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26.06.2015

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Arnt Below   23:21 Uhr 23.04.2015

Mensch Ingo,
wenn Du mich hier ansprichst, muss ich ja doch noch einmal antworten.

Wir sind genau einer Meinung, wenn Du schreibst: „Aber zu den Fakten. Natürlich kann man nicht anhand der Rüstungsausgaben auf die Aggressivität schließen, ...“ Nicht mehr habe ich gesagt. Keine der von mir zitierten Zahlen sagt etwas über die „Aggressivität“ eines Staates oder einer Regierung aus. Keine der von Katapult graphisch aufbereiteten Zahlen steht meines Erachtens in irgendeinem Zusammenhang mit der „Aggressivität“ der dargestellten Staaten.

Würde es sich hier um eine „Bild-Zeitung für Fortgeschrittene“ handeln, hätte ich das Ganze auch mit einem Schmunzeln abgetan; doch angesichts des Selbstverständnisses von Katapult – „Die interessanten Ergebnisse ihrer Wissenschaft … verlassen selten die Universität. … Die Redaktion von Katapult hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Sozialwissenschaft populär aufzubereiten. Auch komplizierte Zusammenhänge sollen durch unsere Artikel ohne Vorwissen zu verstehen sein. Unsere Karten sollen dabei beim Verstehen helfen.“ – muss die Frage erlaubt sein, um welche wissenschaftlichen Ergebnisse es sich denn handelt, die diesen Zusammenhang herstellen, und bei deren Verständnis mir die „Karte“ helfen soll.

„The Free Dictionary“ schreibt in Anlehnung an die Postulate Rudolf Wohlgenannts: „Wissenschaft [ist] die Tätigkeit, bei der ein Sachverhalt mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch beschrieben und untersucht wird.“ Ich hätte zu gerne „nachvollzogen“... und wenn es nichts „nachzuvollziehen“ gibt, weil es eben keinen Zusammenhang gibt, wäre mir jede andere „Karte“ lieber gewesen; sei es eine über die Kriege, an denen die USA, Russland oder wer auch immer beteiligt gewesen ist oder eine, die die Gründe „für die Schaffung des riesigen Militärapparats der USA“, wie Herr Müller fragt, untersucht.

Du wirst daher verstehen, dass ich Dein Fazit: „Ich finde die Darstellung auf der Karte gut und zutreffend...“ ausdrücklich nicht teile. Bei „...weiter so bei KATAPULT“ bin ich dann aber wieder ganz Deiner Meinung, wie ich an anderer Stelle bereits ausführlich erläutert habe.





Ingo Martin   19:16 Uhr 23.04.2015

Hallo Arnt
Mensch, das liest sich ja wie die Bild-
zeitung für Fortgeschrittene. Du zauberst
aber auch tolle Fakten zusammen,ich bin
richtig beeindruckt. Und der Michel, der
bald gar nicht mehr schlafen kann, wo der Russe doch so dicht wohnt. Wenn er dann noch abends den Mehrteiler "Szene 1 bis 3"gesehen hat,kann er sich gut vorstellen wie es in "Szene 4" weitergeht. Aber zu den Fakten. Natürlich kann man nicht anhand der Rüstungsausgaben auf die Aggressivität schließen, dann sollten wir eine Statistik der verursachten Kriege, inclusive ausgelöster Bürgerkriege hinzufügen. Hier würde ich mich lieber auf die Statistik der CIA verlassen als auf das zitierte Schwedische Friedensforschungsinstitut.( Auch wenn es sich viel seriöser anhört, ist es nicht ). Und wenn wir schon beim Rechnen sind und dank Deiner Ausführungen wissen das die Veränderung der Militärausgaben 2014 zu 2005 in % bei den USA -04 und bei Russland + 97, was das auch immer zu bedeuten hat, würde ganz gerne eine andere Zahl wissen wollen: wieviel müsten die Russen für die Rüstung im Jahr ausgeben um in 20 Jahren auf dem gleichen Rüstungsniveau zu sein wie die Amerikaner. Denn nach dem jetzigen Stand wird der Abstand zwischen den Streitkräften der Russen und der Amerikaner wohl jedes Jahr noch größer, auch wenn die Rüstungsausgaben nicht der einzige Faktor sind. Zum Zerfall der Sowjetunion noch kurz ein paar Bemerkungen. Zerfall hört sich so nach technischen Vorgang an. In Wahrheit hat die von uns so unterstützte Freiheit für die meisten Menschen in Russland eine bespiellose Enteignung und Verelendung gebracht. Und wir haben kräftig mitgeplündert. Vor allem Wissen aus der Grundlagenforschung ist einfach dem Volk geklaut worden. Das die Russen in dieser Phase nicht von ihren Unmengen an Waffen aller Arten Gebrauch gemacht haben sollten wir ihnen danken. In Amerika brauchst du nur für eine halbe Stunde das Licht ausschalten und das Land versinkt im Chaos. Als Jelzin abdankte war es wohl seine russische Seele die ihn dazu bewegt hat uns Putin zu hinterlassen. Und er hat sein Volk nicht enttäuscht und das Land wieder regierbar gemacht. Kaum ein Land ist mehr an Frieden interessiert wie Russland, aber die Russen wissen auch das alle größenwahnsinnigen Eroberer immer Moskau zum Ziel hatten. Ob Karl der 12. von Schweden, Napoleon oder Hitler alle sind spätestens in Moskau gescheitert. Aber immer hat das russische Volk den Hauptpreis für die Befreiung Europas gezahlt. Es ist an der Zeit ihnen die Hand zu reichen, wir sind in der Pflicht. Die Überheblichkeit mit der wir Auftreten ist kaum noch zu ertragen. Wer fragt denn die Menschen auf der Krim ? Fahrt einfach mal hin, ist sehr schön dort. Nette Menschen, schöne Natur und viel Kultur. Übrigens die leben dort zum größten Teil von Tourismus. So sind wir eben, weil die Menschen auf der Krim Putin gewählt haben bestrafen wir sie und dann sollen sie uns noch dafür lieben. Aber sie werden uns verzeihen, vergessen werden sie es wohl nicht,ist auch besser so. Ich finde die Darstellung auf der Karte gut und zutreffend, weiter so bei KATAPULT





Helmut Müller   14:09 Uhr 21.04.2015

Ihr schön ausgeschmückter Vergleich hinkt und verklärt die Realität- als ob Waffenbesitz mit Autobesitz gleichzustellen ist. Glauben Sie wirklich die Russen sind einfach nur neidisch auf die schön glänzenden Waffen der Amerikaner, weil ihre ja so rostig sind? Und glauben Sie die US-Amerikaner rüsten nur auf, weil sie sich das leisten können? Wenn auf Sie jemand eine M2 richtet, empfinden Sie dann Neid? Waffen dienen allein der Tötung von Menschen. Deswegen wirken sie bedrohend und lösen Angst beim Unterlegenen aus. Ihre verharmlosende Darstellung von Waffenbesitz scheint mir naiv.
Ich teile die Welt nicht in Gut und Böse ein. Weder sind „die Russen“ die Guten, noch sind „die US-Amerikaner“ die Bösen. Auch kann ich keine Position im Ukrainekonflikt einnehmen, da ich das Gefühl habe von beiden Seiten keine objektiven Informationen zu erhalten. Doch finde ich es wichtig nach den Gründen für die Schaffung des riesigen Militärapparats der USA zu fragen. Die USA haben nie Krieg auf eigenen Boden geführt und die Gefahr, dass es in den nächsten Jahrzenten dazu kommt, ist gering. Pearl Harbor und der Anschlag auf das World Trade Center stellen die einzigen Angriffe auf amerikanischen Boden dar. Beide Anschläge gelangen allein durch den Überraschungseffekt. Militärisch waren die USA ihren Angreifenden eigentlich weit überlegen. Zur Verteidigung ihres eigenen Landes ist die Schaffung eines solch immensen Militärapparats also gar nicht notwendig. Das Waffenarsenal dient damit nicht der Verteidigung des eigenen Landes, sondern der Sicherung der Vorherrschaft in der Welt. Sicherlich würden es Russland oder andere Staaten genauso machen, wenn sie könnten.

Die Hegemonie der USA in der Welt hat natürlich die Einschränkung der Souveränität anderer Staaten zur Folge. Deutschland lässt die USA ihren Drohnenkrieg über die Militärbasis Ramstein steuern. Dafür können wir aber ihre Freunde bleiben.
Doch wie ergeht es ihren Feinden? Die militärischen Aktionen Putins allein auf die bloßen Minderwertigkeitskomplexe der Russen zurückzuführen, die sich einfach nicht mit ihrem Machtverlust in der Welt abfinden können, finde ich zu banal. Denn dieser von ihnen benannte „Kampf um Macht, Einfluss und Bedeutung“- oder einfach nur um Souveränität- wird mindestens von zwei Seiten geführt. Wahrscheinlich aber sind daran noch mehrere Akteure beteiligt wie Sie auch schon angedeutet haben.





Arnt Below   12:33 Uhr 21.04.2015

Korrektur:
Es muss unten natürlich heißen:

"2012 trat Putin seine dritte Präsidialzeit an..."





Arnt Below   11:47 Uhr 21.04.2015

Unlängst hörte ich den Michel sich darüber beschweren, dass der Nachbar seinen neuen Daimler immer provozierend am Bordstein so parke, dass Michels arme Frau den ganzen Tag aus dem Küchenfenster darauf starren müsse, während er immer noch seinen alten, rostigen Opel führe... Ja ja, immer diese aggressiven Nachbarn. Aber wollen wir das Thema wirklich auf dem Niveau von Karikaturen aus Zeiten des Wirtschaftswunders diskutieren?

„Putin ist Aggressor“ schiebt Katapult Joachim Gauck in den Mund, wörtlich so gesagt hat er es nämlich nicht[1], und bildet dann unter der Überschrift „Aggression ist...“ kommentarlos die Militärausgaben der USA, Russlands und der Ukraine ab. Dafür muss es einen Grund geben, einen gewichtigeren, als dass sich jemand vom schönen, großen Auto seines Nachbarn provoziert fühlt. In meinem ersten Kommentar wollte ich nur zeigen, dass man mit den von der Redaktion aufgebotenen Zahlen alles oder auch gar nichts belegen kann – außer vielleicht, dass sich manche größere Autos leisten als andere, aus welchen Gründen auch immer. Ich will es nochmal versuchen, wieder sehr knapp und pauschal. Lassen wir die Zahlen Zahlen sein und wechseln die Perspektive. Schauen wir uns drei Szenen der Weltgeschichte an:

Szene 1: 1991 scheiterten die Vereinigungsbemühungen zwischen Rumänien und Moldawien. Die EU bot daraufhin beiden Ländern Verhandlungen zu Assoziierungsabkommen an. Im Falle Rumäniens führte das 2004 zum NATO- und 2007 zum EU-Beitritt. Im Falle Moldawiens eskalierten 1992 Konflikte mit der „russischstämmigen“ Minderheit, welches dazu führte, dass bis heute russisches Militär in der Region Transnistrien stationiert ist.

Szene 2: Anfang 2008 boten die USA den Ländern Georgien und Ukraine Beitrittsverhandlungen zur NATO an, die jedoch beim NATO-Gipfel im März 2008 mit Rücksicht auf russische Einwände abgelehnt wurden. Im August eskalierte der Konflikt um die Unabhängigkeit der georgischen Regionen Südossetien und Abchasien, nachdem Russland Eisenbahntruppen nach Abchasien entsandt hatte. Bis heute sind russische Truppen in Abchasien und Südossetien stationiert.

Szene 3: Um die Ukraine war es ruhig bis Ende 2013 das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine unterschriftsreif war. Im November suspendierte die ukrainische Regierung die Unterzeichnung des Abkommen vermutlich aufgrund russischer Wirtschaftssanktionen. Im Februar 2014 eskalierten schließlich innerukrainische Konflikte mit der russischen Minderheit, welches erst zur Annexion der Krim durch Russland führte und in der Südostukraine zu einer ziemlich blutigen und unübersichtlichen Situation mit mehr oder weniger russischem Militär auf ukrainischem Boden.

Die drei Szenen wirken auf den ersten Blick sehr ähnlich; sie sind es nicht ganz: Szene 1 findet während der Präsidentschaft von Boris Jelzin statt, und es ist unklar, welche Rolle Jelzin spielte bzw. inwieweit der General der 14. russischen Armee ohne direkten Befehl aus Moskau handelte. Im Juli 1992 wurde ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Moldawien und Russland geschlossen, ein späteres Abkommen zum Abzug der 14. Armee wurde durch Russland nicht mehr ratifiziert. Verschiedene Initiativen den Truppenabzug doch noch zu erreichen liefen bisher ins Leere.

2000 wurde Putin erstmals Präsident Russlands. Er akzeptierte / tolerierte – zum Teil unter diplomatischem Protest – die Westannäherung der ehemaligen sowjetischen Republiken bzw. ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen (1999), Tschechien (1999), Slowakei (1999), Ungarn (1999) und Slowenien, die 2004 der EU und der NATO beitraten (abweichender NATO-Beitritt in Klammern). 2007 folgten Bulgarien (2004) und Rumänien (2004).

Szene 2 begann gegen Ende von Putins zweiter Präsidialzeit und fand ihren Höhepunkt unter Präsident Medwedew.

2009 traten Kroatien (EU: 2013) und Albanien der NATO bei.

2012 trat Jelzin seine dritte Präsidialzeit an – soviel zu Szene 3.

Es wird immer gerne kolportiert, dass sich die NATO verpflichtet hätte, im Nachgang der Deutschen Einigung 1989 / 1990 sich nicht weiter Richtung Osten in den Einflussbereich der ehemaligen UdSSR auszudehnen. Es spricht tatsächlich einiges dafür, dass dieses Thema im Rahmen der 2-plus-4-Verhandlungen mehrfach erörtert wurde. Rechtsverbindlich vereinbart wurde das aber wohl nicht.

[Exkurs:] Das ZDF führte im November 2014 anlässlich von Gorbatschows Berlinbesuch ein Interview mit ihm, darin:
Michail Gorbatschow: „Heute fragt man mich, warum es nicht vertraglich fixiert wurde. Dass die NATO sich nicht nach Osten ausdehnen darf. Dazu sollte man folgendes berücksichtigen: Damals existierten die NATO und der Warschauer Pakt. Was sollte man da vertraglich fixieren? Die Frage stellte sich gar nicht.“
Ignaz Lozo: „Das heißt, es ist ein Mythos, dass Sie vom Westen bezüglich der Nato-Osterweiterung betrogen wurden?“
Michail Gorbatschow: „Ja! Das ist tatsächlich ein Mythos. Da hat die Presse, die liebe Presse, ihre Hand im Spiel gehabt.“ [Ende Exkurs]

Fakt ist, dass die NATO Anfang des Jahrtausends zwar mehrfach über die Verlegung von Truppenteilen und Militärbasen „in Richtung Osten“ diskutiert hat, umgesetzt wurde von diesen Überlegungen aber nichts. Erst nach Ausbruch des Ukraine-Konfliktes und auf Drängen der baltischen Staaten verlegten die USA erste Kampfverbände dorthin; dauerhaft dort stationiert bleiben sollen sie jedoch nicht. In Polen existiert nur ein Tagungs- und Schulungszentrum der NATO – sehr zum vielfach geäußerten Leidwesen Polens. Eine Truppenverlegung der NATO näher an die Grenzen Russlands heran hat es nach den 1990er Jahren erst Mitte 2014 – lange nach Beginn der Ukraine-Krise – gegeben, außer natürlich, dass die neuen Mitgliedsstaaten ihre eigenen Streitkräfte mit in das Bündnis eingebracht haben.

Die Militärausgaben irgendwelcher NATO-Bündnisstaaten werden in der obigen Graphik jedoch nicht dargestellt, nur die der USA. Doch wo, liebe Katapult-Redaktion, steht er, dieser Panzer „USA“, der so aggressiv auf Russland zielt?

Lieber Käpt'n, auch der Vergleich zur Kuba-Krise zieht m.E. nicht. Zum einen hatte Chruschtschow tatsächlich Atomraketen mit Zielkoordinaten für die USA in einem direkten Nachbarstaat stationieren und einsatzbereit machen lassen, zum anderen bringt es uns vermutlich wenig voran, die Krise auf das Raketen-Problem zu reduzieren und aus ihrem weltpolitischen Kontext im Kalten Krieg zu reißen.

Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und der Auflösung des Warschauer Paktes ging Russland die Rolle der zweiten Weltsupermacht neben den USA verloren. Sich als Staat, vielleicht auch als Gesellschaft, auf einen solchen Bedeutungsverlust vorzubereiten oder mit ihm umzugehen, wenn er denn erst einmal eingetreten ist, ist gewiss höchst kompliziert. Dies ist Staaten wie Frankreich oder England nach dem Zweiten Weltkrieg hochgradig misslungen und noch etwas früher Spanien. Seit 1945 sind 70 Jahre Zivilisationsgeschichte vergangen. Ist es heute wirklich noch notwendig, dass der Kampf um den Bedeutungs-, Einfluss- Machtverlust immer noch zu tausenden Toten führt? Was ist mit der zukünftigen Rolle Europas angesichts aufstrebender „Global Player“ wie China oder Indien?

Lauter Fragen im Kontext der Ukraine-Krise, mit denen ich mich viel lieber beschäftigen würde, als mit einer Graphik, die unzusammenhängende Zahlen nebeneinander stellt...

________
[1] Auf Quellenangaben verzichte ich diesmal, da sie bei meinem ersten Kommentar zur Hälfte verstümmelt wurden und sich niemand die Mühe macht, sie wieder herzustellen. Bei Bedarf stelle ich sie aber zusammen.





Krötemann   18:45 Uhr 18.04.2015

"Ich habe mich über die offene Darstellung der Katapult-Redaktion gefreut"

Achja. Die Karte mag ja Zahlen "offen" oder neutral nebeneinanderstellen. Es ist eben aber auch "Ansichtssache", ob diese Auswahl der Daten und die Art und Weise der Darstellung neutral sind. Warum sind es gerade diese drei Staaten, die dargestellt werden? Die USA haben ihre Truppen immerhin nicht vollständig auf dem eurasischen Kontinent zu stehen.





Käpt´n Blaubär   08:53 Uhr 18.04.2015

"Ja, die Sache mit den Statistiken ist schon so ein Kreuz. Ich würde mich freuen, wenn es wenigsten in akademischen Kreisen gelänge, sich zu großer Vereinfachungen und Polemiken zu enthalten"

Ihren anmaßenden Tonfall mal beiseite gelassen, erkenne ich hier keine Polemik respektive Vereinfachung sondern lediglich die Darstellung des momentanen Militärbudgets dreier Staaten und die Zitierung der Definition des Begriffs "Aggression" aus dem Duden.
Ich deute diese Darstellung eher als Erweiterung des Blickfelds denn als Polemik oder Vereinfachung, spricht Herr Gauck und die großen Meinungsmacher doch stets von Putin dem Aggressor. In diesem Kontext wäre der Begriff der Vereinfachung bzw. Polemik vielleicht angebracht.

Ich habe mich über die offene Darstellung der Katapult-Redaktion gefreut ("Die Welt ist Ansichtssache" - Teaser) und fand die wertungsoffene Darstellung begrüßenswert. Das Aggression auch durch den Besitz von Waffen und nicht erst durch deren Einsatz entsteht, sollte hier m. E. den geschichtsvergessenen (z.B."Kuba-Krise") Polemikern vorgeführt werden.
Dies wäre meine Interpretation der Karte.
Letztlich ist die Tatsache, dass wir nun über die Interpretation der Darstellung disputieren, die eigentliche Leistung.

Daher würde ich der Einstufung als "Polemik" respektive "Vereinfachung" entschieden entgegentreten und mit der Wertung "bewusste Offenlassung mit dem Ziel der Interpretation durch den Leser" angemessen definieren.





Arnt Below   17:49 Uhr 17.04.2015

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen jungen Dame:
Allerdings muss ich eine Vorbemerkung vorausschicken: In Sachen Militärausgaben [fortan: MA] ausgerechnet Daten der CIA[1] zu zitieren, finde ich unsympathisch. Ich ziehe daher Daten des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI[2] heran, die sich zwar nicht wesentlich unterscheiden, mir jedoch einfach sympathischer sind. Darüber hinaus zitiere ich Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF), auf die auch SIPRI zurückgreift, um hier eine Vergleichbarkeit des Datenmaterials sicherzustellen[3].

MA in 2014 in Mrd. US$ [4]:
USA 610
Russland 84,5
Ukraine 4,02

MA in % vom BIP[5]:
USA 3,5
Russland 4,5
Ukraine 3,1

Lasst uns mal miteinander nachdenken: Nehmen wir einmal an, wie es die Graphik unterstellt, man könnte die politische oder militärische Aggressivität eines Staates an seinen Ausgaben für das Militär ablesen. Auf den ersten Blick scheint das ja durchaus logisch: Ein Staat, der eine militärische Aggression, einen Krieg, plant oder vorbereitet, wird seine MA stark erhöhen und andere staatliche Investitionen dafür vergleichsweise „zurückfahren“. Die USA bestreiten mit ihrem enormen Militäretat alleine ungefähr ein Drittel aller Militärausgaben weltweit. Das klingt, wenn wir dieser Logik folgen, schon mächtig aggressiv. Aber Moment: kleine, wirtschaftlich schwache Staaten werden nie soviel Geld in ihr Militär investieren können, wie vergleichsweise reiche Staaten. Das arme Moldawien (BIP 2014: 7.744 Mrd US$[6]) hat einfach nicht so viel Geld wie das etwa gleich große Belgien (BIP 2014: 527.810 Mrd US$[6]).

Schauen wir uns also einfach einmal die MA im Vergleich zu wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes an. Hmm... Die Zahlen liegen dicht beieinander: so zwischen drei und vier Prozent des BIP geben die Länder für ihr Militär aus. Nee, so geht das nun auch nicht. So klappt das nicht mit den hübschen Feindbildern. Da muss was anderes her! Sagten wir nicht vorhin, dass ein Krieg vorbereitet werden muss? Sehen wir doch mal nach, wie sich die Zahlen in den letzten Jahren verändert haben.

Veränderung des BIP 2014 zu 2013 in %[6]:
USA +2,16
Russland +0,24
Ukraine -6,53

Veränderung der MA 2014 zu 2013 in %[4]:
USA -6,5
Russland +8,1
Ukraine +23 [7]

Na, Mensch, da haben wir es doch: Die kleine Ukraine, die uns so unschuldig von der Landkarte aus angucken kann... steckt mitten in einer Wirtschaftskrise und bläst ihren Militäretat um knappe 25% auf. Von innenpolitischen Problemen ablenken und ein bisschen Krieg spielen, war das nicht schon immer so? Jetzt wissen wir es also: Die Ukraine ist selber Schuld an der Annexion der Krim durch Russland und dem Gemetzel im Osten des Landes!

Aber nee, immer auf die Kleinen ist auch blöd. Die USA sind aber irgendwie auch raus: Senken ihre MA einfach um 6,5%. Die Tatsache, dass weltweit die MA 2014 sanken ist allein der Reduzierung des US-Etats zu verdanken; rechnet man diesen heraus, so stiegen die MA weltweit an. Lasst uns doch mal weiter zurück blättern im Zahlenwerk.

Veränderung der MA 2014 zu 2005 in %[4]:
USA -0,4
Russland +97
Ukraine +67

Na, schau mal einer an: Russland hat seine MA in den letzten zehn Jahren quasi verdoppelt... Aber immer auf Putin? Bekommt der nicht von der Tagespresse schon genug auf die Fresse? Das ist auf Dauer auch langweilig. Aber habt ihr das gesehen?

Polen:
MA in Mrd. US$ in 2014 [4]: 10,5
MA in % vom BIP[5]: 1,9
Veränderung des BIP 2014 zu 2013 in %[6]: +3,28
Veränderung der MA 2014 zu 2013 in %[4]: +13
Veränderung der MA 2014 zu 2005 in %[4]: +78

Polen! Die Polen bereiten sich auf einen Krieg vor! Erst klauen sie unsere Autos und dann...?
[Satire aus]

Ja, die Sache mit den Statistiken ist schon so ein Kreuz. Ich würde mich freuen, wenn es wenigsten in akademischen Kreisen gelänge, sich zu großer Vereinfachungen und Polemiken zu enthalten.

________
[1] Central Intelligence Agency, The World Factbook,
[2] Stockholm International Peace Research Institute,
[3] Zum Teil handelt es sich bei den Zahlen um Schätzungen sowohl seitens SIPRI wie auch seitens des IWF (IMF).
[4] Quelle: SIPRI Military Expenditure Database , abgerufen: 16.04.2015.
[5] basierend auf den Daten des International Monetary Fund (IMF) World Economic Outlook database, Oct. 2014. Zitiert nach: [4]
[6] Quelle: International Monetary Fund (IMF) World Economic Outlook database, Oct. 2014 , abgerufen: 16.04.2015
[7] Quelle: SIPRI Fact Sheet, April 2015, , abgerufen: 16.04.2015





Broad   11:56 Uhr 14.04.2015

„Die Behauptung, dass eine stehende Armee und eine Flotte die beste Garantie für den Frieden sind, ist ebenso logisch wie die Annahme, der friedfertigste aller Bürger sei jener, der schwer bewaffnet herumläuft. Die Erfahrung des täglichen Lebens beweist zur Genüge, dass das bewaffnete Individuum beständig darauf aus ist, seine Stärke zu erproben. Dasselbe gilt historisch gesprochen für Regierungen. Wirklich friedliche Länder verschwenden nicht Leben und Energie auf die Vorbereitung von Kriegen und das Ergebnis ist, dass der Friede erhalten bleibt.“
Emma Goldman



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