Studie
Erfolgreiche Frauen brauchen beim Netzwerken vor allem eines: andere erfolgreiche Frauen

Gute Netzwerke sind sowohl für Männer als auch für Frauen von zentraler Bedeutung, um direkt nach dem Studium Jobs in Führungspositionen zu erhalten. Frauen benötigen zudem noch ein kleines, enges Netzwerk anderer erfolgreicher Frauen, um genderrelevante Informationen in der Arbeitswelt sammeln zu können.



Studie: „A network’s gender composition and communication pattern predict women’s leadership success“ von Yang Yang, Nitesh V. Chawla und Brian Uzzi (Februar 2019)

Lifestylemagazine erklären den Erfolg von Frauen in Führungspositionen in männerdominierten Branchen gern damit, dass sie wie ihre männliche Konkurrenz agierten und zudem härter arbeiteten als diese. Weiblichen Berufseinsteigern wird empfohlen, die Kontakte zu ihren männlichen Kollegen auch nach Feierabend zu pflegen – in der Bar oder beim Golfen. Die Ergebnisse einer Studie der Northwestern University in Evanston zeigen aber, dass das im Detail nicht stimmt. Gute Netzwerke sind für beide Geschlechter wichtig, allerdings sind diese bei Frauen anders aufgebaut.

In der Studie verglichen die Wissenschaftler das Netzwerkverhalten von 728 Absolventen (542 Männer, 186 Frauen) einer Eliteuniversität, die neu in die Berufswelt einstiegen.1 Insgesamt wurden dazu 4,5 Millionen E-Mails analysiert. Der Inhalt war den Wissenschaftlern jedoch egal, sie interessierten sich lediglich dafür, wer wem wie oft schrieb.2

Das Ergebnis war zuerst wenig überraschend: Wer besser vernetzt war, bekam nach dem Uniabschluss einen Job, der in der Hierarchie eines Unternehmens etwas höher lag. Das trifft für weibliche und männliche Absolventen zu. Bei Frauen war der Effekt sogar etwas stärker ausgeprägt. Was den Frauen aber noch viel eher dazu verhalf, höherrangig ins Berufsleben einzusteigen, war der sehr enge Kontakt zu anderen Frauen. Wenn Frauen zu ihrem guten Netzwerk zusätzlich noch einen extrem engen Kontakt zu einer kleinen Zahl anderer Frauen aufbauten, deren jeweilige Netzwerke sich jedoch kaum überlappten, erhöhten sich die Karrierechancen deutlich.

Die Forscher erklären sich diese Besonderheit so: Für beide Geschlechter ist beim Berufseinstieg eine Sache elementar. Die Absolventen müssen möglichst viele Informationen über offene Stellen, das gewünschte Verhalten in Bewerbungsgesprächen, Einstiegsgehälter und die Reputation der Unternehmen sammeln. Für die Frauen in den meist männerdominierten Branchen ist es zudem entscheidend, vertrauenswürdige, genderrelevante Informationen über das Arbeitsklima und die ungeschriebenen Gesetze der jeweiligen Firmen zu erhalten – Informationen, an die sie nur durch enge Kontakte zu anderen erfolgreichen Frauen gelangen können.

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[1] Andere Variablen wie Persönlichkeitsmerkmale, Noten oder Arbeitserfahrung der Absolventen wurden als Teil der Studie ebenfalls analysiert, erwiesen sich jedoch als weniger entscheidend als das Netzwerkverhalten. Sie wurden im zweiten Teil der Studie ausgeklammert.
[2] Die E-Mails stammen aus den Jahren 2006 und 2007. Damals fand der E-Mailverkehr der Studierenden noch fast ausschließlich über die E-Mailservices der Universitäten statt. Andere E-Mailanbieter oder moderne Karrierenetzwerke wurden von den Studierenden noch kaum genutzt.


09.01.2020

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