Editorial
Kernkraftwerk

Wegen dieses Editorials zur aktuellen, neunten Ausgabe war die Redaktion drei Wochen und vier Tage lang zerstritten. Von BENJAMIN FREDRICH



Sagt der eine zum andern: »Hier, musste liken die Seite.« Sagt der andere: »Hab ich schon längst.« Diese Diskussion über Katapult hab ich auf Facebook gefunden und weil ich ein genialer (kann mein Arzt bestätigen) Statistiker bin, vermute ich, dass alle Gespräche über Katapult genau so ablaufen.

Wir sind berühmt geworden, dachte ich zunächst. Dann traf ich Frau Hase im Netto. Sie sagte: »Na Benni, lang nicht mehr gesehen, arbeitest du noch im Kernkraftwerk?« Ich meinte: »Kernkraftwerk? Nein nein, noch nie! Ich mache bei einem Magazin mit, das heißt Katapult und hat ausschließlich Karten und Grafiken.« Frau Hase guckte skeptisch. Was erzählt der dünne Junge nur? Er war doch jetzt schon über zehn Jahre im Kernkraftwerk und nun macht er ein Magazin? »Na gut, Benni«, sagte sie, »hättest du mal in der Schule besser aufgepasst, dann wär dir der Job im Kernkraftwerk sicher gewesen.« Na gut, dachte ich zurück, da hat sie recht. Danach fiel mir auf: Wir sind doch nicht so berühmt. Damit wir von Katapult jetzt nicht ständig für Kernkraftexperten gehalten werden, stelle ich heute einen Teil des Katapult-Teams vor.

Ich beginne mit dem Schwächsten. Der Layouter: Sie sehen es ja schon selbst. Hier ‘ne Linie, da ‘ne Linie, so was machen Leute, die keine Ziele im Leben haben. Er sagt gerne »genial« und meint damit seine eigenen »Fähigkeiten«. Der Layouter ist der Bassist der Redaktion. Manchmal freut er sich, wenn er bei Paint eine neue Farbe gefunden hat. Glückwunsch! Nebenbei schreibt er einfach mal meinen Nachnamen falsch. Kennen Sie unsere erste Ausgabe? Katastrophe.

Die Politologin: Sie macht gerne Ausrufezeichen, wo Punkte hingehören. Krank, oder? Die passt gut ins Team, sage ich leise zu mir (Irrationalität ist meine Stärke). Seitdem bemühe ich mich, in möglichst viele Fettnäpfchen zu treten. Ich meinte neulich mal, in Lloret de Mar feiern doch nur Leute, die Alf heißen. Sie antwortete, »na ja, da hab ich meinen Freund kennengelernt. Wir sind seit zehn Jahren zusammen.«

Auch nicht so doll: der Geoinformatiker. Sagt gerne »arrangieren«. Was ist mit dem eigentlich los? Er beschimpft den PC im Acht-Sekunden-Takt, woraufhin sich der PC weigert, zu booten. Seitdem gibt es Fluchverbot im Büro. Keine Ahnung, ob er das einhält. Er bleibt gerne bis 24 Uhr im Büro, wahrscheinlich nur, damit er alleine weiterfluchen kann.

Der Korrektor: Jede Ausgabe die gleiche Klugscheißerei: »Benni, du musst (stellen Sie sich jetzt bitte eine stumpfe Idiotenstimme vor) diese 5.000 Sätze in den Konjunktiv setzen, weil die Aussage sonst eventuell falsch ist.« Meiner Meinung nach müssen alle Korrektoren ein Seminar besuchen, in dem sie lernen, dass der Konjunktiv schon weit vorm Krieg aus dem Duden gestrichen wurde. Wer zu viel in der Möglichkeitsform schreibt, kann es meinetwegen auch sein lassen.

Zuletzt: die Praktikanten. »Soll ich das so machen? Wo muss ich hier noch mal klicken? Hab ich das gut gemacht?« Praktikanten sind das Schönste auf der Welt. Im sozialen Umgang mit ihnen muss ich immer wieder an einen philosophischen Aphorismus von Arthur Schopenhauer denken: »Fick dich ins Knie! Ich hab doch auch keine Ahnung.«

Was ich mit meiner kleinen Katapult-Familienaufstellung insgesamt sagen will: Wir sind derzeit das beste Team, das wir je hatten. Ich schwächele derzeit zwar etwas (in Greifswald war im Winter der See zugefroren und ich musste mindestens fünf Stunden am Tag Eishockey spielen), aber insgesamt haben wir noch nie so viele gute Artikel und Karten veröffentlicht. Die Redaktion war noch nie so produktiv, noch nie so interaktiv (besonders bei Facebook) und noch nie so angenehm. Katapult rast wie ein Rennhundeschlitten und wir stellen immer mehr Hunde ein. Wenn wir jetzt noch jemanden hätten, der den Schlitten vernünftig führen könnte – wir hätten (vorne Konjunktiv und hinten Ausrufezeichen, ich hasse das) den Cicero auch beim Absatz schon längst überholt!

Falls Sie sich gerade freuen, warten Sie bitte noch ab, denn auch Sie und ihr Bundesland werden in dieser Katapult-Ausgabe beschimpft. Sollten Sie unsere Vorurteils-Karten einigermaßen beknackt finden, schicken Sie uns gerne eine Hassmail an hassmail@katapult-magazin.de.

Dieser Text erschien als Editorial der neunten Ausgabe von KATAPULT. Unterstützen Sie unsere Arbeit und abonnieren Sie das gedruckte Magazin für nur 19,90 Euro im Jahr.

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18.06.2018

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