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Studie

Mehr Praxen, weniger Verbrechen

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Studie: „Local access to mental healthcare and crime“ von Monica Deza, Johanna Catherine Maclean und Keisha Solomon (Oktober 2019).

Etwa die Hälfte der Gefängnisinsassen in den USA hat eine psychische Krankheit. Ein Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Verbrechen liegt nahe. Eine Studie kommt nun zu dem Schluss, dass Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Behandlung Kriminalität reduzieren kann. Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Kriminalität und dem Vorhandensein von Praxen, die auf psychische Gesundheit spezialisiert sind. In Landkreisen (»counties«) mit mehr solcher Praxen ist die Kriminalitätsrate etwas geringer als in anderen Landkreisen.

Für die Untersuchung nutzten die Wissenschaftlerinnen die Kriminalitätsstatistik des FBI und Daten der US-Statistikbehörde über Gewerbe, aus denen die Anzahl von gewerblichen Praxen für psychische Gesundheit hervorgeht. Für die Jahre 1999 bis 2014 verknüpften sie die Daten auf Landkreisebene miteinander und konnten so über 16 Jahre hinweg betrachten, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Größen gibt. Ein durchschnittlicher Landkreis hat 122 Praxen für psychische Gesundheit. Liegt die Zahl um nur zehn Praxen höher, sinkt die Kriminalität um 1,7 Verbrechen pro 10.000 Einwohner, das entspricht 0,5 Prozent. Die Zahl der Gewaltverbrechen sinkt sogar um 2 Prozent oder 0,9 Verbrechen pro 10.000 Einwohner.

Im Zeitraum der Studie gab es in den USA im Durchschnitt 360 Verbrechen pro 10.000 Einwohner. Davon waren 44 gewalttätig, also Mord, Totschlag, Vergewaltigung, schwere Körperverletzung oder Raub. 316 waren nicht gewalttätig, dazu zählen Einbruch, Diebstahl und Autodiebstahl. Mehr psychologische und psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten haben weitere positive Effekte. Die Autorinnen der Studie geben an, dass die Suizidrate sinkt, wenn mehr Praxen vorhanden sind. Zehn zusätzliche Praxen senkten die Suizidrate im Durchschnittslandkreis um 0,4 Prozent.

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Autor*innen

Geboren 1987 und seit 2020 als Redakteurin bei KATAPULT vor allem für aktuelle Berichterstattung zuständig. Sie ist ausgebildete Fotografin und studierte Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

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