Das Spiel mit der Angst
Sinn und Unsinn der Polizeilichen Kriminalstatistik

Die AfD meint, Deutschland hat laut Polizeilicher Kriminalstatistik ein Gewalt- und Sicherheitsproblem. Das ist falsch. Denn im langjährigen Vergleich blieb die Gewaltkriminalität in fast allen Bereichen nahezu gleich hoch, teilweise ist sie sogar rückläufig. Es gibt also keine Rechtfertigung für Panik. Von Marc Birkhölzer

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In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden sämtliche im Vorjahr angezeigten Straftaten erfasst, die zur Staatsanwaltschaft gelangen und Ermittlungen zur Folge haben.1 Die Statistik zeigt auch an, ob es sich beim Täter um einen Deutschen oder einen Ausländer handelt. Für die Auswertung und die Schlussfolgerungen birgt das jedoch zahlreiche Fallstricke. Diese zu kennen, ist auch deshalb wichtig, weil Rechtspopulisten die PKS immer wieder missbrauchen, um mit scheinbar objektiven Fakten Stimmung gegen Migranten zu machen. Grund genug, ganz genau hinzuschauen und die Probleme der PKS zu beleuchten.

Grundsätzlich erfasst die PKS nur jene Straftaten, die auch zur Anzeige gebracht wurden: das sogenannte Hellfeld. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bereitschaft der Bevölkerung, Straftaten anzuzeigen, in den vergangen Jahren größer geworden ist.2 Dadurch tauchen in der PKS heute automatisch mehr Straftaten auf als beispielsweise noch vor zwanzig Jahren - unabhängig davon, ob auch tatsächlich mehr Straftaten verübt wurden. Denn die PKS schließt all jene Straftaten aus, die zwar begangen, aber nicht zur Anzeige gebracht wurden: Diese zählen zum Dunkelfeld.
 

Ein weiteres Problem ist, dass Verdachtsmomente automatisch in der PKS erscheinen, wenn die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat - selbst wenn sich im Zuge der Ermittlungen herausstellen sollte, dass der Straftatbestand gar nicht oder anders gegeben war. So wird schnell klar, dass es sich bei der PKS um eine Tatverdächtigen- und nicht um eine Täterstatistik handelt. Denn die eigentliche Täterschaft kann erst mit Abschluss der Ermittlungen geklärt werden, was für die PKS jedoch unerheblich ist.

Es spielt also auch der Faktor Zeit eine Rolle. Denn die Registrierung einer Straftat in der PKS erfolgt bei Abgabe des Vorgangs an die Staatsanwaltschaft. Die Aktualität der PKS wird daher durch Straftaten mit langer Ermittlungsdauer gemindert. Das führt dazu, dass ein Viertel der in der PKS 2016 erfassten Straftaten bereits im Jahr 2015 oder früher verübt wurden.

Diese Probleme sind auch den Verfassern der PKS bewusst. Sie stellen den Berichten daher folgende Leseanleitung voran: "Die PKS bietet somit kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität." Diese Aussage wird in der öffentlichen Diskussion jedoch gerne übergangen, um die PKS für politische Zwecke zu missbrauchen.

Warum die Unterscheidung Ausländer versus Deutsche sinnlos ist
Weil die PKS ausländische Tatverdächtige gesondert betrachtet, wenden Medien und Politik ihre Aufmerksamkeit oft pauschal auf die Gefährdung durch "Ausländer". Doch hier ist Vorsicht geboten. Denn betrachten wir die PKS genauer, werden zahlreiche Verzerrungen deutlich. Es ist daher unmöglich, ein realitätsgetreues Bild der Kriminalitätsbelastung durch Ausländer darzustellen.

In der PKS ist jeder tatverdächtige Mensch, der keinen deutschen Pass hat, ein Ausländer. Dieser Unterpunkt ist weiter aufgeschlüsselt in legale oder illegale Aufenthalte. Die ausländischen Tatverdächtigen mit legalem Aufenthaltsstatus sind weiter aufgeschlüsselt in Touristen, Arbeitnehmer, Schüler/Studenten, Asylbewerber und Sonstige. In der öffentlichen Berichterstattung und in der öffentlichen Wahrnehmung wird diese in der PKS enthaltene Differenzierung meist nicht weiter berücksichtigt. Es werden dann nur ausländische Tatverdächtige inländischen Tatverdächtigen gegenübergestellt, häufig mit dem Resultat, dass Ausländer pauschal als krimineller dargestellt werden als Deutsche.

Doch selbst wenn man der groben Unterteilung der PKS folgt, bleibt festzustellen, dass genaue Rückschlüsse über den Status der ausländischen Tatverdächtigen nur bedingt möglich sind. So ist zum Beispiel die Gruppe Sonstige häufig die zahlenmäßig am stärksten vertretene in der PKS. Und selbst die Gruppe der Asylbewerber ist nur scheinbar genau. Asylbewerber ist jeder, der einen Asylantrag gestellt hat, unabhängig davon, ob diesem stattgegeben wird oder nicht, und die meisten Geflüchteten sind "illegal", bevor sie einen Asylantrag gestellt haben.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden auch Menschen mit Migrationsgeschichte als Ausländer bezeichnet, obwohl deren Familien teilweise schon viele Generationen in Deutschland leben. Das ist entscheidend, denn somit werden in der öffentlichen Debatte oft auch solche Menschen der Kategorie "Ausländer" zugeordnet, die in der PKS damit gar nicht gemeint sind.

Wissenschaftliche Studien haben eine "ethnische Selektivität" im Anzeigeverhalten und in der Wahrnehmung von potentiellen Bedrohungen erkannt: nichtdeutsche Täter werden verhältnismäßig häufiger angezeigt als deutsche.3 Diese Selektivität schlägt sich auch in der Polizeiarbeit nieder. So beschreibt der "Tatverdacht- und Kontrolleffekt", dass auch Polizisten davon ausgehen, dass Nichtdeutsche krimineller sind als Deutsche. Aufgrund dieses Vorurteils werden Nichtdeutsche eher verdächtigt und in eventuell verdächtigen Situationen häufiger kontrolliert beziehungsweise als verdächtig eingestuft. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, als Nichtdeutscher tatverdächtig zu werden - also in der PKS aufzutauchen - größer als bei Deutschen. Bei Ausländern ist daher das Hellfeld, bei Deutschen das Dunkelfeld größer.4

Angesichts dieser Faktoren ist es unmöglich, ein tatsächliches Bild der Kriminalitätsbelastung durch Ausländer darzustellen. Wer das dennoch tut und eine generell höhere Kriminalitätsbelastung durch Ausländer behauptet und diese für politische Zwecke einsetzt, der hetzt gegen Ausländer - bewusst oder unbewusst. Dabei sollten wir uns fragen, ob es überhaupt relevant ist, ob ein Täter deutsch oder nichtdeutsch ist. Ist eine Straftat besser oder schlechter, schlimmer oder weniger schlimm, je nachdem, von wem sie begangen wird?

Gewaltkriminalität nicht angestiegen
Würde man anhand der Zahlen der PKS festmachen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, Opfer einer Straftat zu werden, so müssten wir uns in Deutschland heute so sicher fühlen wie selten in der deutschen Geschichte. Das belegt die allgemeine Entwicklung von Gewaltdelikten seit 1993.5 Im Bereich der Straftaten, die tatsächlich eine Gefahr für Leib und Leben darstellen wie Mord, Raub und Sexualdelikte, oder derjenigen, die das eigene Sicherheitsgefühl beeinflussen wie Diebstahl und Einbruch, offenbart sich - losgelöst von der Herkunft der Tatverdächtigen - ein differenzierteres Bild.6
 

Die Anzahl der angezeigten Mordfälle ist seit 1993 kontinuierlich gesunken, von 1.299 auf 716 im Jahre 2016. Es wird weniger häufig in Wohnungen eingebrochen. 1993 wurden noch 227.090 Einbrüche angezeigt, 2016 waren es 151.265. Ähnliches gilt für Diebstähle: 1993 wurden insgesamt 4.151.087 Diebstähle zur Anzeige gebracht. Diese Zahl sank bis 2010 kontinuierlich auf 2.301.786 angezeigte Fälle und ist seitdem weitestgehend konstant (2016: 2.373.774).

Scheinbar gestiegen ist dagegen die Anzahl der Vergewaltigungen. 1993 wurden 6.373 Fälle angezeigt, 2016 waren es 7.919. Allerdings wurde erst 1997 die "Vergewaltigungen in der Ehe", die zuvor nur als sexuelle Nötigung angezeigt werden konnte, in den Straftatenkatalog aufgenommen. Bemerkenswert ist außerdem, dass die meisten Vergewaltigungen in der Zeit von 2000 bis 2006 zur Anzeige gebracht wurden. Dasselbe gilt für die sexuelle Nötigung beziehungsweise für alle Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Es ist außerdem davon auszugehen, dass Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung immer häufiger zur Anzeige gebracht werden.7 Wenn aber immer mehr Fälle zur Anzeige gebracht werden, die Zahl der angezeigten Fälle in der PKS seit 2004 jedoch kontinuierlich sinkt, so ist davon auszugehen, dass Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt seltener geworden sind. 
 

Gestiegen ist die Anzahl von angezeigten Rohheitsdelikten. Dazu zählen alle Arten von Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung, sowie Nachstellung (Stalking). Während 1993 noch 461.029 solcher Fälle zur Anzeige gebracht wurden, waren es 2016 bereits 815.709, also fast doppelt so viele. Im Vergleich zu 2009 (797.218) ist das jedoch kein großer Unterschied. Davon macht allein die vorsätzliche einfache Körperverletzung einen immensen Anteil aus. Hier waren es 181.169 angezeigte Fälle 1993 und 406.038 im Jahr 2016.
 

Die Anzahl der Straftaten gegen die persönliche Freiheit allein (dazu zählen unter anderem Freiheitsberaubung, Bedrohung und Nachstellung) stieg von 1993 (104.267) bis 2006 (166.282) kontinuierlich an. 2007 nahm die Fallzahl sprunghaft zu und blieb dann bis 2016 (199.250) weitgehend konstant. Der Hauptgrund für diesen Anstieg war, dass Nachstellung (Stalking) 2007 in den Straftatenkatalog aufgenommen wurde und erst seither angezeigt werden kann.

Die Gesamtzahl der Gewaltdelikte im weiteren Sinne, also sämtliche Straftaten gegen das Leben, gegen die sexuelle Selbstbestimmung und alle Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, sind seit 1993 weitgehend kontinuierlich gestiegen, von insgesamt 510.344 angezeigte Fälle auf 866.352 im Jahre 2016. Im Jahr 2008 waren es 851.422 angezeigte Fälle, im Jahr 2009 849.571. Der größte Anteil dieses Anstiegs geht auf das Konto der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung; Mord und Totschlag sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind insgesamt rückläufig. Dasselbe gilt für Raubüberfälle sowie alle Arten des Diebstahls und für Wohnungseinbrüche.


Wer also 2008 und 2009 nicht besonders viel Angst vor gewalttätigen Übergriffen hatte, hätte heute auch keinen Grund dazu.

Die selbsterfüllende Prophezeiung?
All diese Umstände müssen beachtet werden, um die Kriminalitätsbelastung zu verstehen. Zunächst einmal ergibt es wenig Sinn, die Anzahl gemeldeter Straftaten von einem auf das nächste Jahr miteinander zu vergleichen. Sinnvoller ist es, wie der Blick auf die PKS seit 1993 zeigt, die Entwicklung über mehrere Jahre zu analysieren.

Das Problem ist jedoch, dass das empfundene Sicherheitsgefühl solche Belege ignoriert. In einer repräsentativen Umfrage, die in den Jahren 2004, 2006 und 2010 durchgeführt wurde, gab die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung jeweils an, dass es in der Gegenwart gefährlicher sei als früher (2004: 94,1 Prozent der Befragten, 2006: 93,9 Prozent, 2010: 87,3 Prozent) - und es in Zukunft auch noch gefährlicher werden wird (2010: 77,9 Prozent der Befragten). Drei Viertel der Befragten waren zudem der Meinung, dass die "Ausländerkriminalität" in Zukunft steigen werde - allen anderslautenden Untersuchungen zum Trotz.

Auf das Sicherheitsempfinden haben auch die Medien einen großen Einfluss. Über Verbrechen und Kriminalität wird viel berichtet, da es die Leser interessiert und den Verkauf steigert. Hinzu kommt, dass "über Einwanderer besonders häufig in negativen Zusammenhängen berichtet wird".8 Je größer der Einfluss solcher Berichterstattung ist, desto stärker wird die Kriminalitätsbeteiligung von Ausländern überschätzt, und desto häufiger wird auch die harte Bestrafung von Migranten gefordert. Solche Verallgemeinerungen und Rückschlüsse hinsichtlich der Kriminalität von Ausländern sind jedoch nach gegenwärtigem Forschungsstand "unzutreffend und in ihrer vorurteilsschürenden Wirkung daher umso problematischer".9

Warum wird die "Ausländerkriminalität" also immer wieder besonders betont? Vielleicht weil es leichter ist, und sich besser anfühlt, eine "fremde" Gruppe von Menschen zu beschuldigen. Dann kann sich die eigene Gruppe "reiner" und "unschuldiger" fühlen, denn man kann "das Böse" außerhalb verorten. Außerdem lassen sich daraus vermeintliche Lösungsansätze ableiten, die das eigene Sicherheitsgefühl steigern, zum Beispiel indem man Einreisestopps oder Abschiebungen fordert - "Lösungsansätze", die man nicht hat, wenn es sich bei den Tatverdächtigen um "Deutsche" handelt.

Die AfD schreibt in ihrem Grundsatzprogramm: "Die innere Sicherheit in Deutschland nimmt immer mehr ab. [...] Wir wollen einen klaren Systemwechsel hin zu Behörden die zu einem maximalen Schutz der Bürger in der Lage sind: Ausländerbehörde, Polizei und Strafverfolgung."10

Die AfD Baden-Württemberg schreibt in ihrem Landtagswahlprogramm von 2016: "[...]die Kriminalitätsstatistiken belegen objektiv, dass der öffentliche Raum deutlich unsicherer geworden ist."11 Verbindet man all die genannten Punkte, so ergibt sich ein Teufelskreis der Angst: Ein Großteil der Deutschen ist davon überzeugt, dass es in Deutschland immer gefährlicher wird, und verbinden diese Gefahr insbesondere mit nichtdeutschen Menschen. Wenn dann tatsächlich mehr Nichtdeutsche im Land sind, die man täglich sieht oder über die täglich in den Medien berichtet wird, dann trauen sich diese Menschen irgendwann nicht mehr vor die Tür.

Diese von der Realität entkoppelte Wahrnehmung, die bisweilen einer Art "apokalyptischer Endzeitstimmung" gleicht, wird von einigen Parteien im Wahlkampf befeuert. Und die anderen Parteien machen mit. Denn mit dem Thema Sicherheit lässt sich in einem Land, in dem augenscheinlich die Furcht grundsätzlich groß und die vor "dem gewalttätigen Ausländer" noch größer ist, hervorragend auf Stimmenfang gehen. So konkurrieren Parteien und Politiker als Beschützer und Heilsbringer. Die Verlierer sind Menschen mit Migrationsgeschichte, wenn mit dem Trugbild des gefährlichen "Ausländers" rassistische Politik betrieben wird.

Marc Birkhölzer ist Mitglied der Initiative Kleiner Fünf



[1] Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2016, Berlin 2017, URL: www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2017/pks-2016.pdf?__blob=publicationFile.
[2] Baier, Dirk u.a.: Kriminalitätsfurcht, Strafbedürfnisse und wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung. Ergebnisse von bevölkerungsrepräsentativen Befragungen aus den Jahren 2004, 2006 und 2010, Hannover 2011. (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V., Forschungsbericht Nr. 117), URL: kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_117.pdf.
[3] Informationsund Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Überblick, Düsseldorf (14)2008, H. 1, URL: www.ida-nrw.de/cms/upload/download/pdf/Ueberblick_1_08.pdf.
[4] Weilbächer, Florian: Ausländerkriminalität - Wie kriminell sind Ausländer wirklich?, auf: strafrecht-wi.de (2.9.2015), URL: www.strafrecht-wi.de/auslaenderkriminalitaet/.
[5] Bundesministerium des Innern: PKS 2016 - Zeitreihen Übersicht Falltabellen, auf: bka.de (24.4.2017), URL: https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2016/Zeitreihen/zeitreihenFaelle.html.
[6] Vorweg muss gesagt werden, dass in der PKS darauf hingewiesen wird, dass die Daten ab 2013 nicht mit den Daten von den Jahren zuvor verglichen werden können. Ab 2013 bilden die Zahlen der Volkszählung von 2011 die Grundlage der PKS. Zuvor basierten diese Daten auf Schätzungen - die Bevölkerungszahl wurde dabei jedoch chronisch etwas zu hoch eingeschätzt. Da hier nur absolute Zahlen betrachtet werden und nicht die Fälle/100.000 Einwohner, ist es für die Zusammenstellung jedoch irrelevant.
[7] O. A.: Studie zur sexuellen Gewalt. Prozesse wegen Vergewaltigung enden immer öfter ohne Urteil, auf: faz.net(17.4.2014), URL: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/studie-zu-vergewaltigungen-chance-auf-verurteilung-gesunken-12900007.html.
[8] Walburg, Christian: Migration und Jugenddelinquenz. Mythen und Zusammenhänge, Berlin 2014, URL: mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Gutachten_Kriminalitaet_Migration_Walburg.pdf; o. A.: Medien haben gewalttätigen Ausländer als Angstfigur neu entdeckt. Medienmagazin journalist stellt Ergebnisse einer aktuellen Studie zur Berichterstattung über Geflüchtete und Zuwanderer vor, auf: presseportal.de (31.7.2017), URL: http://www.presseportal.de/pm/20126/3697216.
[9] Walburg, Christian: Migration und Jugenddelinquenz. Mythen und Zusammenhänge, Berlin 2014, URL: mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Gutachten_Kriminalitaet_Migration_Walburg.pdf.
[10] Programm für Deutschland. Das Grundsatzprogramm der AfD, S. 44.
[11] Landtagswahlprogramm 2016 der AfD Baden-Württemberg, S. 8.



07.08.2017

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Kommentare


Dirk   16:04 Uhr 14.08.2017

Ich habe mir das Katapult-Magazin auf Empfehlung am Kiosk gekauft und dachte: Echt cool, endlich ein Magazin, dass sich den wissenschaftlich nachprüfbaren Fakten verschreibt und diese gut aufbereitet präsentiert. Leider bin ich nach der Lektüre meines ersten Artikels „Sinn und Unsinn der Polizeilichen Kriminalstatistik“ doch etwas konsterniert.

Über folgende Dinge bin ich beim Lesen gestolpert:

1. Grafik Rohheitsdelikte in Dt. insgesamt: Hier wurde die Skalierung geändert, ohne dass das im Text Erwähnung findet oder (wie ich es mal in der Schule gelernt habe) die Skala unterbrochen wurde; das ist aus meiner Sicht bei einer Verhältnisskala mindestens ein grober handwerklicher Schnitzer, da dadurch z.B. die Verdoppelung der einfachen Körperverletzungen überhaupt nicht erkennbar wird.

2. Ich habe mir zuerst die Grafiken angeschaut und war über den Anstieg der Gewalt schon recht erstaunt, noch erstaunter war ich allerdings als im Text im Grunde das Gegenteil aus den Grafiken interpretiert wurde, mit einer für mich nicht nachvollziehbaren Argumentation.

3. Dafür verliert sich der Text in Ausführungen zur Ausländerkriminalität – die nun wiederum nirgendwo mit Daten belegt wird. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Ausländerkriminalität überhaupt thematisiert wurde; wenn schon, sollten die Daten aber auch entsprechend zur Verfügung gestellt werden.

4. Man weiß ja von anderen amtlichen Statistiken (Arbeitslosenstatistik), das die Erfassung brisanter Daten, naja, sagen wir mal, „komplex“ ist. Es ist also schwer zu sagen, wie verlässlich die Zahlen der PKS sind. Der Artikel geht darauf zwar ein, unternimmt aber keinen Versuch, die Zahlen der PKS zu verifizieren/falsifizieren. Es wäre toll gewesen, wenn andere Quellen zur Plausibilisierung herangezogen worden wären (z.B. Versicherungsstatistiken zu Einbrüchen, Krankenhausstatistiken, Anzahl Inhaftierter, …)

5. 5. Zum Schluss noch ein Wunsch/Vorschlag: Es ist super, dass am Ende alle Quellen angegeben werden. Vielleicht könnte der Autor zusätzlich die Rohdaten der PKS als Excel-File etc. zur Verfügung stellen – dann könnte man sich selbst einfacher ein Bild machen.

Wie gesagt, das war mein erster Artikel und ich finde die Idee Eures Magazins viel zu gut um darauf nicht zu reagieren. Ich denke, genau so etwas braucht die „postfaktische“ Welt in den Zeiten von Facebook und Fake News.





Tutnix Zursache   01:15 Uhr 14.08.2017

Zwei kleine Anmerkungen:

Im zweiten Absatz steht

\"Die Statistik zeigt auch an, ob es sich beim Täter um einen Deutschen oder einen Ausländer handelt.\"

Das sollte korrigiert werden, denn genau das zeigt sie eben nicht an, wie im weiteren Text auch richtig erklärt.

Im vierten Absatz steht:

\"Denn die eigentliche Täterschaft kann erst mit Abschluss der Ermittlungen geklärt werden, was für die PKS jedoch unerheblich ist.\"

Das ist nicht richtig. Einzig ein Gericht kann die Täterschaft (oder Unschuld) feststellen. Zuerst muss der Tatverdächtige mal zum Beschuldigten werden, der dann ggf. zum Angeklagten wird und am Ende des Verfahrens vielleicht zum Täter. Der Abschluss der Ermittlungen ist erstmal nur der hilfreich für die Staatsanwaltschaft, um zu überlegen, ob denn überhaupt anklagt werden soll.





Jürgen   08:38 Uhr 13.08.2017

Wer mit offenen Augen und Ohren durch Deutschland geht, braucht keine Kriminalstatistik!





Alex   15:54 Uhr 11.08.2017

@Marc: Ich verstehe deine Argumentation und die Absicht dahinter, aber ich halte sie ehrlich gesagt für kontraproduktiv.

Zwei provokante Fragen:
1) Würden die Zahlen ausweisen, dass Nichtdeutsche weniger häufig tatverdächtig sind als Deutsche, würdest du dann auch dafür plädieren, hier keine Unterscheidung vorzunehmen?
2) Wäre es demzufolge nicht auch sinnvoll, rechte und linke Kriminalität nicht mehr getrennt zu erfassen und allgemein nur noch von \"politisch motivierten Vergehen\" zu sprechen?

Die Unterscheidung Deutsch-Nichtdeutsch geschieht ja nicht zum Spaß oder aus Rassismus, sondern weil sich aus den Zahlen Fragen und Folgerungen zur Einwanderungs-
und Integrationspolitik ergeben.

Klar sind Hautfarbe und Herkunft nicht Letztursache von Kriminalität. Aber aus dem (korrekten) Verweis auf den sozioökonomischen Hintergrund ergibt sich doch die Frage, weshalb unsere Einwanderungspolitik dazu führt, dass Personen mit sozioökonomisch bedingt höherer Kriminalitätsneigung nach Deutschland kommen.

In den USA scheint es umgekehrt zu sein; dort sind Einwanderer wohl prozentual weniger straffällig:
https://www.nytimes.com/2017/01/26/us/trump-illegal-immigrants-crime.html

Also: Es geht nicht darum, ob \"die Ausländer\", \"Nichteuropäer\", whatever von Natur aus kriminell sind. Es geht um die Frage, weshalb die in Deutschland lebende Gruppe der Zuwanderer sozioökonomisch oder kulturell oder ... so zusammengesetzt ist, dass sie in der PKS häufiger vertreten sind.

Insofern wird aus der sozioökonomischen Argumentation doch recht schnell ein Bumerang, weil sie letztlich auf eine verfehlte Einwanderungspolitik verweist.

Aber das Fass müssen wir hier nicht auch noch aufmachen :)





Marc Birkhölzer   10:24 Uhr 11.08.2017

Lieber Alex, das stimmt. Ich wollte auch nicht unterstellen, dass Du generell rassistisch bist. Du hast Recht, dass es wichtig ist nicht gleich die Rassismus-Keule zu schwingen, aber die Sprache und sprachliche Neigung der meisten Menschen ist vorurteilsbeladen und rassistisch geprägt, da ist es sinnvoll, wenn man schon explizit nicht rassistisch sein will, hier auch sprachlich Vorsicht walten zu lassen.
Das Ziel der Betrachtung war eben explizit den Unterschied Deutsch/ Nicht-Deutsch rauszulassen, die Begründung dafür liefert ja der Text. Das Risiko angezeigt zu werden ist als Nicht-Deutscher höher, das Risiko von der Polizei (aufgrund von Racial Profiling) kontrolliert zu werden ist größer, außerdem sind überproportional viele junge Männer mit schlechtem sozioökonomischem Status aus Städten unter den Nichtdeutschen enthalten, eine Gruppe, die am häufigsten Straftaten begeht - unabhängig von der Herkunft. Dieselbe Gruppe (junge Männer mit niedrigem sozioökonomischem Status aus Städten) ist auch unter den Deutschen die mit dem höchsten Risiko in der PKS aufzutauchen.





Frank   13:50 Uhr 09.08.2017

Eine Anmerkung: Die Grafik \"Rohheitsdelikte\" in Deutschland ist schon ziemlich irreführend, wenn man sich die Y-Achse anschaut: Erst 50.000-Schritte, dann auf einmal 150.00-Schritte. Wie der Text selbst sagt, müsste die einfache Körperverletzung sich mehr als verdoppeln, tut sie in der Grafik nicht.

Das ändert freilich wenig am Gesamttext, aber so was muss ja nicht sein.





Alex   13:03 Uhr 09.08.2017

Kleiner Nachtrag: Meiner bescheidenen Erfahrung nach gibt es zwei sinnvolle Mittel gegen Rassismus und Rechtspopulismus.

1) Bei abweichenden Meinungen nicht sofort mit den Totschlagargumenten \"Rassist\", \"Rechts\", \"Populist\" und \"Nazi\" argumentieren. Wer die Sachebene verlässt, kann nicht überzeugen.

2) Ehrlicher Umgang mit Zahlen, Daten und Fakten. Klar kann ich hingehen und alle Unzulänglichkeiten der PKS aufzeigen und am Ende ist das mit der Kriminalität durch Nichtdeutsche alles gar nicht so schlimm.

Dann kommt aber irgendein NPD-Typ um die Ecke und \"analysiert\" mal genau die Daten zu rechten Straftaten und Anschlägen auf Flüchtlingsheime und kommt mit den richtigen Grafiken und Interpretationen zu dem Schluss, dass ja die meisten Straftaten nur das Zeigen von Symbolen sind und es ja deutlich weniger Verletzte durch Brandanschläge als durch islamistischen Terror gibt (ich spinne jetzt mal, k. A. was die Zahlen sagen).

Was ich damit sagen will: Grade wenn man gegen Rechts ist, sollte man auch die unangenehmen Fakten zur Kenntnis nehmen und sich nicht in Relativierungen ergehen. Letztlich geht es doch nicht darum, dass wir uns moralisch überlegen fühlen, sondern um konkrete Lösungen. Die kriege ich nicht, wenn ich Probleme wegdiskutiere.





Alex   12:30 Uhr 09.08.2017

@Marc: Mit deiner - sorry, im Internet duze ich eigentlich immer - Definition von Rassimus gehe ich konform.

Aber die ist hier nicht einschlägig. Aus der PKS lässt sich herauslesen, dass bestimmte Gruppen häufiger straffällig werden als andere. Dazu gehören Männer, junge Menschen und Nichtdeutsche.

Jemandem Rassismus zu unterstellen, weil er anhand der Zahlen eine höhere Kriminalitätsneigung bei Nichtdeutschen herausliest, wäre das gleiche, jemandem Sexismus zu unterstellen, weil er darauf hinweist, dass Männer häufiger straffällig werden.

Rassismus: Der Typ ist dunkelhäutig --> muss also ein Verbrecher sein.

Nicht Rassismus: Nichtdeutsche sind in PKS überrepräsentiert --> Welche Faktoren können dafür verantwortlich sein?

Sinnlos: PKS weist bestimmte Häufigkeiten aus --> völlig egal, PKS ist mangelhaft, vor 50 Jahren war es noch viel schlimmer.

;)





Marc Birkhölzer   10:40 Uhr 09.08.2017

@Alex \"Gerade im Hinblick auf die Kriminalitätsneigung mancher Zuwanderergruppen [...] Das hat meines Erachtens nichts mit Rassismus [...] zu tun.\" --> Das ist die Definition von Rassismus. Man unterstellt einer Menschengruppe aufgrund ihrer Herkunft eine negative Eigenschaft. Ob Sie das nun so erachten wollen oder nicht.

@Christian131 die Zeit seit 1993 ist nicht völlig willkürlich gewählt, sondern schlichtweg deswegen, weil es erst seit dem eine Gesamtdeutsche PKS gibt. Das nebeneinander Aufführen unterschiedlicher Inhalte führt nicht dazu, dass diese gleichgesetzt werden.

Der Grundtenor des Artikel ist, dass es in Deutschland schon Zeiten mit mehr angezeigten, sicherheitsrelevanten Straftaten gab als heute. Insbesondere auch im Bereich der Sexualdelikte. Aus diesem Grund ist Panikmache zum aktuellen Zeitpunkt einfach nicht gerechtfertigt, unabhängig von der Herkunft der Tatverdächtigen. Außerdem sind doch sehr detailliert aufgeschlüsselt, warum mehr ausländische Tatverdächtige in der PKS auftauchen, und dass das nicht zwangsläufig mit einer tatsächlich höheren Kriminalitätsbelastung durch Ausländer zusammenhängt. Wer dennoch behauptet zu wissen, dass \"Ausländer\" per se krimineller sind, der basiert seine Argumentation auf Medienberichten und gefühlter Wahrnehmung. Und auch warum das gefährlich und nicht objektiv ist, wird im Artikel detailliert dargestellt.





wolfgang   00:09 Uhr 09.08.2017

In Hamburg sind über 50% der Verbrecher Ausländer obwohl sie nur 10% der Bevölkerung sind.



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