Zum Inhalt springen

EDITORIAL Ausgabe Nr. 26

Klops

Von

Artikel teilen

„Jetzt bin ich mir ganz sicher“, sagt Tim, nachdem er seinen Kopf durch meine Bürotür gesteckt hat: „Königsberger Klopse werden mit Klopswasser gemacht!“ Aha, denk ich, vielen Dank für die Info. Und woraus wird dann Moppelkotze gemacht? „Nee, echt jetzt“, sagt Tim, „die werden aus reinem Klopswasser gemacht und Moppelkotze gibts ja wohl gar nicht.“ Gut, hätten wir das auch geklärt. Tschüss Tim, wir haben zu tun!

Tim ist unberechenbar geworden. Jeden Tag setzt er einen neuen schrägen Satz in die Welt und wir müssen ihn aushalten. Meine Vermutung: Ich soll aufhören, ihn Passwort-Ehlers zu nennen. Er will ablenken. Vor allem: Wir haben wirklich zu tun! Max und ich basteln an einem Festival-Song. Deshalb machen wir das einzig Richtige und schmeißen Tim wieder raus. »Ihr zwei seid n gutes Trio«, verabschiedet sich Tim.

Er ist endlich weg. Da fragt Max: „Wollen wir einfach einen Bagger mieten, dass die Leute mit dem Bagger umherbaggern können?“ Wie geil ist denn die Idee?! Bin dafür! Max fragt, ob wir lieber einen großen oder eher einen kleinen Bagger holen sollen, da schreit es vom Flur „GROSSER BAGGER, GROSSER BAGGER - GROSS! GROOOOSS! GROOOOOOOSS!!“ Tim hatte die Tür offen gelassen und uns offensichtlich gehört. Da haben wir nun die ehlersche Antwort. Großer Bagger.

Ein paar Minuten später diskutieren wir, ob wir auch einen Kran brauchen. „Nen Kran kannste immer gebrauchen“, sagt Max. Also gut. Dieses Festival wird wohl etwas anders als geplant. Wir wollten zuerst eigentlich nur ein Musikfestival mit einer Buchmesse mischen. Jetzt ist das bisschen ausm Ruder gelaufen. Baggerführerschein, Moppelkotze schlürfen, Drohnenrennen, Kyjiwer Kotelett, Blobby-Volley-Weltmeisterschaft, Kartenolympiade, Heißluftballon. Und natürlich vegane Königsberger Klopse aus dem Hause Ehlers. Wie nennt man so ein Festival?

Wie nennt man ein Festival, das einerseits Kinderfest wird, weil wir drei große Hüpfburgen aufblasen, vier Profi-Kinderschminker:innen (auch für Erwachsene!) haben und fünf Sorten Softeis verteilen, Lesungen von Granaten wie Judith Schalansky auf die Bühne schmettern, und andererseits auch HipHop, Jazz, Rock und Kindermusik anbieten? Wie nennt man ein Festival, das zur Schatzsuche aufruft, eine Ökokloführung mit Sitzprobe anbietet und Popcorn für alle rausballert?

Wie nennt man ein Festival, das einerseits 50 Euro kostet und andererseits auch kostenlos für alle Leute ist, die keine Knete haben? Wie nennt man SO EIN FEST? Ich weiß es nicht. Wir freuen uns so extrem auf dieses unbenannte Fest und haben keinen echten Namen dafür.

Klopswasser-Ehlers steckt seinen Kopf wieder durch die Tür und grinst. Wir gucken entnervt. Er grinst weiter und sagt: „Joseph Christus hat mal gesagt, Teppiche ab einer Haarlänge von fünf Zentimetern nennt man Shaggy!“ Ich kann nicht mehr. Dieser Typ ey. Wie nennt man ein Fest, das so einen Ehlers als Layouter hat? Wie nennt man das? Mein Vorschlag: „Tim, das Festival“. Ihr habt einen besseren Vorschlag? Sendet mir eure Ideen und ich schicke euch eine goldene Eintrittskarte fürs Festival zurück. Was bedeutet das? Ihr bekommt ein KATAPULT-Shirt und eine Cocktail-Flatrate und ein Untergrundgespräch mit Tim Ehlers. Haha.

Wir machen das bunteste Fest der Welt und ihr seid alle eingeladen! Holt euch ein Ticket, bevor alle 4.500 Tickets weggebucht sind. Entscheidet selbst, ob ihr Geld geben wollt oder nicht.

Ukrainerin oder Russe, Vegetarier oder Fleischesserin, Enkel oder Oma, Bauaufsichtsleiterin der unteren Bauaufsichtsbehörde ;) oder Schüler, Maurerin oder Polizist - ihr seid hier alle willkommen! Vom 21. bis zum 24.Juli ballern wir alles raus - Musik, Literatur, Eis und Königsberger Klopse!

www.timdasfestival.de
www.katapult-festival.de

Aktuelle Ausgabe

KATAPULT ist gemeinnützig und unabhängig. Wir finanzieren uns durch Spenden und Abonnements. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 19,90 Euro im Jahr.

KATAPULT abonnieren

Autor:innen

Ist einsprachig in Wusterhusen bei Lubmin in der Nähe von Spandowerhagen aufgewachsen, studierte Politikwissenschaft und gründete während seines Studiums das KATAPULT-Magazin.

Aktuell pausiert er erfolgreich eine Promotion im Bereich der Politischen Theorie zum Thema »Die Theorie der radikalen Demokratie und die Potentiale ihrer Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten«.

Veröffentlichungen:
Die Redaktion (Roman)

Neueste Artikel

Die andere Seite Schwedens

Beinahe täglich berichten Medien über die anhaltende Gewalt in Wohngebieten und auf offener Straße. Bei Schießereien und Explosionen sterben Menschen oder werden verletzt. Wo? In dem eigentlich als friedlich geltenden Land Schweden.

KATAPULT-Ausgabe 26 ist da!

Es geht um Avocados und Drogen, den Hund als Arbeitnehmer und Serienmörder. Super Kombination!

Das Los der Inseln

Auf den Nordseeinseln sind die Sommerferien kürzer. Weil viele Bewohner:innen der Inseln im Gastgewerbe tätig sind, können sie in der Feriensaison nur bedingt selbst in den Urlaub fahren. Als Ausgleich haben sie im Herbst länger frei.