PKK
Der Gewinner ist der IS

Die Bekämpfung des IS scheint für die türkische Regierung ein Vorwand zu sein, um die erneute Gewalt gegen die PKK zu rechtfertigen. Ein Kommentar von HANNAH KÖHLER



Am 26. Juli 2015 kam es erneut zu einem Anschlag seitens der PKK, bei dem zwei türkische Soldaten getötet und mehrere Zivilisten verletzt wurden. Dies war die Reaktion auf den Luftangriff, der einige Tage zuvor gegen die Terrormiliz IS gestartet wurde und der auch ein Lager der PKK im Nordirak traf. Dieser Angriff scheint ein Vergeltungsschlag der Türkei gegen die PKK zu sein, die im Vorfeld einen Anschlag auf zwei türkische Polizisten verübt hatte – das alles trotz des 2013 geschlossenen Friedensabkommens.

Dass dies möglich ist, zeigt die türkische Regierung dadurch, dass sie mit den Kurden im Irak gemeinsam gegen den IS kämpft und sie als Verbündete betrachtet. Nun sollen die Kurden auch noch im Iran gemeinsam mit der Türkei gegen die PKK kämpfen.1 Warum aber hat die Türkei so viel Angst vor den Kurden im eigenen Land?

Die PKK ist die marxistisch ausgerichtete "Arbeiterpartei Kurdistans". Sie hat ihren Ursprung in den alten Siedlungsgebieten der Kurden auf türkischem Territorium und kämpft seit 1984 für die Freiheit der Kurden. Aus einer kleinen Rebellengruppe entwickelte sich eine gut organisierte Untergrundorganisation, die militante und terroristische Angriffe auf türkische Soldaten und die Zivilbevölkerung begeht.2

Immer wieder verübte die PKK Bomben- und Selbstmordattentate, bei denen etliche türkische Zivilisten und Soldaten getötet wurden. Die türkische Armee schlug mit aller Härte zurück, indem sie ganze Dörfer anzündete und keinen Unterschied mehr zwischen PKK-Kämpfern und kurdischen Zivilisten machte. Wiederkehrende Friedensverhandlungen werden oft von militanten PKK-Anhängern verhindert.

Parlamentarischer Sieg provoziert Angriff
Liegt es wirklich nur an den Rachegedanken oder spielen auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle dabei, dass die Türkei ihre Angriffe auf die PKK wieder aufgenommen hat? Schließlich gibt es im Siedlungsgebiet der Kurden, das in etwa so groß wie Deutschland ist und sich über Teile der Türkei, des Iraks, Irans und Syrien erstreckt, große Ölvorkommen, die sich die jeweiligen Regierungen ungern mit anderen teilen möchten.

Die politische und gesellschaftliche Unterdrückung gipfelte darin, dass dem kurdischen Volk seine Kultur und Sprache verboten wurde. Die türkische Regierung bewegt sich keinen Millimeter auf die Kurden zu. Eine Kommunikation ohne Gewalt findet nicht statt, trotz der jüngsten Wahlen im Juni 2015:

Recep Tayyip Erdogan hat bei der letzten Wahl seine absolute Mehrheit im türkischen Parlament verloren – ein herber Schlag für ihn. Die Wähler, die gegen ihn gestimmt hatten, haben sich der prokurdischen Partei HDP zugewandt, die jetzt zum ersten Mal Sitze im Parlament erhielt. Nun ist der Präsident der Türkei mit einer Situation konfrontiert, die ihn scheinbar überfordert und anstatt sich konstruktiv mit den Kurden auseinanderzusetzen, wird nun die PKK erneut bombardiert.

24 Millionen Staatenlose
Sicherlich sind Kurden und vor allem die PKK nicht schuldlos an den Konflikten und nicht nur als Opfer zu sehen. Doch ihre jahrtausendealte Geschichte beweist, dass sie von jeher Anfeindungen und Unterdrückungen ausgesetzt waren und stets als das Volk ohne eigenen Staat bestehen mussten.

Die Türkei bekam nach der Auflösung des Osmanischen Reiches 1923 einen eigenen Staat, während die Kurden in dieser Hinsicht benachteiligt wurden. Sie verloren die Autonomiezugeständnisse, die ihnen Atatürk gewährt hatte, damit die Kurden im Unabhängigkeitskrieg an seiner Seite kämpften.

Die Kurden sind heute ein Volk von circa 24 Millionen Menschen, die keinen eigenen Staat besitzen. Sie haben aber seit März 1970 eine autonome Region, Kurdistan mit der Hauptstadt Erbil, im Nordirak.

Mittlerweile haben sich viele Kurden in der Türkei von der Forderung nach einem eigenen Staat verabschiedet und wünschen sich nur noch ihre Anerkennung durch die Regierung und die Wahrung ihrer Kultur und Sprache. Der Islam selbst und die türkische Sprache sind um einige Jahrhunderte jünger als die kurdische Kultur und ihre Sprache.

Nun gehen die Angriffe auf beiden Seiten weiter und die Türkei und die PKK haben den Friedensprozess für beendet erklärt. Der einzige Gewinner in dieser Situation ist der IS, der nun von zwei Feinden weniger beachtet wird.




20.08.2015

Schreiben Sie einen Kommentar


Vorname: *
Nachname:
E-Mail: *
Ihr Kommentar: *
CAPTCHA


1 - 1

Kommentare


Haci Akbay   20:11 Uhr 26.09.2015

Also Frau Anna Köhler ,
Wissen Sie überhaupt was Sie da von sich gegeben haben?
Ihr Forschungsschwerpunkt ist die DDR und ich rate ihnen auch es dabei zu belassen .
Was Sie da Inhaltlich zu diesem Thema berichten ist noch schlimmer als die von de Mainstream Medien !
Als erstes sollten Sie und auch der Rest Westlichen Medienlanschafft jetzt mal endgültig auf hören den Türkischen Premierminister Erdogan immer mit negativen Berichten in Verbindung zu bringen .Er ist vom Volk gewählt in Deutschland währe froh so eienen Politiker zu haben der nicht nur nach der Pfeiffe der Amis Tanzt



1 - 1
AUTOR/IN

ÄHNLICHE ARTIKEL

  1. Vorurteile 6 wahre Vorurteile über Thüringen

  2. Vorurteile 6 wahre Vorurteile über Nordrhein-Westfalen

  3. Vorurteile 6 wahre Vorurteile über Österreich

  4. Präsidentschaftswahl in El Salvador Gangs, Korruption und die Hoffnung auf Neuanfang

  5. Machtkampf in Venezuela Maduro oder Guaidó?



ÄHNLICHE KARTEN















© 2019 Katapult gUG (haftungsbeschränkt)