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Hauptstädte

Alle gleich: Australien, Brasilien, Mecklenburg-Vorpommern

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Kurz nach seiner Gründung spaltete sich Australien wieder – fast. Melbourne war 1901 die größte Stadt Australiens und wollte deshalb auch Hauptstadt werden. Drei Kolonien des Australischen Bundes unterstützten dieses Vorhaben. Das Problem daran war, dass Sydney ebenfalls Hauptstadt werden wollte. Sie konnte zwei Kolonien auf ihre Seite ziehen, darunter auch die größte: New South Wales. Gleichstand sozusagen.

Es gab nur eine Lösung ohne Verlierer: Eine dritte Stadt musste Hauptstadt werden. Melbourne sollte zwar übergangsweise den Parlaments- und Regierungssitz bekommen, aber nur solange, bis zwischen den beiden Großstädten eine neue Hauptstadt gebaut worden war. Die neue Stadt sollte nördlich des Murray River liegen und mindestens 100 Meilen von Sydney entfernt sein. 23 Orte wurden diskutiert.

Schließlich bestimmte das Parlament Dalgety zur neuen Hauptstadt. New South Wales protestierte und drohte mit dem Austritt aus dem Bund, obwohl Dalgety ziemlich genau zwischen den beiden Großstädten liegt. Der zweite Vorschlag hieß Canberra. New South Wales stimmte zu, denn sein Favorit war damit im Vorteil. Sydney liegt nur 249 Kilometer von Canberra entfernt, Melbourne aber ganze 466. Damals waren Dalgety und Canberra sehr kleine Siedlungen. In Canberra leben mittlerweile über 350.000 Menschen, in Dalgety 214.

Dank Werbeveranstaltung Hauptstadt

Einige Städte anderer Länder sind auf ähnliche Weise zu Hauptstädten geworden. Brasilia in Brasilien beispielsweise, und auch Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Die zweitgrößte Stadt des Landes wurde durch viel Engagement und ein schönes Schloss zur Hauptstadt gewählt. Wie ist das passiert?

Rostock wollte nach der Wende zunächst eigenständig sein, etwa so wie Hamburg und Bremen. Die Bremer Kollegen rieten den Hanseaten jedoch ab, und Rostock entschied sich um. Es wollte nun doch die Hauptstadt des neuen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern werden und schlug einen Volksentscheid vor. Schweriner Politiker lehnten das Verfahren ab. Am Ende entschied das neu gewählte Landesparlament mit 40 zu 15 Stimmen für Schwerin und gegen Rostock. Warum war das Ergebnis so eindeutig, obwohl doch Rostock die größere Stadt war?

Der Schweriner Regierungsbeauftragte Georg Diederich lud vor der Wahl fast alle Kommunal- und Landespolitiker nach Schwerin ein, schickte sie auf ein Boot und zeigte, wie schön Schwerin und vor allem das Schweriner Schloss ist. Dieses Schloss sollte das Parlamentsgebäude werden. Die eingeladenen Politiker waren überzeugt. Mit dieser Überzeugungsarbeit und einer Unterschriftenaktion, bei der 13.000 Menschen für Schwerin unterzeichneten, hatte die Stadt aus ihrer bloßen Bewerbung eine echte Werbeveranstaltung gemacht und letztendlich mehr Politiker überzeugt, als für den Sieg notwendig waren. Wirtschaftlich geht es Rostock heute dennoch deutlich besser als Schwerin. Die Landeshauptstadt ist der Einwohnerzahl nach auch keine Großstadt mehr. Einige Rostocker bezeichnen die Stadt deshalb höhnisch, aber auch verbittert als Landeshauptdorf.

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