Umfrage

Über die Hälfte der EU-Bürger ist häufig unsicher, ob Online-Informationen stimmen.

Vor allem Jüngere und höher Gebildete gehen aktiver mit Desinformation um

Veröffentlicht am 06.05.2026
Article Thumbnail



Eine im März 2023 durchgeführte EU-weite Online-Befragung von 13.270 Menschen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersuchte die Wahrnehmung von Desinformation: 54 Prozent der EU-Bürger waren zuletzt häufig unsicher, ob Informationen im Netz stimmen – nur vier Prozent nie. 39 Prozent sind regelmäßig gezielter Desinformation, also absichtlich verbreiteten Falschmeldungen, begegnet. Besonders betroffen waren Spanien und Italien, am wenigsten die Niederlande.

Wer häufiger mit Desinformationen konfrontiert ist, handelt eher dagegen: 44 Prozent prüfen Inhalte aktiv auf ihren Wahrheitsgehalt, 22 Prozent haben falsche Inhalte gemeldet und ebenso viele haben andere darauf hingewiesen. 11 Prozent geben an, selbst versehentlich Falsches geliked oder geteilt zu haben.

Jüngere sind in allen Bereichen aktiver als Ältere. Beim Bildungsniveau zeigen sich weniger Effekte: Höher Gebildete recherchieren häufiger selbst, während Menschen ohne formalen Abschluss tendenziell eher dazu neigen, Falsches weiterzuverbreiten.

Auch die Wahl der Plattformen spielt eine Rolle: Nutzer von Telegram und Twitter (heute X) stoßen häufiger auf Desinformationen und melden sie auch eher. Generell gilt: Wer mehr Kanäle nutzt, begegnet häufiger Desinformation.

Klassische Medien wie Zeitung, TV und Radio gelten europaweit mehrheitlich als wenig vertrauenswürdig, mit einer Ausnahme: In Deutschland vertraut noch eine knappe Mehrheit diesen Quellen. Umgekehrt ist das Vertrauen in soziale Medien hierzulande am geringsten.

Zudem gibt es ein Paradox: Wer mit der Demokratie unzufrieden ist, nimmt besonders oft Desinformationen wahr, lehnt aber strengere Regeln durch Staat und Plattformen eher ab.

Was die Konsequenzen betrifft, ist die Haltung der Bevölkerung hingegen eindeutig: 85 Prozent fordern ein stärkeres Engagement der Politik und 89 Prozent der Plattformbetreiber. Nur sieben Prozent sehen keinen Handlungsbedarf.

Die Studienautoren empfehlen: Desinformation systematisch zu erfassen, Menschen für Falschinformationen zu sensibilisieren, Medienkompetenz zu stärken und Plattformen konsequent zu moderieren.

Abo holen – unbegrenzt Karten und Studien bekommen

SOLI

0 €/Monat

alle Artikel und Karten im Wiki

alle Magazine online und gedruckt

Spiele und Kommentare

Du unterstützt Leute, die sich kein Abo leisten können

Ja ich will!
Empfohlen

BASIS

5 €/Monat

alle Artikel und Karten im Wiki

alle Magazine online und gedruckt

Spiele und Kommentare

Du unterstützt Leute, die sich kein Abo leisten können

Ja ich will!

6 €

/Monat

alle Artikel und Karten im Wiki

alle Magazine online und gedruckt

Spiele und Kommentare

Du unterstützt Leute, die sich kein Abo leisten können

Unterstützen