tragen, können sie schwierige Aufgaben besser lösen.

Wie kann das geistige Durchhaltevermögen von Kindern gesteigert werden? Dieser Frage widmeten sich sechs US-amerikanische Wissenschaftler, indem sie in einem Experiment die Vorteile der sogenannten Selbstdistanzierung untersuchten. Die Ergebnisse wurden in der psychologischen Fachzeitschrift »Child Development« veröffentlicht.

Für die psychologische Studie sollten Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren zehn Minuten lang eine langweilige, aber wichtige Aufgabe erledigen. Gleichzeitig wurde ihnen eine Ablenkung angeboten: Wenn sie sich langweilten, konnten sie jederzeit Videospiele auf einem Tablet-PC spielen. Die Schwierigkeit bestand darin, der Versuchung des Videospiels zu widerstehen und sich auf die wichtige Aufgabe zu konzentrieren. Die 180 Kinder der Studie wurden in drei Gruppen eingeteilt, um zu untersuchen, wie sich die jungen Teilnehmer am besten motivieren lassen.

Bei der ersten Gruppe handelte es sich um die Kontrollgruppe. Diese wurde gebeten, ihre Gedanken und Gefühle aus der Ich-Perspektive zu betrachten, während sie die Aufgabe durchführte. Die Kinder sollten sich fragen: »Arbeite ich gerade hart?« Die zweite Gruppe reflektierte das Erledigen der langweiligen Aufgabe aus der Perspektive einer dritten Person. Sie fragte sich bei der Bewältigung der langweiligen Aufgabe beispielsweise: »Arbeitet Levie gerade hart?«.

Eine dritte Gruppe nahm schließlich die Perspektive eines konkreten Superhelden ein. Die Kinder durften sich bekannte Superheldenfiguren aussuchen wie Batman, Dora the Explorer oder auch Bob den Baumeister – alles Helden, die sie selbst mit harter Arbeit in Verbindung brachten. Die Vermutung dahinter: Wer seinem Lieblingssuperhelden schwere Arbeit zutraut, traut sie sich auch selber zu, und das umso mehr, wenn ein Kind in die Rolle des Superhelden schlüpfen darf. Die Kinder verkleideten sich vor dem Lösen der langweiligen Aufgabe. Außerdem sollten sie sich regelmäßig aus der Außenperspektive fragen, ob »Batman« – oder wer sie gerade waren – gerade hart arbeitet.

Während die Kinder am Computer die zehnminütige Aufgabe lösten, konnten sie jederzeit zum Spiel auf dem Tablet-PC wechseln. Ein Lautsprecher stellte den Kindern alle 60 Sekunden die Frage (aus ihrer jeweiligen Perspektive), ob sie auch wirklich hart arbeiteten. Gleichzeitig wurden sie zum Durchhalten motiviert, indem die Wissenschaftler sie über die Lautsprecher daran erinnerten, wie wichtig ihre Aufgabe gerade sei: »This is a very important activity and it would be helpful if you worked hard on this for as long as you could.«

Das Ergebnis: Die Kinder in den Superheldenkostümen hielten am längsten durch. Sie arbeiteten am ausdauerndsten an der ihnen gestellten Aufgabe, gefolgt von den Kindern, die ihre Arbeit aus der Perspektive der dritten Person reflektierten. Am schnellsten gaben die Kinder der Versuchung des Spielens nach, die in die Ich-Perspektive versetzt wurden. Die Wissenschaftler stellten bei dem Experiment fest, dass sich die Distanz zur eigenen Person positiv auf ihr Durchhaltevermögen auswirkt. Sie sprechen vom »Batman-Effekt«: Je weiter sich Kinder bei der Bewältigung schwieriger Aufgaben von sich selbst distanzieren, desto stärker ist ihre Motivation, die Aufgabe zu lösen.

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