Zum Inhalt springen

Kurzstudie

Nachdem Ehe für alle eingeführt wurde, ging Selbstmordrate zurück

Von

Artikel teilen

Studie: „Suicide among Persons who entered same-sex and opposite-sex Marriage in Denmark and Sweden, 1989–2016: A binational, register-based Cohort Study“ von Annette Erlangsen, Sven Drefahl, Ann Haas, Charlotte Bjorkenstam, Merete nordentoft, Gunnar Andersson (Oktober 2019).

Ehen können Leben retten. Das lässt das Ergebnis einer Studie vermuten, die untersucht hat, inwiefern sich die gesetzliche Öffnung der Ehe auf die Lebensrealität von Menschen in Dänemark und Schweden auswirkt – und zwar in Hinblick auf die Anzahl der Selbsttötungen. Antwort: wahrscheinlich sehr. Denn seit gleichgeschlechtliche Paare in den beiden Ländern auch offiziell heiraten dürfen, gibt es dort auch weniger Suizide.

Das Team um die Forscherin Annette Erlangsen vom Danish Institute for Suicide Prevention und der Universität Stockholm hat die Daten von über 28.000 homosexuellen Menschen zusammengetragen und die Suizidraten in hetero- und homosexuellen Partnerschaften miteinander verglichen. Zur Beurteilung der zeitlichen Veränderung dienten zwei Zeitabschnitte, von 1989 bis 2002 und von 2003 bis 2016. Ergebnis: Die Anzahl der Selbsttötungen von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen sank im Vergleich der beiden Zeiträume um 46 Prozent – also fast um die Hälfte. Bei heterosexuellen Paaren waren es »nur« 28 Prozent. Obwohl die Anzahl der Suizide in beiden Ländern generell zurückgegangen ist, hat sich die Rate derjenigen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften besonders stark verringert.

Erlangsen schätzt, dass sich durch die Öffnung der Ehe für alle und liberalere Gesetzgebung das soziale Stigma von Homosexualität reduziert habe. Dennoch zeige ihre Forschung, dass immer noch doppelt so viele Menschen in gleich- geschlechtlichen Partnerschaften Selbstmord begingen. Einschränkend muss festgehalten werden, dass die Wissenschaftler Faktoren wie soziale Unterstützung oder den sozioökonomischen Status nicht in die Untersuchung miteinbeziehen konnten.

Sich eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft offiziell eintragen zu lassen, ist in Dänemark seit 1989 legal, offiziell heiraten dürfen Paare seit 2012. In Schweden können sich Paare ihre Partnerschaft seit 1995 anerkennen lassen, die gleichgeschlechtliche Ehe wurde im Jahr 2009 zugelassen. Beide Länder gelten als Vorreiter, was die Liberalisierung der Rechte homosexueller Menschen angeht.

Aktuelle Ausgabe

Dieser Text erschien in der 17. Ausgabe von KATAPULT. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 19,90 Euro im Jahr.

KATAPULT abonnieren

Autor:innen

Ist seit 2019 bei KATAPULT und seit 2020 Onlinechefin. Vor allem für die Berichterstattung über sozialpolitische Themen zuständig. Zu ihren journalistischen Schwerpunkten zählen Kultur- und Arbeitsthemen.

Neueste Artikel

Gletscher soll gesprengt werden

Sprengen fürs Skigebiet

Nichts ist den Tirolern wichtiger als Skifahren und die Berge. Außer es geht um den Skitourismus.

Meinungsfreiheit für Faschisten?

Dürfen sich rechtsextreme Verlage wie Jungeuropa auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren? Deren Direktor Jürgen Boos meint: ja. Dabei gibt es klare Hinweise, dass bei diesem Verlag Faschismus keine Ausnahme ist.

Hügelhügelhügelhügel

Schon mal was von einem vierfachen Berg gehört?