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Flüchtlingsdebatte: Medienkritik

Prominenter Pöbel

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»Ekelerregend degenerierte Menschendarsteller«, »wenn Du mal 'n paar auf die Fresse haben willst, das können wir auf kurzem Wege organisieren.« – Handfeste Ansagen mit menschenverachtendem Inhalt. Aber hierbei handelt es sich nicht um die Aussagen von unbekannten Schlägern, Rechtsradikalen oder Flüchtlingsgegnern aus den anonymen Sphären des Internets. Es sind Stellungnahmen von Prominenten, die eine große Medienöffentlichkeit genießen und eine entsprechende Reichweite erzielen. Sie bekommen derzeit große Zustimmung für ihre klaren Positionierungen gegen Flüchtlingsgegner.

Von den Komikern Oliver Kalkofe und Oliver Pocher über das Moderatorenduo Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf (alias Joko und Klaas), den Schauspieler Til Schweiger bis hin zur NDR-Moderatorin Anja Reschke, alle finden klare – mehr oder minder beleidigende – Worte nicht nur für die Schläger und Rechtsradikalen, sondern auch für die sogenannten »Ich-hab-nichts-gegen-Ausländer,-aber...-Sager«. Der Grundtenor ist neben dem Vorwurf der Inhumanität vor allem der der fehlenden Intelligenz, zumeist ausgedrückt in einer Weise, in der es die (vermeintlich) Dummen auch verstehen: In die Meinungsbeiträge werden überlegt Beleidigungen eingestreut, gern auf niedrigstem sprachlichen Niveau.

Es handelt sich bei jenen Stellungnahmen zumeist ausdrücklich nicht um spontane, also möglicherweise unüberlegte, Aussagen, sondern um geplante Aufnahmen. Sie wurden vor der Veröffentlichung einer Redaktion zur Durchsicht vorgelegt. Diese Beleidigungen sind also gewollt. Mehr noch: Man begegnet dem Hass mit ebensolchem (wenn auch nur verbalem) Hass. Zieht man die Wut, das Unverständnis und die Machtlosigkeit gegenüber den Flüchtlingsgegnern ab – das wären Hinweise auf spontane Äußerungen –, bleibt die Frage: Was soll mit diesen Beleidigungen erreicht werden?

Ausgrenzung statt Dialog

Die Wirkungen betreffen ein gemischtes Publikum: Menschen, die für die Aufnahme von Flüchtlingen sind, fühlen sich vermutlich bestätigt. Unentschlossene oder Wankelmütige werden möglicherweise dazu veranlasst, nicht mit Flüchtlingsgegnern in Verbindung gebracht werden zu wollen, um nicht Ziel von Hass und Spott zu werden. Sie entscheiden sich für eine neutrale Position, oder sogar für eine Haltung contra Flüchtlingsgegner.

Flüchtlingsgegner hingegen fühlen sich aller Wahrscheinlichkeit nach beleidigt oder provoziert, vielleicht nicht ernst genommen oder aber erneut in ihrem Bild von der »Lügenpresse« bestätigt. Sie werden ausgestoßen, ein Dialog wird verhindert. Joko und Klaas unterbinden einen Dialog zusätzlich dadurch, dass sie diesen für grundsätzlich ausgeschlossen halten:

»Wir wissen auch, dass ihr euch weder von Argumenten, Anstand oder Menschlichkeit davon abhalten lasst, Sachen wie diese hier zu posten [An dieser Stelle wird ein Facebook-Kommentar im Video eingeblendet]. [...] Vielleicht werdet ihr erwachsen, kommt zur Besinnung und schämt euch ein Leben lang für diesen Sommer. Oder ihr landet im Nachmittagsprogramm von RTL. So ist das Leben. Das können und wollen wir gar nicht beeinflussen.«

Sie wollen die Flüchtlingsgegner nicht erreichen. Sie haben oder wollen keine Lösung. Sie sehen Unterdrückung und Ausgrenzung als zweckmäßiges Mittel, um dem Problem der Flüchtlingsgegner entgegenzutreten. Dadurch verhärten sich die Fronten jedoch noch stärker. Dialog wird durch Hass ersetzt. Die Folge kann nur Radikalisierung und Gewalt sein.

Problemlösung muss sachbezogen sein

Es geht nicht darum, die Verurteilung von Fremdenhass zurückzuweisen. Es geht auch nicht darum, mitfühlend gegenüber Flüchtlingsgegnern zu sein. Es geht darum, die Art und Weise des Umgangs von Humanisten mit diesem Problem zu hinterfragen.

Ein Gegenbeispiel ist die Reaktion Gregor Gysis auf einer »Bürger-Pressekonferenz« am 30. August in Berlin, bei der er eine Äußerung eines »besorgten Bürgers«, der letztlich das Sozialstaatprinzip infrage stellte, kommentierte. Die Argumentation des Politikers löste die Einwände auf und kam ohne Beleidigungen aus. Die Antwort konzentrierte sich nicht auf die Person, sondern auf das Problem - der Lösungsansatz, die Überzeugungsarbeit, war sachbezogen.

Eine solche Herangehensweise gibt den Teil der Bevölkerung nicht auf, der sich am rechten Rand befindet. Das ist vernünftig. Das ist zielführend. Alles andere verstellt den Blick auf das Problem.

Autor:innen

Geboren 1983, ist seit 2015 Redakteur bei KATAPULT und vor allem als Layouter, Grafiker und Lektor tätig. Er hat Germanistik, Kunstgeschichte und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Greifswald studiert.

Sein wissenschaftliches Hauptinteresse liegt im Bereich der Sprachwissenschaft, speziell der Psycho- und Politolinguistik. 

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