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Dirk   16:04 Uhr 14.08.2017

Ich habe mir das Katapult-Magazin auf Empfehlung am Kiosk gekauft und dachte: Echt cool, endlich ein Magazin, dass sich den wissenschaftlich nachprüfbaren Fakten verschreibt und diese gut aufbereitet präsentiert. Leider bin ich nach der Lektüre meines ersten Artikels „Sinn und Unsinn der Polizeilichen Kriminalstatistik“ doch etwas konsterniert.

Über folgende Dinge bin ich beim Lesen gestolpert:

1. Grafik Rohheitsdelikte in Dt. insgesamt: Hier wurde die Skalierung geändert, ohne dass das im Text Erwähnung findet oder (wie ich es mal in der Schule gelernt habe) die Skala unterbrochen wurde; das ist aus meiner Sicht bei einer Verhältnisskala mindestens ein grober handwerklicher Schnitzer, da dadurch z.B. die Verdoppelung der einfachen Körperverletzungen überhaupt nicht erkennbar wird.

2. Ich habe mir zuerst die Grafiken angeschaut und war über den Anstieg der Gewalt schon recht erstaunt, noch erstaunter war ich allerdings als im Text im Grunde das Gegenteil aus den Grafiken interpretiert wurde, mit einer für mich nicht nachvollziehbaren Argumentation.

3. Dafür verliert sich der Text in Ausführungen zur Ausländerkriminalität – die nun wiederum nirgendwo mit Daten belegt wird. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Ausländerkriminalität überhaupt thematisiert wurde; wenn schon, sollten die Daten aber auch entsprechend zur Verfügung gestellt werden.

4. Man weiß ja von anderen amtlichen Statistiken (Arbeitslosenstatistik), das die Erfassung brisanter Daten, naja, sagen wir mal, „komplex“ ist. Es ist also schwer zu sagen, wie verlässlich die Zahlen der PKS sind. Der Artikel geht darauf zwar ein, unternimmt aber keinen Versuch, die Zahlen der PKS zu verifizieren/falsifizieren. Es wäre toll gewesen, wenn andere Quellen zur Plausibilisierung herangezogen worden wären (z.B. Versicherungsstatistiken zu Einbrüchen, Krankenhausstatistiken, Anzahl Inhaftierter, …)

5. 5. Zum Schluss noch ein Wunsch/Vorschlag: Es ist super, dass am Ende alle Quellen angegeben werden. Vielleicht könnte der Autor zusätzlich die Rohdaten der PKS als Excel-File etc. zur Verfügung stellen – dann könnte man sich selbst einfacher ein Bild machen.

Wie gesagt, das war mein erster Artikel und ich finde die Idee Eures Magazins viel zu gut um darauf nicht zu reagieren. Ich denke, genau so etwas braucht die „postfaktische“ Welt in den Zeiten von Facebook und Fake News.


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Tutnix Zursache   01:15 Uhr 14.08.2017

Zwei kleine Anmerkungen:

Im zweiten Absatz steht

\"Die Statistik zeigt auch an, ob es sich beim Täter um einen Deutschen oder einen Ausländer handelt.\"

Das sollte korrigiert werden, denn genau das zeigt sie eben nicht an, wie im weiteren Text auch richtig erklärt.

Im vierten Absatz steht:

\"Denn die eigentliche Täterschaft kann erst mit Abschluss der Ermittlungen geklärt werden, was für die PKS jedoch unerheblich ist.\"

Das ist nicht richtig. Einzig ein Gericht kann die Täterschaft (oder Unschuld) feststellen. Zuerst muss der Tatverdächtige mal zum Beschuldigten werden, der dann ggf. zum Angeklagten wird und am Ende des Verfahrens vielleicht zum Täter. Der Abschluss der Ermittlungen ist erstmal nur der hilfreich für die Staatsanwaltschaft, um zu überlegen, ob denn überhaupt anklagt werden soll.


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Jürgen   08:38 Uhr 13.08.2017

Wer mit offenen Augen und Ohren durch Deutschland geht, braucht keine Kriminalstatistik!


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Alex   15:54 Uhr 11.08.2017

@Marc: Ich verstehe deine Argumentation und die Absicht dahinter, aber ich halte sie ehrlich gesagt für kontraproduktiv.

Zwei provokante Fragen:
1) Würden die Zahlen ausweisen, dass Nichtdeutsche weniger häufig tatverdächtig sind als Deutsche, würdest du dann auch dafür plädieren, hier keine Unterscheidung vorzunehmen?
2) Wäre es demzufolge nicht auch sinnvoll, rechte und linke Kriminalität nicht mehr getrennt zu erfassen und allgemein nur noch von \"politisch motivierten Vergehen\" zu sprechen?

Die Unterscheidung Deutsch-Nichtdeutsch geschieht ja nicht zum Spaß oder aus Rassismus, sondern weil sich aus den Zahlen Fragen und Folgerungen zur Einwanderungs-
und Integrationspolitik ergeben.

Klar sind Hautfarbe und Herkunft nicht Letztursache von Kriminalität. Aber aus dem (korrekten) Verweis auf den sozioökonomischen Hintergrund ergibt sich doch die Frage, weshalb unsere Einwanderungspolitik dazu führt, dass Personen mit sozioökonomisch bedingt höherer Kriminalitätsneigung nach Deutschland kommen.

In den USA scheint es umgekehrt zu sein; dort sind Einwanderer wohl prozentual weniger straffällig:
https://www.nytimes.com/2017/01/26/us/trump-illegal-immigrants-crime.html

Also: Es geht nicht darum, ob \"die Ausländer\", \"Nichteuropäer\", whatever von Natur aus kriminell sind. Es geht um die Frage, weshalb die in Deutschland lebende Gruppe der Zuwanderer sozioökonomisch oder kulturell oder ... so zusammengesetzt ist, dass sie in der PKS häufiger vertreten sind.

Insofern wird aus der sozioökonomischen Argumentation doch recht schnell ein Bumerang, weil sie letztlich auf eine verfehlte Einwanderungspolitik verweist.

Aber das Fass müssen wir hier nicht auch noch aufmachen :)


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Marc Birkhölzer   10:24 Uhr 11.08.2017

Lieber Alex, das stimmt. Ich wollte auch nicht unterstellen, dass Du generell rassistisch bist. Du hast Recht, dass es wichtig ist nicht gleich die Rassismus-Keule zu schwingen, aber die Sprache und sprachliche Neigung der meisten Menschen ist vorurteilsbeladen und rassistisch geprägt, da ist es sinnvoll, wenn man schon explizit nicht rassistisch sein will, hier auch sprachlich Vorsicht walten zu lassen.
Das Ziel der Betrachtung war eben explizit den Unterschied Deutsch/ Nicht-Deutsch rauszulassen, die Begründung dafür liefert ja der Text. Das Risiko angezeigt zu werden ist als Nicht-Deutscher höher, das Risiko von der Polizei (aufgrund von Racial Profiling) kontrolliert zu werden ist größer, außerdem sind überproportional viele junge Männer mit schlechtem sozioökonomischem Status aus Städten unter den Nichtdeutschen enthalten, eine Gruppe, die am häufigsten Straftaten begeht - unabhängig von der Herkunft. Dieselbe Gruppe (junge Männer mit niedrigem sozioökonomischem Status aus Städten) ist auch unter den Deutschen die mit dem höchsten Risiko in der PKS aufzutauchen.


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Bernd Arnold   04:22 Uhr 10.08.2017

Die Frage, ab wann ein Staat ein Staat sei, ist nicht so ganz leicht zu beantworten - wichtige Kriterien erläutert Autor Ralph Janik in seinem interessanten Beitrag.
Dazu möchte ich hier gerne ein paar sprachliche Anmerkungen zum Begriff des Staates anfügen. Wikipedia verweist im Artikel \\\"Staat\\\" auf die älteren Bergiffe: polis („Stadtstaat“), civitas („Bürgerschaft“), res publica („öffentliche Angelegenheit“), regimen („Königsherrschaft“), regnum („Königreich“) oder imperium („Herrschaftsbereich“).
Platons Werk \\\"Politeia\\\" wird im Deutschen übersetzt mit \\\"Der Staat\\\", im Englischen \\\"Republic\\\" und meint soviel wie \\\"gute Verfassung\\\".
Henry David Thoreaus Essay, der anlässlich seines 200. Geburtstags und aus anderen Gründen wieder beachtet wird, in deutscher Übersetzung \\\"Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat\\\", war im Amerikanischen überschrieben \\\"The Resistance to Civil Government\\\".
Hobbes schrieb im \\\"Leviathan\\\" über einen \\\"Common-Wealth\\\", Locke schrieb seine Treatises über \\\"Government\\\", also die Regierung, und Montesquieu über den Geist der Gesetze.
Mit jedem der gebrauchten Begriffe aus den verschiedenen Sprachen ergeben sich unterschiedliche Akzentuierungen. Ich finde es spannend, wie sich aus dem Lateinischen in den europäischen Sprachen stutus, stato, estado, state, état, Staat usw. entwickelt haben. Dabei möchte ich gerne mal französische Nachbarn fragen, wann sie von République, von Nation und wann von l\\\'État sprechen.
Hegel hat mit seiner Rechtsphilosophie einerseits begriffliche Schärfe im Verhältnis von bürgerlicher Gesellschaft und Staat beigetragen, andererseits auch zu einer idealistischen Überhöhung des Staatsbegriffes. Dieser führte nicht nur zur marxistischen historisch-dialektischen Kritik, sondern im deutschen Sprachraum zur Herausbildung einer \\\"Staatswissenschaft\\\" und mittelbar zu Gefolgschaft im Nationalsozialismus - was hier nicht weiter zu erörtern ist.
Mit diesen Überlegungen möchte ich dazu anregen, einmal darüber nachzudenken, ob es nicht an der Zeit wäre, sich über den Begriff des Staates Gedanken zu machen und auch Jellineks und Webers Definitionen zu überprüfen.
Wie sind die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, der israelisch-palästinensische, der syrische, oder in den afrikanischen Krisenherden zu lösen, wenn sie in den Kategorien europäischer oder gar deutscher Staatsbegrifflichkeit gedacht werden? Was hilft es, dann Etiketten zu vergeben wie \\\"failed state\\\", wenn sich aus den kolonialen Grenzziehungen heraus neue politische Konstellationen ergeben?
Insofern ist die \\\"Staatsbildung\\\" nicht nur eine Angelegenheit der Kriege, sondern vielmehr des politischen Denkens, der politischen Bildung, kluger Diplomatie und Politik, gerade auch der Vereinten Nationen.


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Frank   13:50 Uhr 09.08.2017

Eine Anmerkung: Die Grafik \"Rohheitsdelikte\" in Deutschland ist schon ziemlich irreführend, wenn man sich die Y-Achse anschaut: Erst 50.000-Schritte, dann auf einmal 150.00-Schritte. Wie der Text selbst sagt, müsste die einfache Körperverletzung sich mehr als verdoppeln, tut sie in der Grafik nicht.

Das ändert freilich wenig am Gesamttext, aber so was muss ja nicht sein.


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Alex   13:03 Uhr 09.08.2017

Kleiner Nachtrag: Meiner bescheidenen Erfahrung nach gibt es zwei sinnvolle Mittel gegen Rassismus und Rechtspopulismus.

1) Bei abweichenden Meinungen nicht sofort mit den Totschlagargumenten \"Rassist\", \"Rechts\", \"Populist\" und \"Nazi\" argumentieren. Wer die Sachebene verlässt, kann nicht überzeugen.

2) Ehrlicher Umgang mit Zahlen, Daten und Fakten. Klar kann ich hingehen und alle Unzulänglichkeiten der PKS aufzeigen und am Ende ist das mit der Kriminalität durch Nichtdeutsche alles gar nicht so schlimm.

Dann kommt aber irgendein NPD-Typ um die Ecke und \"analysiert\" mal genau die Daten zu rechten Straftaten und Anschlägen auf Flüchtlingsheime und kommt mit den richtigen Grafiken und Interpretationen zu dem Schluss, dass ja die meisten Straftaten nur das Zeigen von Symbolen sind und es ja deutlich weniger Verletzte durch Brandanschläge als durch islamistischen Terror gibt (ich spinne jetzt mal, k. A. was die Zahlen sagen).

Was ich damit sagen will: Grade wenn man gegen Rechts ist, sollte man auch die unangenehmen Fakten zur Kenntnis nehmen und sich nicht in Relativierungen ergehen. Letztlich geht es doch nicht darum, dass wir uns moralisch überlegen fühlen, sondern um konkrete Lösungen. Die kriege ich nicht, wenn ich Probleme wegdiskutiere.


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Alex   12:30 Uhr 09.08.2017

@Marc: Mit deiner - sorry, im Internet duze ich eigentlich immer - Definition von Rassimus gehe ich konform.

Aber die ist hier nicht einschlägig. Aus der PKS lässt sich herauslesen, dass bestimmte Gruppen häufiger straffällig werden als andere. Dazu gehören Männer, junge Menschen und Nichtdeutsche.

Jemandem Rassismus zu unterstellen, weil er anhand der Zahlen eine höhere Kriminalitätsneigung bei Nichtdeutschen herausliest, wäre das gleiche, jemandem Sexismus zu unterstellen, weil er darauf hinweist, dass Männer häufiger straffällig werden.

Rassismus: Der Typ ist dunkelhäutig --> muss also ein Verbrecher sein.

Nicht Rassismus: Nichtdeutsche sind in PKS überrepräsentiert --> Welche Faktoren können dafür verantwortlich sein?

Sinnlos: PKS weist bestimmte Häufigkeiten aus --> völlig egal, PKS ist mangelhaft, vor 50 Jahren war es noch viel schlimmer.

;)


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Marc Birkhölzer   10:40 Uhr 09.08.2017

@Alex \"Gerade im Hinblick auf die Kriminalitätsneigung mancher Zuwanderergruppen [...] Das hat meines Erachtens nichts mit Rassismus [...] zu tun.\" --> Das ist die Definition von Rassismus. Man unterstellt einer Menschengruppe aufgrund ihrer Herkunft eine negative Eigenschaft. Ob Sie das nun so erachten wollen oder nicht.

@Christian131 die Zeit seit 1993 ist nicht völlig willkürlich gewählt, sondern schlichtweg deswegen, weil es erst seit dem eine Gesamtdeutsche PKS gibt. Das nebeneinander Aufführen unterschiedlicher Inhalte führt nicht dazu, dass diese gleichgesetzt werden.

Der Grundtenor des Artikel ist, dass es in Deutschland schon Zeiten mit mehr angezeigten, sicherheitsrelevanten Straftaten gab als heute. Insbesondere auch im Bereich der Sexualdelikte. Aus diesem Grund ist Panikmache zum aktuellen Zeitpunkt einfach nicht gerechtfertigt, unabhängig von der Herkunft der Tatverdächtigen. Außerdem sind doch sehr detailliert aufgeschlüsselt, warum mehr ausländische Tatverdächtige in der PKS auftauchen, und dass das nicht zwangsläufig mit einer tatsächlich höheren Kriminalitätsbelastung durch Ausländer zusammenhängt. Wer dennoch behauptet zu wissen, dass \"Ausländer\" per se krimineller sind, der basiert seine Argumentation auf Medienberichten und gefühlter Wahrnehmung. Und auch warum das gefährlich und nicht objektiv ist, wird im Artikel detailliert dargestellt.


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