Hilfe für Italien
“Von Russland mit Liebe”

Russland schickt Ärzte und Desinfektionsmittel nach Italien – und inszeniert sich als starker und solidarischer Helfer. Dabei ist das Land selbst kaum auf die Corona-Pandemie vorbereitet. Von JULI KATZ



Ende März schickt Russland neun Militärflugzeuge mit Hilfsgütern nach Norditalien. Darauf angebracht: Sticker mit zwei Herzen, eines trägt die russischen Nationalfarben, eins die italienischen. Darüber der Schriftzug “From Russia with Love”. In der Lieferung enthalten: technische Ausrüstung, Desinfektionsmittel und Militärvirologen – Moskau will Italien dabei helfen, dessen kollabierendes Gesundheitssystem zu entlasten, so die Botschaft.

Italien ist derzeit am stärksten von der Coronakrise betroffen. Über 15.000 Menschen sind bereits an den Folgen einer Infektion gestorben, auch medizinisches Personal.1 Mittlerweile steigt aber auch in Russland die Zahl der bestätigten Fälle, mehrere Tausend Menschen wurden positiv auf Covid-19 getestet.2 Nicht einmal für diese gebe es ausreichend Desinfektionsmittel und Schutzmasken, lautet deshalb der Vorwurf aus der Bevölkerung angesichts der Hilfslieferungen.

Denn das russische Gesundheitssystem hat grundlegende Probleme: Zwar gibt es dort ein Recht auf kostenlose medizinische Versorgung, allerdings glaubten schon vor der Krise nur 27 Prozent der russischen Bevölkerung, dass sie diese tatsächlich auch bekämen.3 Es gibt wenig medizinisches Personal, Menschen müssen lange auf Termine warten und Ärztinnen und Ärzte beschweren sich über prekäre Arbeitsbedingungen.4 Vor allem in den Krankenhäusern gibt es Probleme. Medizinische Geräte fehlen und in Zimmern gibt es nicht genügend Betten. Am Rande Moskaus wird deshalb gerade ein neues Krankenhaus gebaut, das 500 Menschen aufnehmen soll.5

Wieso also unterstützt Putin Italien, obwohl das eigene Gesundheitssystem so marode ist? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Der Präsident selbst sagt, er wolle in Zeiten der Krise grüne Korridore schaffen, “frei von Handelskriegen und Saktionen”.6 Ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Außenministeriums meint, Putin wolle vor allem seine Popularität bei den Europäern steigern. Ziel sei, eine Lockerung der Sanktionen zu erreichen, die im Zuge der Krimkrise gegen Russland verhängt wurden.7 Eine russische Zeitung vermutet hinter der Aktion eine Art Trainingsmission für die Militärärzte.8 Diese sollen in Italien den Umgang mit dem Virus lernen, um es im Heimatland besser bekämpfen zu können.

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[1] Frankfurter Rundschau (Hg.): News-Ticker, auf: fr.de (7.4.2020).
[2] Rescheto, Juri: Der gute Mensch von Moskau, auf: dw.com (5.4.2020).
[3] Ipsos (Hg.): Global Views On Healthcare 2018, auf: ipsos.com, S. 13.
[4] Borosdina, Jekaterina et al.: Das russische Gesundheitssystem, auf: dekoder.org (2.3.2020).
[5] Thieme (Hg.): Moskau baut Krankenhaus für Corona-Patienten, auf: kma-online.de (17.3.2020).
[6] RT Deutsch (Hg.): Putin zu Corona-Krise: Versorgung muss für alle frei von Handelskriegen und Sanktionen sein, auf: youtube.com (27.3.2020).
[7] Angerer, Jo; Kusnezowa, Katja: Von Russland mit Liebe - und Kalkül, auf: tagesschau.de (28.3.2020).
[8] Nauer, David: Putins Corona-Coup, auf: srf.ch (23.3.2020).


07.04.2020

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