Prostitution
Die Würde des Menschen ist unbezahlbar

Amnesty International will Prostitution zum Schutz der Prostituierten weltweit legalisieren. Ob Prostitution überhaupt noch zu unserer Gesellschaft passt, kommentiert ELLA DAUM



Amnesty International hat auf seiner Hauptversammlung im August dieses Jahres in Dublin das Ziel formuliert, Prostitution weltweit zu legalisieren. Grund hierfür sei, dass dadurch Prostituierte einen höheren Schutz erfahren könnten und nicht in die Illegalität gedrängt würden, in der sie Zuhältern oder gewalttätigen Freiern schutzlos ausgesetzt seien.

Gegner einer Legalisierung befürchten, dass das Vorhaben von Amnesty International Menschenhandel begünstige und Zuhältern in die Hände spiele.

In Deutschland ist Prostitution durch das Prostitutionsgesetz seit 2009 legal. Hintergrund des Gesetzes war ebenfalls der Wunsch nach einem höheren Schutz für Prostituierte und der Verhinderung von Zwangsprostitution und Menschenhandel.

Ob dies allerdings durch eine Legalisierung erreicht werden kann, ist zweifelhaft. Wie sich nämlich in einer Studie herausstellte, bewirkt eine Legalisierung vielmehr das Gegenteil.1 "In Ländern ohne gesetzliches Prostitutionsverbot wird Menschenhandel in einem größeren Umfang registriert als in Ländern, in denen die Prostitution verboten ist."2

Zu überprüfen ist, ob eine Legalisierung tatsächlich schädlich ist oder ob das Prostitutionsgesetz nur einer Neuerung bedarf. Eine andere Frage ist, ob Prostitution, Bordelle oder "Flatrate-Puffs" überhaupt noch zu unseren heutigen gesellschaftlichen Werten passen.

Prostitution ist unzeitgemäß
Die Ausgangslage des Beschlusses von Amnesty International scheint zu sein, das geringere Übel zu wählen: Wenn es schon Prostitution gibt, dann zumindest kontrollierbar, um die Sexarbeiterinnen zu schützen.

Amnesty International und die Befürworter der Legalisierung von Prostitution gehen davon aus, dass es den Kauf sexueller Dienste nun einmal gibt und auch immer geben wird. Schließlich gehört Prostitution zu den ältesten Berufen überhaupt. Prostitution wird somit als nicht zu ändernde Tatsache hingenommen. Das drückt Resignation aus.

Fragwürdig ist, ob diese Sichtweise zu einem Land wie Deutschland passt, in dem die Gleichstellung von Mann und Frau im Grundgesetz verankert ist, in dem die Würde des Menschen den höchsten Schutz genießt.

Die Anzahl aller Prostituierten in Deutschland wird auf 400.000 geschätzt.3 Es gibt auch männliche Prostitution, im Vergleich zur weiblichen macht sie einen geringen Anteil aus.

Der Weg über eine Legalisierung war ein notwendiger Zwischenschritt: Lange wurden Prostituierte aus der Gesellschaft ausgeschlossen und waren Misshandlungen und Gefahren ausgesetzt. Heute werden Prostituierte und Freier nicht mehr verfolgt, sie haben eine Sozial- und Krankenversicherung und zahlen Steuern wie jeder andere Bürger.

Niemand arbeitet freiwillig
Das nächste Ziel könnte sein, Prostitution abzuschaffen. Lohnt es sich nicht, dafür zu kämpfen?

Einige Prostituierte mögen dieses Ziel als bevormundend ansehen. "Sexarbeiterinnen selbst werden oft nicht zu Fachdiskussionen eingeladen. Das liegt vielleicht auch daran, dass man davon ausgeht, dass doch irgendwie ein Zwang dahintersteckt", so eine junge Prostituierte aus Berlin.4

Möglicherweise stellt die Anerkennung und Legalisierung von Prostitution auch ein Indiz für ein modernes und liberales Land dar. Sie wird nicht mehr als unmoralisch verschrien, freiwillige sexuelle Dienste werden anderen Berufen gleichgestellt. Prostituierte werden nicht mehr diskriminiert und gekaufter Sex ist kein gesellschaftliches Tabu mehr. Selbstbewusste junge Frauen oder Männer verkaufen freiwillig ihren Körper.

Ist nicht die Unfreiwilligkeit Hauptcharakter der Prostitution? Der eine hat Lust, der andere nicht, schließlich lässt er sich deshalb bezahlen. Der eine wählt aus, der andere würde ohne Bezahlung nicht zustimmen.

Auch in anderen Berufen werden (körperliche) Dienste unfreiwillig und nur für Geld vorgenommen: Der Bauarbeiter verkauft seine körperliche Kraft, die Chorsängerin ihre Stimme. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass es bei der Prostitution um den Verkauf des Körpers selbst geht. In keinem anderen Beruf ist man einem anderen, demjenigen, der den Dienst empfängt, wortwörtlich nackt gegenübergestellt.

Schützt das Verbot?
Ungefähr die Hälfte der Prostituierten kommt aus dem Ausland, viele aus Osteuropa.5 Häufig befinden sie sich in einer finanziellen Zwangslage. Die Mehrzahl der Befragten gibt an, der Prostitution entfliehen zu wollen, aber keine Wahl zu haben. Viele sind physischer und psychischer Gewalt begegnet.6

Die Grenzen zwischen Freiwilligkeit und Zwang sind fließend. Selbst wenn es viele Prostituierte gibt, die ihrer Tätigkeit freiwillig nachgehen, geht Prostitution häufig mit Zwang und Unterdrückung einher.

Bei der Überlegung, Prostitution zu verbieten oder zu legalisieren, sollte der Schutz der Frauen und Männer, die diesem Beruf nachgehen, an erster Stelle stehen. Prostitution soll deshalb keinesfalls erneut als unmoralisch angeprangert werden. Käuflicher Sex soll nicht tabuisiert, Prostituierte nicht als "unsittlich" angesehen und aus der Gesellschaft ausgestoßen werden.7

Der Rechtsstaat gibt auf
Die Frage ist aber, ob durch die Legalisierung von Prostitution ein falsches Zeichen seitens des Staates gesetzt wird. Schließlich hat er sich den Schutz der Gleichstellung von Mann und Frau und der menschlichen Behandlung aller Bürger zum verfassungsrechtlichen und politischen Ziel gesetzt. Indem Prostitution erlaubt ist, suggeriert der Staat, dass er mit dem Frauen- und Menschenbild, das mit der Prostitution einhergeht, "einverstanden" ist. Ebenso hat das Betreuungsgeld scharfe Kritik erfahren. Ein solches Frauenbild passt nicht mehr in unsere Zeit.

Auch sonst kämpft der Staat für seine Werte und nimmt Missstände nicht als gegeben hin. Diebstahl und Hehlerei werden bestraft, auch wenn es Diebe und Hehler schon immer gab und immer geben wird. Dennoch soll das Eigentum geschützt werden. Die Bestrafung der Verletzung dieses Rechtsgutes bedeutet, dass die Gesellschaft diese Verletzung nicht billigt.

Die Überlegung von Amnesty International, "Prostitution gab es schon immer und wird es auch künftig geben", ist wahrscheinlich nicht zu bestreiten. Dennoch bedeutet dies nicht, dass man sich auch damit abfinden muss.

In Schweden ist Prostitution zwar illegal, das Nachgehen der Prostitution selbst wird aber nicht bestraft. Allein die Inanspruchnahme durch die Freier wird rechtlich verfolgt. So werden nicht die Prostituierten bestraft, sondern es wird versucht, die Nachfrage von Prostitution zu verringern.8 Schweden zeigt: Es verfolgt ein modernes Frauenbild.



[1] Vgl. URL: http://www.donacarmen.de/wp-content/uploads/2011/10/Stellungnahme-EU-Studie1.pdf, 10.09.2015.
[2] URL: https://www.uni-heidelberg.de/presse/news2013/pm20130527_prostitution.html, 10.09.2015.
[3] Vgl. URL: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=131998.html#fragment, 10.09.2015.
[4] URL: http://www.taz.de/!5077215/, 10.09.2015.
[5] Vgl. URL: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=132012.html, 10.09.2015.
[6] Vgl. URL: http://isites.harvard.edu/fs/docs/icb.topic1001965.files/Week%2011%20Readings/Farley%20et%20al%20%20Prostitution%20and%20Trafficking%20in%20Nine%20Countries.pdf, 10.09.2015.
[7] Vgl. URL: http://www.zeit.de/kultur/2015-08/prostitution-legalisierung-amnesty-international-kommentar, 10.09.2015.
[8] Vgl. URL: http://www.leuphana.de/zentren/zdemo/promovierende/workshop-gender-responsive-policy-making.html, 10.09.2015.



11.09.2015

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Kommentare


Ketama Gold   14:15 Uhr 11.09.2016

Die unantastbare Menschenwürde möge allüberall geschützt werden, vor Allem auch am Arbeitsplatz. Es gibt, nicht nur in Deutschland, Millionen so genannter "SDL", also Sexdienstleister, die aus ihrer Berufung einen Beruf machen und die sich nie und nimmer als ausgenutzte KörperverkäuferInnen definieren.
Menschliche Existenzsirgen dafür auszunutzen, sie auszubeuten, verstößt generell gegen die Menschenwürde und findet, leider, überall massiv statt. Ohne diese Verletzungen könnten schneidige Wenige nicht die Taschen mit Geld füllen, das nicht ihres ist.
Im Sex Gewerbe gibt es, ebenso wie in allen anderen Bereichen, genausoviel und wenig Versklavung.
Den Autoren des Artikels, wie auch Politikern und Bevölkerung, steht es nicht zu, das "älteste Gewerbe der Welt" pauschal anders zu betrachten als jeden anderen (Dienstleistungs)Sektor.





Rotlicht-Weblog   15:11 Uhr 17.09.2015

Sehr geehrte Frau Daum,

Ich weiß nicht so recht worauf Sie in Ihrem Artikel hinaus wollen. Wollen Sie sich auf eine Seite positionieren oder wollen Sie neutral über Hintergründe informieren. Welche Intension Sie auch immer haben, Ihr Text kommt leider nicht über eine 0/8/15-Berichterstattung hinaus. Es scheint teils so als hätten Sie ein paar Schlagwörter hier und ein paar Pseudofakten dort zusammengetragen und willkürlich aneinandergereit. Mit der Materie Prostitution (inkl. Prostitutionsgesetz von 2002!!!!, Prostituiertenschutzgesetz (Referentenentwurf), das schwedische Gesetz..., Studienlage) haben Sie sich aber keinesfalls ausreichend auseinandergesetzt. Da helfen auch Ihre Quellenangaben nichts. Zuviele Mängel weißt Ihr Text auf, zuviele Klischees werden von Ihnen bedient...

So haben Sie anscheinend auch die von Ihnen zitierte Göttinger Studie von Cho, Dreher und Neumayer nicht wirklich gelesen. Denn daraus pauschal zu schließen, dass eine Legalisierung von Prostitution zu unumwunden zu mehr Menschenhandel führt, ist einfach falsch. Dazu sollten Sie sich auch mal etwaige Interviews mit den Autoren zu Gemüte führen.

Die Zahl der 400.000 Prostituierten ist weder nachgewiesen, noch basiert sie auf real nachvollziebaren Datenlagen. 2015 macht übrigens kein seriöser Journalist mehr von dieser 1988 veröffentlichten Zahl (eine Schätzung aufgestellt von Hydra) gebrauch. Auch Hydra nicht.

Menschenrechte sind übrigens unantastbar. Dass sie unbezahlbar schreiben, finde ich despektierlich. Da Sie damit auf die gegen ein Entgelt geschlossene Vereinbahrung/Dienstleistung (Prostitution) hinaus wollen, bedienen Sie gleich mal den Aktionismus, welcher Sexarbeit mit Menschenhandel gleichsetzt.

Sie pauschalisieren Prostitution ganz unumwunden, ohne auf die durchaus sehr unterschiedlichen Aspekte der Sexarbeit Bezug zu nehmen. Eine Sexarbeiterin kann nämlich Domina, Escort, Callgirl oder Tantra-Masseurin sein, kann auf dem Straßenstrich, in einem Bordell, einer Modellwohnung, in einem Saunaclub oder in einem Wohnwagen arbeiten. Es gibt Gelegenheitsprostituierte, Webcam-Girls, die auch Realtreffen haben... .
Viele machen es wegen des schnellen Geldes viele, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Die Beweggründe und Ursachen sind dabei so unterschiedlich wie [suchen Sie sich ein Gleichnis Ihrer Wahl aus!].

Dass es Sexarbeiter/innen gibt, hat überdies nichts mit der Gleichstellung von Männern und Frauen zu tun. Gleichstellung und erfolgreiche Emanzipation ist eine soziale Errungenschaft, Sexualität hingegen ein biologischer Trieb. Wobei, wenn wir von Gleichstellung, Emanzipation und Entscheidungsfreiheit sprechen, dann darf Prostitution einfach nicht verboten und kriminalisiert werden.
Und ja: Prostitution passt definitiv zu unserer heutigen, liberalen Wertevorstellung.

Ich glaube auch, dass Sie die Intention von Amnesty International nicht vollends verstanden haben. Aber das ist jetzt nur meine subjektive Meinung.

Frau Daum, ich hätte mir gewünscht, dass Ihr Text mehr Hand und Fuß hätte. Als Empfehlung kann ich Ihnen ans Herz legen einmal durch unseren Blog zu stöbern oder (nein, nicht oder, sondern unbedingt) sich die diversen Stellungnahmen der Gesundheitsämter, des Bunds der Juristinnen, des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen etc. zu Gemüte zu führen. Und lesen Sie bitte auch die Erkenntnisse des Runden Tisches Prostitution NRW durch.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen





Christian Schatz   11:14 Uhr 13.09.2015

Wenn die Würde des Menschen in Deutschland den höchsten Schutz genießt, warum ist dann die gewöhnliche Prostituierte staatlicherseits davon ausgenommen? Denn auch in dem so genannten Prostituiertenschutzgesetz ist dazu nichts zu finden. Oder hat es nichts mit der Würde einer Frau zu tun, wenn sie gezwungen ist – ich umschreibe hier mal- bedeutend mehr anzubieten als nur GV mit Kondom. Was für mich nichts anderes ist als Zwangsprostitution, bei dem die daran beteiligten Freier ungeschoren davon kommen. Leider wird sich daran nichts ändern.





Ella Daum   23:02 Uhr 11.09.2015

Sam,
nein natürlich wird ein Prostitutionsverbot nicht dazu führen, dass auch Pornos, Werbung etc., die ein Bild der Frau als Sexobjekt propagieren, aufhören werden zu existieren.

Ich finde trotzdem, der Staat müsste mit den Schwerpunkten, die er setzt, gegen ein solches Bild kämpfen. Ich beziehe auch die männliche Prostitution ein, denn neben dem Frauenbild spielt auch unser höchstes Schutzgut der Verfassung, die Menschenwürde, hierbei eine große Rolle. Die männliche Prostitution macht eben nur einen kleineren Anteil aus.

Und warum heißt es, dass mit einer Illegalität der Prostitution ein geringerer Schutz einher geht? Es können ja dennoch staatliche Kontrollen statt finden, Beratungs- und Anlaufstellen für Opfer von Zwangsprostitution etc. eingerichtet werden. Eine neu veröffentlichte Studie (Fußnote 1) zeigt ja vielmehr, dass die Legalisierung hierbei auch nicht viel gebracht hat.

Zu der Parallele zum Betreuungsgeld: Auch bei einer Abschaffung der Legalisierung der Prostitution blieben die Frauen, sollten sie dennoch vereinzelt käufliche sexuelle Dienste anbieten, unbestraft. Das ist ja gerade das Modell in Schweden.





Sam   16:27 Uhr 11.09.2015

Vielen Dank für die Antwort.

Ich halte es aber nach wie vor für nicht ganz schlüssig, weshalb ausschließlich das Frauenbild da mit ins Spiel kommt. Wird durch die offiziell genehmigte Prostitution auch ein unmodernes Bild des Mannes gezeichnet, oder spielt männliche Prostitution keine Rolle?

Zum Betreuungsgeld: Wenn man das Betreuungsgeld abschafft, bleibt die Entscheidung der Frauen zuhause zu bleiben nach wie vor strafrechtlich unberührt, das ist der Unterschied.

Hinsichtlich dem unzeitgemäßen – ja, ein Staat und auch eine Gesellschaft entwickelt sich weiter. Aber nicht immer in dem Tempo in dem man es sich wünschen würde. Und bei deinem Beispiel geht es darum, dass ein Verbot aufgehoben wurde, aufgrund jener Weiterentwicklung.

„Und so auch die legalen Bordellen: Wird Kindern, Jugendlichen oder auch Erwachsenen nicht ein Bild von der ewig willigen Frau geliefert?“

Werden durch ein Prostitutionsverbot, sexuell aufgeladene Werbung, Kinofilme und Bücher, die ein solches Bild einem weitaus größerem Kreis propagieren, vor allem Kindern und Jugendlichen, gestoppt? Werden Pornos aufhören zu existieren? Das Problem ist ein reales und ein großes – da gehe ich ganz d‘accord, aber mit einem Prostitutionsverbot, wird man dem Problem meines Erachtens in keiner Weise gerecht.

Das eine Frau in einem solchen Etablissement als eine Art Schnitzel gilt, vom dem man so viel haben kann wie man möchte. Ja das ist auch für mich moralisch verwerflich, absolut. Aber solange es freiwillig geschieht, who am I to judge?





Ella Daum   15:21 Uhr 11.09.2015

Hallo Sam und Fabio.
Zunächst einmal möchte ich mich hier keinesfalls als Moralapostel aufspielen, mir geht es nicht um moralische Gründe: Ich bin absolut dagegen, dass Prostitution als unmoralisch oder sittlich verwerflich angesehen wird, dass käuflicher Sex tabuisiert wird.

Und ebenfalls bin ich mir auch in der Debatte nicht ganz sicher: Ich stimme euch zu, dass es bestimmt einige Frauen gibt, die der Prostitution aus freier Entscheidung nach gehen. Wie gesagt, vielleicht ist eine Legalisierung auch ein Zeichen für einen besonders liberalen und modernen Staat. Vielleicht sollte man nur das Prostitutionsgesetz verschärfen.

Um meinen Gedanken, nämlich die Verfolgung eines bestimmten Frauenbildes durch den Staat (und dieses dann wiederum den Bürgern näher zu bringen), deutlich machen habe ich auch das Betreuungsgeld angeführt.

Auch hier handelt es sich objektiv gesehen um einen finanziellen Ausgleich für Frauen, die freiwillig, aus eigener Entscheidung, zu Hause bleiben möchten und ihre Kinder betreuen wollen. Ich finde diese Entscheidung der Frauen auch absolut berücksichtigenswert und keinesfalls verwerflich. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ein Staat, der dies "offiziell" genehmigt nicht ein unmodernes Bild der Frau zeichnet.

Und sehr wohl kann der Staat darüber richten, was unzeitgemäß ist und was nicht. Früher wurde schließlich auch Untreue rechtlich verfolgt, auch dies ist nicht mehr zeitgemäß und deshalb heute nicht mehr der Fall.

Und so auch die legalen Bordellen: Wird Kindern, Jugendlichen oder auch Erwachsenen nicht ein Bild von der ewig willigen Frau geliefert?

Oder im argen Falle: Was haltet ihr von den Flatrate-Puffs in Berlin oder anderen Großstädten, die ihre Kunden mit "All you can fuck" anwerben? Auch dort sind bestimmt einige, viele Frauen freiwillig um Geld zu verdienen. Trotzdem finde ich, dass die Frau - gerade dort unter solch einem Namen - als eine Art Schnitzel gilt, vom dem man so viel haben kann wie man möchte.

Dennoch stimme ich euch zu: Wegen theoretischen Aspekten oder einer falsch verstandenen Emanzipation die Prostituierten zu gefährden, das ist natürlich nicht das Ziel meiner Überlegungen.





Sam   14:49 Uhr 11.09.2015

„Prostitution ist unzeitgemäß“

Ich frage mich, wer richtet denn darüber ob etwas unzeitgemäß ist oder nicht?

Weiterhin frage ich mich, was eine grundsätzliche Regelung über Prostitution mit der Gleichstellungsdebatte zu tun hat. Wird das Mannesbild von männlichen Prostituierten nicht beschädigt? Woraus ergibt sich der Zusammenhang mit der Kritik am Betreuungsgeld? Hier wird meines Erachtens einiges durcheinander geworfen.

„Prostitution gab es schon immer und wird es immer geben.“ Dagegen hält die Autorin, dass das für Diebstahl beispielsweise auch gelte und dieser ja unter Strafe stehe. Diesen Vergleich halte ich ebenso für unschlüssig. Ich meine dass es einen Unterschied darstellt, ob man unrechtmäßig seines Eigentums beraubt wird, oder ob man freiwillig seinen Körper verkauft. Egal wie moralisch und unmoralisch man das empfinden mag.

Mein Kommentar bezieht sich ausschließlich auf die Prostitution die freiwillig und kontrolliert stattfindet. Die kriminellen Auswüchse die Prostitution oft mit sich bringt bestreitet dabei niemand und diese gehören selbstverständlich verfolgt und streng bestraft. Aber daraus die Forderung nach einem generellen, staatlichen Prostitutionsverbot abzuleiten, setzt an der völlig falschen Stelle an. Verbotsgesetze zu fordern, aufgrund des eigenen Moralempfindens ist schwierig.





Fabio   13:56 Uhr 11.09.2015

Hallo, Ella,

gegen die Forderung des Verbots halte ich die Möglichkeit, Prostitution erlaubt zu lassen und gleichzeitig abzuschaffen. Und ich glaube, dass das die einzige Entscheidung ist, die überhaupt jemals Erfolg zeigen wird.

Du bist selbst skeptisch, ob ein Verbot jemals gelingen kann. Im nächsten Schritt der Überlegung ist aber nicht die zu erwartende Situation nach einem Verbot zu vergleichen mit der heutigen Situation, sondern jene mit einer Situation nach weiteren gesetzlichen Änderungen, die die Situation deutlich verbessert. In diesem Vergleich bin ich sicher, dass ein Verbot zu mehr Leiden führt. Dem hochgestellte moralische Überlegungen gegenüberzustellen, legt den Schwerpunkt und das Ziel der Überlegungen nicht auf das Wohlergehen der Betroffenen sondern auf eine abstrakte "Gutheit des Staates" oder des Willens derjenigen, die Politik betreiben.

Natürlich steht Prostitution selbst unter idealen Bedingungen in einem schwierigen Verhältnis zur Würde des Menschen. Wo die Würde des Menschen in höchstem Maße zu achten jedoch dazu führt, dass er größerem Leiden ausgesetzt ist, fällt die Entscheidung nicht mehr so leicht wie auf abstrakter Ebene.

Der Widerspruch kann langfristig aufgelöst werden, indem bessere gesetzliche, wirtschaftliche und soziale Bedingungen dafür sorgen, dass Prostitution weniger Leiden hervorruft. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass Prostitution weder mit einem wahrhaft guten Leben vereinbar ist noch mit der Würde des Menschen, dass aber ein Verbot zu schlimmeren Auswirkungen führt (wozu vermutlich auch die Bestrafung der Freier gehört).

Die Lösung besteht darin, erstens für die Prostituierten Alternativen in ihrem Leben anzubieten, zweitens alle Menschen dazu zu befähigen, ohne Bezahlung ein auch in sexueller und emotionaler Hinsicht gutes Leben zu führen. Es ist ja Ausdruck von Unfähigkeit und Hilflosigkeit, einen Menschen mit Geld zu bestechen, einem das zu geben, was andere Menschen selbstverständlich durch ihre innere Stärke und Fähigkeit erhalten. Diese gilt es daher in allen Menschen hervorzubringen.

Somit fällt nach einigen Jahrzehnten die Notwendigkeit der Prostitution weg - weil es in einer Gesellschaft aus sexuell und emotional erfolgreichen Menschen keine oder allenfalls geringste Nachfrage nach bezahlter Sexualität und Zuneigung gibt.

Beste Grüße
Fabio





Ella Daum   11:44 Uhr 11.09.2015

Hallo Behrang,
auch damit hast du wahrscheinlich Recht. Aber sollte ein Land das gutheißen und akzeptieren?

Auch Diebstahl wird es zum Beispiel immer geben, gab es schon immer. Schließlich ist es ja schöner etwas zu nehmen als es zu bezahlen. Aber bestraft wird es trotzdem. Weil es höherrangige Interessen gibt, die ein Staat schützen muss als die Lust des einzelnen sich einfach etwas nehmen zu können. Ich finde, bei der Prostitution sollte das Gleiche gelten.

Ist es nicht egoistisch und ekelhaft, dass manche ihre "Machtgelüste" auf Kosten anderer ausleben dürfen sollen? Solle ein Staat solche Machtgelüste wirklich fördern oder anerkennen? Ich denke nein.





Behrang   11:22 Uhr 11.09.2015

Prostitutions hat die Menschheit in der einen oder anderen Form schon immer begeitet, denn wo es Menschen, menschengemachte Tabus und die Möglichkeit einer wie auch immer geareteten Bezahlung gibt, da gibt es Leute, die Fantasien und Machtgelüste ausleben wollen ohne das es gleich jeder weiss.
Deshalb denke ich, dass Prostitution in irgendeiner Form auch bis ans Ende der Menschheit existieren wird.



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