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Rohstoffhandel

Sand ist das neue Kokain

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Wenn etwas im Überfluss vorhanden ist, nutzen wir gerne die Metapher, es gebe von etwas soviel »wie Sand am Meer«. Diese Redewendung dürfte einigen geläufig sein – und doch ist Sand knapp.

Sand ist eine extrem wertvolle Ressource, die drittwichtigste nach Luft und Wasser. Sand steckt in nahezu allen Dingen, die wir täglich nutzen. Die enthaltenen Mineralien zum Beispiel sind essentiell wichtig für die Informationstechnologie und die chemische Industrie. Noch höher ist der Bedarf aber im Transport- und im Bausektor. Stahlbeton besteht zu zwei Dritteln aus Sand. Jährlich gibt es daher weltweit einen ungefähren Bedarf von 15 Milliarden Tonnen.

»Kein Problem«, möchte man meinen, die Wüsten sind voll davon. Wüstensand ist aber aufgrund seiner runden Körnung für die industrielle Weiterverarbeitung ungeeignet. Anders verhält es sich mit dem kantigen Sand wie etwa aus Flussbetten und vom Meeresgrund. Daher werden große Mengen Sand (aus den Ozeanen) in die Wüste, beispielsweise von Australien nach Dubai, exportiert.

Die skrupellose Sandmafia

Die weltweiten Sandreserven neigen sich aber dem Ende zu. Alle einfach zu erschließenden Sandquellen sind bereits erschöpft. Der Bedarf steigt dennoch stetig. Die Folge ist das Aufblühen einer regelrechten Sandmafia, die sich an dem jährlichen, illegal gehandelten Sandumsatz von 70 Milliarden Euro bereichern möchte.

Zum Vergleich: Der geschätzte globale Umsatz mit Kokain beläuft sich auf 85 Milliarden Euro. Die verschiedenen Akteure der Sandmafia schrecken dabei ebenso wenig vor Gewalt zurück wie die der Drogenmafia. Dies wird leider anhand vieler brutalster Delikte, wie Morde und Verstümmelungen in Südasien, deutlich.

Das Wirtschaftswachstum und der damit verbundene Anstieg an Bauvorhaben, vor allem in Schwellenländern, lässt den Sandbedarf immer weiter steigen. China ist dabei der größte Verbraucher; etwa ein Viertel aller Sandreserven werden im Reich der Mitte benötigt.

Bröckelnde Hochhäuser auf versunkenen Inseln

Wird aber der Bedarf durch Abtragungen am Meeresgrund und in Flussbetten gestillt, hat dies katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Erstens wird das ökologische System des Meeresbodens dadurch zerstört, dass viele Fische ihrer Nahrung beraubt werden. Somit wird der Fischbestand nicht mehr nur durch die Überfischung der Weltmeere reduziert.

Weiterhin führt dies zu einem weltweiten Rückgang der Strände. Vielen Bewohnern des Landesinneren bleibt das bisher vielleicht verborgen, aber nicht den Menschen, die in Küstennähe leben. Gemeinsam mit dem zu erwartenden Anstieg des Meeresspiegels stehen hier große Problematiken bevor.

Einige indonesische Inseln beispielsweise sind bereits gänzlich verschwunden, mit der Konsequenz, dass sich die internationalen Seegrenzen verändern. Somit wächst die Sandknappheit zu einem unmittelbaren geostrategischen Problem heran. In reicheren Regionen der Welt werden mittlerweile die Strände künstlich aufgeschüttet. Die Aufschüttungen haben aber nur eine maximale Haltbarkeit von ein bis zwei Jahren und sind sehr kostenintensiv.

Ein drittes Problem ergibt sich daraus, dass der illegal vom Meeresboden abgetragene Sand viel Salz enthält. Falls dieser nicht vor der Weiterarbeitung gründlich gewaschen wird, ist der spätere Beton, der diesen Sand enthält, brüchig. Durch die Verarbeitung des Betons besteht wiederum die Gefahr, dass stark einsturzgefährdete Gebäudekomplexe errichtet werden.

Staaten haben noch kein Interesse an einer Kontrolle

Sand ist mittlerweile so kostbar, dass einige Länder wie Singapur sogar statt eines Devisenschatzes oder Ölreserven regelrechte Sandvorräte anlegen, um für eventuelle Krisen gewappnet zu sein.

Was lässt sich aus dieser Entwicklung schlussfolgern? Ganz eindeutig bedarf es eines größeren Bewusstseins darüber, wie kostbar die Ressource Sand tatsächlich ist, denn Sand ist kein erneuerbarer Rohstoff. Er entsteht als Endresultat durch natürliche Prozesse, die mehrere tausend Jahre dauern.

Der Wert des Sandes und die negativen Auswirkungen, die die massive Sandverarbeitung zur Folge hat, sollte uns aber nicht nur bewusst werden, sondern wir müssen unser Handeln entsprechend anpassen. Ein Vorteil könnte dabei sein, dass die öffentliche Hand mit staatlichen Bauvorhaben den größten Sandverbraucher darstellt. Dadurch würde es direkt in der Hand der verantwortlichen Politiker liegen, den Sandverbrauch beispielsweise durch Förderung von Gebäuderecycling zu reduzieren.

Zusätzlich muss die Entnahme des Sandes besser dokumentiert werden. Bisher wird der Sandbedarf anhand der Produktionsdaten von Zement, Asphalt oder Bitumen geschätzt. Diese Berechnungen sind aber mit Unsicherheiten behaftet und können nicht alle Nachfragebereiche für Sand abdecken. Daher besteht dringender Forschungsbedarf, um robustere Schätzmethoden zur Entnahme des Sandes zu entwickeln und umzusetzen. Letztlich jedoch kann eine Lösung nur in der Erforschung alternativer Baumaterialien bestehen. Die Bemühungen sollten in dieser Hinsicht deutlich intensiviert werden.

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