Weniger als 15 Prozent der Beschäftigten arbeitet von zu Hause

Homeoffice oder Bußgeld? Immer mehr Spitzenpolitiker fordern Unternehmer dazu auf, das Arbeiten vom heimischen Schreibtisch zu erleichtern.



Die sozialen Kontakte werden seit Beginn des Lockdown light im Herbst vergangenen Jahres auf das Nötigste heruntergefahren. Im Vergleich zum Frühjahr 2020 arbeiten die Menschen jedoch wieder häufiger außerhalb der eigenen vier Wände. Für einige Tätigkeitsfelder leuchtet dies unmittelbar ein. So kann ein KfZ-Mechaniker nicht von zu Hause arbeiten. Mit Blick auf die Gesamtwirtschaft lassen die Zahlen allerdings vermuten, dass in vielen anderen Sektoren mehr Arbeitnehmer im Homeoffice tätig sein könnten, als dies aktuell der Fall ist.

Linke und Grüne fordern von Unternehmen daher, die Möglichkeiten ins Homeoffice zu gehen, flächendeckender zu nutzen.1 Hierdurch könnten beispielsweise kontaktreiche Anfahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln wegfallen, so Grünen- Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt.2 Geschehe dies nicht, so Göring-Eckhardt weiter, müsse auch über Bußgelder für Arbeitgeber gesprochen werden.

Wie viele Erwerbstätige überhaupt im Homeoffice arbeiten könnten, ist umstritten. Nach Schätzungen des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, sind etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland in Berufen tätig, die körperliche Präsenz erfordern und somit nicht Homeoffice-tauglich sind.3

Generell scheint es auch jenseits von Corona einen Bedarf für einen neuen Umgang zu geben. Knapp die Hälfte der Befragten Erwerbstätigen würde auch nach dem Abklingen der Pandemie im Homeoffice bleiben - sofern die Rahmenbedingungen stimmen und es vertraglich geregelt ist.4

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[1] Tagesschau (Hg.): Wie viel Home Office ist tragbar?, auf: tagesschau.de (8.1.2021).
[2] Ismar, Georg:
Grüne für Lockdown-Verschärfung wegen mutiertem Corona-Virus, auf: tagesspiegel.de (9.1.2021).

[3] n-tv.de (Hg.): Betriebe zu lasch im Kampf gegen Corona?, auf: n-tv.de (10.1.2021).
[4] Hans Böckler-Stiftung (Hg.): Home Office: besser klar geregelt, auf: boeckler.de (Ausgabe 15/2020).


11.01.2021
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