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Psychologie

Virtuelle Befriedigung

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Egal auf welchen Internetseiten, Blogs oder Katapult-Artikeln man sich die Zeit vertreibt, sich informiert oder sich austauschen möchte: Trolle sind stets nur einen Mausklick entfernt. Als Troll wird dabei eine Person bezeichnet, die versucht, auf destruktive Art und Weise durch provozierende und nicht sachbezogene Kommentare eine Diskussion zu stören.

»Ihr seid dumm! Komm mal auf dein Leben klar! Absoluter Schwachsinn! Mein Aluhut sitzt etwas zu eng!« – Das sind nur einige denkbare Kommentare, die Tag für Tag in den Kommentarspalten zu lesen sind. Wenngleich diese zu der harmloseren Kategorie von Troll-Kommentaren zählen.

Aber was genau bewegt Trolle und Provokateure dazu, sich am mobilen Endgerät die Zeit zu nehmen, um andere, an der Diskussion beteiligte Personen oder auch die Autoren zu stören, zu nerven oder sogar gegen sie zu hetzen?

Trolle als Superschurken

Mit diesen Fragen haben sich bereits erste wissenschaftliche Studien auseinandergesetzt. So untersuchte die Sprachwissenschaftlerin Claire Hardaker im Jahr 2010 Usenet-Einträge, um die vorrangigen Ziele von Trollen zu identifizieren. Diese wollen demnach sowohl Aggression, Irreführung und Verstörung erzeugen, als auch den Erfolg ihrer Handlungen genießen.

Im gleichen Jahr führten zwei Forscher der Indiana University eine Studie durch, in welcher sie anhand zahlreicher Interviews mit Trollen, weitere Motive, die die Trolle antrieben, identifizieren konnten. Es wurden häufig Langeweile, Rache, die Suche nach Aufmerksamkeit sowie Lustgewinn angegeben.

Die bislang umfangreichste Studie zum Thema wurde im letzten Jahr von einem Wissenschaftler-Team der kanadischen Universitäten Manitoba, Winnipeg und British Columbia veröffentlicht. Die drei Psychologen interviewten in ihrer Studie »Trolls just want to have fun« (»Trolle wollen einfach nur Spaß haben«) insgesamt 1.215 Personen und befragten sie zu ihrem Online-Verhalten. Die Ergebnisse der Studie sind äußerst interessant und haben daher auch eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzeugt. So zeigten die Personen, die als mustergültige Trolle gelten, einen auffälligen Zusammenhang mit den Persönlichkeitsmerkmalen der sogenannten dunklen Tetrade.

Die dunkle Tetrade umfasst dabei vier Persönlichkeitsmerkmale, die von der Gesellschaft vornehmlich negativ empfunden werden. So setzt sie sich aus den Merkmalen Machiavellismus, Narzissmus, Psychopathie und Sadismus zusammen. Dabei sind alle Eigenschaften der dunklen Tetrade, außer Narzissmus, umso ausgeprägter, je zeitintensiver ein Troll online aktiv ist. Der Zusammenhang zwischen dem Troll-Verhalten und dem Persönlichkeitsmerkmal des Sadismus ist dabei durchweg am stärksten ausgeprägt. Der mustergültige Online-Troll hat das idealisierte Bild von sich selbst, ein Bösewicht wie in einem »Hollywoodstreifen« zu sein. Er sieht sich als jemand, der für Chaos und Verwüstung sorgt, und dafür gleichsam gefürchtet und beneidet wird.

Wie geht man mit Trollen um?

Auf staatlicher Ebene könnte man, wie in Großbritannien im Oktober letzten Jahres geschehen, eine erhebliche Verschärfung der Strafen für Gesetzesverstöße im Internet verabschieden. Laut dem damaligen britischen Justizminister Chris Grayling war es nötig, eine klare Botschaft zu senden und dadurch den Menschen verdeutlichen, dass unangemessene Äußerungen und Pöbeleien im Netz bis zu zwei Jahre Gefängnis nach sich ziehen können.

Aber was kann man als Einzelner tun, als jemand, der sich gerne aktiv an Diskussionen beteiligt, Blogeinträge oder Artikel verfasst? Lehrbuchmäßige Ratschläge, wie man als Kommentierender oder als Moderator mit Trollen umgeht, gibt es zahlreiche. Als Autor eines Artikels wird eine transparente Moderation, eine ruhige Aufklärung und die Darstellung von vielen guten Beispielen empfohlen.

Der Kommentierende hat hingegen drei Möglichkeiten: erstens auf der sachlichen Ebene bleiben und schlüssig argumentieren. Dies setzt aber eine gewisse Diskussionskultur voraus, die bei Trollen nur in sehr seltenen Fällen vorhanden ist. Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Trolle zu ignorieren und sie mit Nichtbeachtung zu strafen. Die dritte, für Außenstehende oftmals amüsante Möglichkeit ist das »zurücktrollen«.

Das ist allerdings dann weniger angebracht, wenn es sich um strafbare und volksverhetzende Kommentare handelt. Hier steht einem dann der Rechtsweg offen. Sobald eine Diskussion also nicht mehr auf einer mehr oder weniger humorvollen Ebene stattfindet, gilt die goldene Regel: Don't feed the Troll!12

Autor*innen

Schwerpunkte
Klimapolitik
Politische Ökonomie
Netzkultur 

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