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Großprojekte: Kosten

Berliner Realsatire

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Auf Europas größter Flughafen-Baustelle, dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER), müssen 600 Wände eingerissen oder umgebaut werden. Sie wurden zwar als Brandschutzwände geplant, aber nicht als solche gebaut. Das Satiremagazin »Postillon« hatte im Dezember 2014 bereits gewitzelt, dass der Abriss und ein anschließender Neubau des Flughafens wohl kostengünstiger wären, als die Ausbesserung des bestehenden Gebäudes.

Diesem Vorschlag schließen sich nun Spitzenpolitiker wie Renate Künast (Die Grünen) und Jens Koeppen (CDU) an und fordern genau das.

Wie konnte es soweit kommen? – Als das Bauvorhaben BER 2007 europaweit ausgeschrieben wurde, boten einige Firmen den kompletten Bau zu einem Festpreis an. Doch der damalige Oberbürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, lehnte alle Angebote ab. Er wollte stattdessen Einzelaufträge an viele verschiedene Firmen vergeben, um damit die Kosten zu senken. Die bei Baubeginn veranschlagten Kosten von zwei Milliarden Euro sind mittlerweile auf mindestens 5,4 Milliarden gestiegen.

Kostenexplosion als Forschungsvorhaben

Die »Hertie School of Governance« hat die Kostenentwicklung bei Großvorhaben in Deutschland jüngst in einer Studie untersucht und dabei den Flughafen BER als negatives Musterbeispiel ausgewählt. Diese stellte fest, dass die Fehler aus der frühen Planungsphase stammen. Zunächst sei die Flughafengesellschaft (FBB) nicht ausreichend kompetent und der gestellte Aufsichtsrat ohne das notwendige Fachwissen gewesen. Da kein privater Investor beteiligt wurde, sei das finanzielle Risiko komplett auf den Steuerzahler verlagert worden. Darüber hinaus wurde das Projekt in viele kleine Einzelaufträge zerteilt, was eine komplizierte Koordination des gleichzeitigen Bauens und Planens zur Folge hatte.

Als Grund für die Überschreitung der Bauzeit um fünf Jahre wurden die zahlreichen Planänderungen und die schlechte Leitung der Ausführung genannt. Dabei gilt der Bau des Flughafens, im Gegensatz zur Elbphilharmonie mit ihrer komplizierten Architektur, als Standard-Großprojekt ohne große technische Herausforderungen.

Alle Fehler wären vermeidbar gewesen

Die Situation ist absurd. Am Rande Berlins steht eine halb fertige Bauruine, die bisher Milliarden gekostet hat. Dennoch scheint es günstiger, den ganzen Bau zu entkernen oder abzureißen und neu zu bauen. Die Entscheidung für oder gegen einen Abriss spielt für die Kostenübernahme keine Rolle. Die liegt vollständig beim Steuerzahler.

Solche Fehlplanungen müssen vermieden werden. Es ist bei Großprojekten der öffentlichen Hand allerdings beliebt, die Kosten im Voraus zu verschleiern und niedrig zu halten, um eine parlamentarische Mehrheit zu bekommen. Die Kosten müssen dann nach Baubeginn »überraschend« angepasst werden.

Durch eine Beteiligung privater Investoren würde das finanzielle Risiko aufgeteilt. Gleichzeitig sorgen Vertreter der Privatwirtschaft schon wegen ihrer persönlichen Haftung dafür, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat kompetent besetzt werden. Eine unsaubere Kostenanalyse würde erschwert.

Die Aufteilung eines Großprojekts in viele kleine Aufträge wird am Ende teurer, selbst wenn die Kostenaufstellung zunächst niedriger erscheint. Wenn das Projekt nicht von einer Firma gebaut, sondern auf viele einzelne Aufträge verteilt wird, mag das bei der Planung noch sinnvoll erscheinen. Der Bau des Objekts wird dadurch jedoch wesentlich komplizierter und erfordert einen hohen organisatorischen Aufwand. Das Ergebnis sind bauliche Fehler und Kosten, die einen Abriss als ernstgemeinte Alternative erscheinen lassen.

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Flüchtlingsrecht
Gesundheits- und Medizinrecht

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