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Fußball und häusliche Gewalt

Gut, dass England verloren hat (?)

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Neben Randalen vor, während und nach dem Spiel kam es auch innerhalb des Stadions zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, als zahlreiche Fans sich ohne Tickets Zugang zum bereits zu zwei Dritteln voll besetzten Wembley-Stadion verschafften. Videos von Schlägereien zwischen Fans untereinander und Auseinandersetzungen mit dem Sicherheitspersonal gingen durch die Sozialen Medien. Nach der Niederlage der Engländer wurde zudem von rassistischen Übergriffen berichtet. Drei Schwarze Spieler der englischen Mannschaft - Bukayo Saka, Marcus Rashford und Jadon Sancho - hatten entscheidende Elfmeter verschossen. Alle drei Spieler wurden daraufhin auf Social Media rassistisch attackiert.

Verschiedene Medien und Organisationen hatten zudem bereits vor dem Spiel gewarnt, was zusätzlich noch nach dem Spiel passieren würde: Eine im Januar 2021 erschienene Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen häuslicher Gewalt und Alkohlkonsum an Spieltagen der englischen Männer-Nationalmannschaft zwischen 2010 und 2019. Die Ergebnisse sind verheerend: Die Polizei meldet an Spieltagen der Engländer bei Europa- und Weltmeisterschaften einen Anstieg von durchschnittlich 47 Prozent an Fällen häuslicher Gewalt unter Alkoholeinfluss. 78 Prozent der gemeldeten Fälle sind von Männern gegen Frauen.

Eine andere Studie empfiehlt, England solle möglichst nur noch an Wochentagen und möglichst spät spielen. Da sind die Menschen weniger lange betrunken, bevor sie schlafen. Zudem sollte England am besten immer verlieren: Bei Niederlagen sind die Anstiege von Fällen häuslicher Gewalt und anderer Gewaltverbrechen geringer. Berichte aus anderen Ländern legen jedoch nahe, dass dies absolut kein ausschließlich englisches Problem ist. Allerdings sind die Zusammenhänge zwischen Fußball, Alkohol und (häuslicher) Gewalt seit Jahren Bestandteil der britischen Forschung, während es in den meisten anderen Ländern dazu kaum Daten gibt.


Bei allen dargestellten Zahlen ist zu beachten, dass es sich jeweils nur um Fälle handelt, die der Polizei gemeldet und von dieser entsprechend klassifiziert wurden. Die Zahlen treffen keine Aussage über die Dunkelziffer häuslicher Gewalt.

Authors

Julius Gabele, geboren 1993, ist seit 2017 Redakteur bei KATAPULT und vor allem für die Berichterstattung internationaler Politik zuständig. Er hat Geographie an der Universität Augsburg und der Universitat de Barcelona studiert. Er ist zudem als freiberuflicher Fotograf tätig.

Zu seinen Schwerpunkten zählen geopolitische Konflikte und Entwicklungspolitik.

Veliko Kardziev, 1993 geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität in Dresden. Seit 2020 ist er Projektleiter bei KATAPULT.

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