Streik-Kultur
Wir geh’n zum Streiken in den Keller
Sprache

…, außerhalb der Arbeitszeiten und nicht so laut. In Deutschland wird viel geschimpft. Bis die Deutschen für ihre Rechte auf die Straße gehen, kann es jedoch ein wenig dauern. Ein Kommentar von TIM EHLERS



Die GDL macht mobil. Für höhere Löhne, gegen die Bahn und – gegen die Bahnreisenden. So scheint es, wenn man einem großen Teil der öffentlichen Wahrnehmung Glauben schenken will: Pendler und Reisende sind entnervt, verstehen die Streikführenden nicht1 und die Verhältnismäßigkeit des Streiks wird infrage gestellt.

Wieso fehlt den Deutschen das Verständnis für diesen Aufstand? Liegt es am aktuellen Machtkampf der Gewerkschaften untereinander? Oder liegt diesem Unverständnis ein tiefergehendes Phänomen zugrunde?

Der ehemalige Résistance-Kämpfer und Essayist, der Franzose Stéphane Hessel forderte im Jahr 2010, im Alter von 93 Jahren, in seiner Streitschrift "Empört Euch!" eine engagiertere Lebenshaltung und zivilen Ungehorsam.2 Über die Deutschen soll Lenin einst gesagt haben, dass sie nicht einmal einen Bahnsteig besetzten, ohne zuvor eine Karte gekauft zu haben.3 Und schon Tacitus berichtet im Zusammenhang mit einem Würfelspiel über die kuriose Fügsamkeit der Germanen: "Der Besiegte tritt in freiwillige Knechtschaft; obgleich jugendkräftiger, obgleich stärker, läßt er geduldig sich binden und verkaufen. So groß ist die Hartnäckigkeit in der fehlerhaften Sache; sie selbst nennen es treue Ehrlichkeit."4

Woher kommt diese zahme Obrigkeitstreue? Oder ist sie ein Mythos? Klar ist: Streiken kann nur, wer sich auch in der Position dazu befindet, heißt, er muss organisiert sein und über einen relevanten Einfluss auf die betriebliche Entwicklung verfügen. Im Falle der Bahn kommt hinzu, dass die Lokführer sich in einer Schlüsselposition befinden und die wirtschaftlichen Auswirkungen besonders groß sind, was die öffentliche Aufmerksamkeit steigen lässt.

In Zahlen sieht das so aus: Im Jahr 2014 entfielen in Deutschland etwa 90 Prozent der Streiks und 97 Prozent aller Ausfalltage auf den Dienstleistungssektor.5 Laut Streikstatistik der Bundesagentur für Arbeit verloren die meisten Arbeitstage Betriebe aus dem Landverkehr (etwa 44.000), der Telekommunikation (etwa 25.000), dem Einzelhandel (etwa 22.000), der Öffentlichen Verwaltung (etwa 20.000) und der Luftfahrt (etwa 19.000) – wenig gestreikt wurde beispielsweise in den Bereichen der Gebäudebetreuung (284) oder der künstlerisch-kreativen Tätigkeiten (167).6

Im internationalen Vergleich ist in Deutschland die Bereitschaft zum Arbeitskampf vergleichsweise gering: Laut dem Bericht der Hans-Böckler-Stiftung liegt die BRD mit durchschnittlich nur 16 Ausfalltagen auf 1.000 Beschäftigte, bezogen auf den Zeitraum von 2005 bis 2013, nur im unteren Bereich. In Frankreich waren es im gleichen Zeitraum beispielsweise 139. Bezogen auf die Reallohnentwicklung zeigt sich, dass in den Ländern, in denen mehr gestreikt wird, auch die Löhne entsprechend schneller steigen.7

Zu Streiken, scheint sich also zu lohnen. Daher sollte in Deutschland nicht nur das Verständnis für die Streikenden steigen, sondern auch die eigene Bereitschaft, für seine Interessen einzustehen.



[1] Das Problem scheint hier aber eine fehlende Differenzierung zwischen Arbeitnehmern und der Bahn als Unternehmen zu sein.
[2] Vgl. Hessel, Stéphane: Empört Euch!, dt. Übers. Michael Kogon, Berlin 2011.
[3] So oder so ähnlich soll Lenin es gesagt haben. Die Herkunft ist jedoch nicht verbürgt.- Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/D#Deutsche_Revolution.C3.A4re_besetzen
_einen_Bahnhof_erst_nach_Kauf_einer_Bahnsteigkarte
, 05.05.2015.
[4] Publius Cornelius Tacitus: Germania, Kap. 24, vgl. z.B. URL: http://de.wikisource.org/wiki/Die_Germania_des_Tacitus, 05.05.2015.
[5] Hans-Böckler-Stiftung (Hrsg.): WSI-Arbeitskampfbilanz 2014 (04.03.2015), URL: http://www.boeckler.de/52621_53237.htm, 05.05.2015.
[6] Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Streikstatistik 2014, abrufbar unter URL: http://statistik.arbeitsagentur.de/nn_31970/SiteGlobals/Forms/Rubrikensuche/Rubrikensuche_Form.html?view=processForm&resourceId=210368&input_=&pageLocale=de&topicId=17378&year_month=201412&year
_month.GROUP=1&search=Suchen
, 05.05.2015.
[7] Zur Reallohnentwicklung vgl. bspw. URL: http://www.boeckler.de/MB_2012_05_Lohnentwicklung_in_Zahlen.pdf, 05.05.2015.


06.05.2015
Schreiben Sie einen Kommentar

Vorname: *
Nachname:
E-Mail: *
Ihr Kommentar: *


1 - 10 11 - 16

Kommentare


Michael   19:22 Uhr 10.05.2015

Lieber anderer Michael,

"Argumentiert die GDL denn mit dem Hinweise auf zu wenig Lohn? Ich habe dieses Argument bisher nicht in der Diskussion wahrgenommen."
Ihre Antwort finde ich überraschend. Es wäre aber interessanter, wenn Sie etwas konkreter beschreiben würden, was Sie mit "Diskussion" meinen.
M.S.: Ich vermeide es mich mit Ihnen in der Frage, was eine Diskussion ist, auseinanderzusetzen. Ansonsten unterhalten wir uns über Definitionen, die ja weder falsch noch richtig, sondern nur hilfreich und weniger hilfreich sein können. Und: Ja ich habe es verstanden. Es ist ein Kommentar!


"Ist diese, ist Ihre Betrachtung in diesem Kommentar gegeben?"
Diese Frage ist so offen, dass ich, ehrlich gesagt nicht genau wüsste, was ich darauf antworten soll. Es sei denn Sie meinen... Aber das glaube ich nicht...
M.S.: Was Sie glauben, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob Sie alles ehrlich meinen, was Sie hier schreiben, aber Ihre Schlussfolgerungen sind für mich immer überraschend und wesentlich lesenswerter als der Kommentar an sich. In jedem Fall, schon aus Prinzip: Nein!

"Wenn das Magazin mit dem Anspruch auftritt sozialwissenschaftlich zu argumentieren, dann ist dieser Anspruch hier nicht erfüllt. Mancur Olson lässt grüßen."
Dass der Artikel als Kolumne betrachtet werden soll, haben mehrere meiner Vorschreiber erwähnt, nicht zuletzt auch der Autor. Fast bin ich versucht, "Schöne Grüße zurück" hinzuzufügen.
M.S.: Grüßen Sie also zurück? Genau, es ist ein Kommentar. Ich habe es verstanden. Ich h-a-b-e es verstanden. Für mich trotzdem ein qualitativ schlechter seiner Art. Upps.

"Ich könnte auch Italien oder Griechenland als Beispiel nehmen. Bleibt ihr Argument valide?"
Könnten Sie. Das wäre aber genauso an der Tatsache vorbei, dass wir über eine Kolumne reden, worin am Rande einer Infografik kommentiert wird, die nicht vom Autor erstellt wurde. Vorlage ist also nicht ein sozialwissenschaftliches Referat. Mal angenommen das alles würde so stimmen: Bliebe Ihr Argument dann auch valide?
M.S.: OjOj, hier vertun Sie sich aber. Das wissen Sie auch. Die Infografik ist schlicht falsch. Ob Sie es zugeben oder nicht. Mein Argument bleibt valide. Wobei, der Autor hat keine Schuld. Er ist ja Kommentator.

"Und warum so aggressiv?"
Kam das so rüber, oder ist das eine rhetorische Frage, als Reviermarkierung?
M.S.: Nein, mein Revier ist markiert. Wobei lange Zeit bin ich nicht in Greifswald gewesen. Es freut mich, dass kritische Köpfe nachwachsen. Ja, es ist eine rhetorische Frage gewesen. Hätte ich auf diese antworten sollen, oder auch nicht? Siehe Ihre Definition von "Kommentar". Übrigens, es ist ein Kommentar.

"Ich selbst wohne in Osteuropa und habe eine andere Blickweise als Sie. Bevor Sie über Rumänien oder Ungarn urteilen, sollten Sie vielleicht mal dorthin fahren. Ganz interessant ist, dass Sie nicht auf den Hinweis eingehen, dass das, was im Text steht, nicht mit der Infografik übereinstimmt. Dafür könnten Sie mich doch mal loben, oder nicht?"
Sie denken, hinfahren würde mich zum Kenner machen? Heißt das im Umkehrschluß, dass Sie in Osteuropa wohnen weil Sie dort gerade Urlaub machen?
Das mit dem Loben habe ich wieder verworfen, wohl ahnend, dass Ihnen bestimmt eine Menge Lob in qualifizierterem Umfeld zugetragen wird.
M.S.: Sie sind also kein Kenner. Nein, ich mache kein Urlaub, arbeite in Polen, spreche Polnisch und Bulgarisch. Mein Stipendium des DAAD ermöglichte mir ein Aufenthalt in Bulgarien. Seit kurzem bin ich gar mit einer Polin verheiratet. Falls Sie hier Urlaub machen wollen, ich lade Sie wirklich gern ein.
Auf Ihr Lob lege ich es nun wirklich nicht an. Da ist mir das Lob meiner Schwiegermutter wichtiger.

"- Die Schlüsselfrage, sprich: Warum soll man streiken? Wird nur gestreift und auf eine weitere Veröffentlichung verwiesen.
Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn der Autor mir auch gleich die Definition eines Streiks, oder der Zweck von Protest im Allgemeinem mitgegeben hätte. Es hätte mich zu sehr an "Die Sendung mit der Maus" erinnert... M.S.: Augenscheinlich sind Sie nicht mit der Formulierung sozialwissenschaftlicher Fragestellung vertraut. Denn dann würden Sie wissen, dass die Antworten auf "Warum"-Fragen den Kern der sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausmachen. Vielleicht bleiben Sie aber bei Ihren "Was" und "Wie"- Fragen. Dann sollten Sie sich vielleicht den Geschichtswissenschaften zuwenden. Die scheinen Sie ja außerordentlich zu interessieren."
Ich sehe weder einen Grund um gehässig zu werden, noch einen um zu suggerieren, dass man ohne mit sozialwissenschaftlichen Formulierungen vertraut zu sein, lieber den Mund halten soll.
Ich bin mir aber sicher, dass sie nicht beleidigend wirken wollten, auch wenn Ihre Formulierungen diese Interpretation nahe zu legen vermocht hätten. Wie Sie sehen können, ist das Ignorieren der "Was" oder "Wie"- Fragen (hierauf bezogene Beispiele wären: 'Was will ich genau sagen' oder 'Wie formuliere ich das was ich schreibe, so wie ich es meine') auch kein Königsweg.
Hätte ich wiederum, Ihrem Modell folgend, nur nach dem "Warum" gefragt, wäre dieser überaus konsistente und konstruktive Dialog möglicherweise anders oder gar nicht zustande gekommen.
M.S.: Vielleicht oder möglicherweise gar nicht. Aussagen eines Geschichtswissenschaftlers? :)


Lieber Benjamin Friedrich,

1, Ja ein Kommentar. Und? Kommentar gefällt mir nicht. Und?

2, Keine Daten? Bezweifele ich ernsthaft. Eine rhetorische Frage: Haben Sie nur auf Sekundärdaten zurückgegeben oder möglicherweise per Mail die entsprechenden Stellen kontaktiert? In jedem Fall sollte der Titel geändert werden oder aber der Fakt, dass keine Daten erhalten sind in die Infografik eingearbeitet werden.

Anyway!

Mit freundlichen Grüßen aus dem bewölkten Warszawa,
Michael Steinke.





Ein anderer Michael   13:01 Uhr 10.05.2015

"Argumentiert die GDL denn mit dem Hinweise auf zu wenig Lohn? Ich habe dieses Argument bisher nicht in der Diskussion wahrgenommen."
Ihre Antwort finde ich überraschend. Es wäre aber interessanter, wenn Sie etwas konkreter beschreiben würden, was Sie mit "Diskussion" meinen.

"Ist diese, ist Ihre Betrachtung in diesem Kommentar gegeben?"
Diese Frage ist so offen, dass ich, ehrlich gesagt nicht genau wüsste, was ich darauf antworten soll. Es sei denn Sie meinen... Aber das glaube ich nicht...

"Wenn das Magazin mit dem Anspruch auftritt sozialwissenschaftlich zu argumentieren, dann ist dieser Anspruch hier nicht erfüllt. Mancur Olson lässt grüßen."
Dass der Artikel als Kolumne betrachtet werden soll, haben mehrere meiner Vorschreiber erwähnt, nicht zuletzt auch der Autor. Fast bin ich versucht, "Schöne Grüße zurück" hinzuzufügen.

"Ich könnte auch Italien oder Griechenland als Beispiel nehmen. Bleibt ihr Argument valide?"
Könnten Sie. Das wäre aber genauso an der Tatsache vorbei, dass wir über eine Kolumne reden, worin am Rande einer Infografik kommentiert wird, die nicht vom Autor erstellt wurde. Vorlage ist also nicht ein sozialwissenschaftliches Referat. Mal angenommen das alles würde so stimmen: Bliebe Ihr Argument dann auch valide?

"Und warum so aggressiv?"
Kam das so rüber, oder ist das eine rhetorische Frage, als Reviermarkierung?

"Ich selbst wohne in Osteuropa und habe eine andere Blickweise als Sie. Bevor Sie über Rumänien oder Ungarn urteilen, sollten Sie vielleicht mal dorthin fahren. Ganz interessant ist, dass Sie nicht auf den Hinweis eingehen, dass das, was im Text steht, nicht mit der Infografik übereinstimmt. Dafür könnten Sie mich doch mal loben, oder nicht?"
Sie denken, hinfahren würde mich zum Kenner machen? Heißt das im Umkehrschluß, daß Sie in Osteuropa wohnen weil Sie dort gerade Urlaub machen?
Das mit dem Loben habe ich wieder verworfen, wohl ahnend, dass Ihnen bestimmt eine Menge Lob in qualifizierterem Umfeld zugetragen wird.

"- Die Schlüsselfrage, sprich: Warum soll man streiken? Wird nur gestreift und auf eine weitere Veröffentlichung verwiesen.
Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn der Autor mir auch gleich die Definition eines Streiks, oder der Zweck von Protest im Allgemeinem mitgegeben hätte. Es hätte mich zu sehr an "Die Sendung mit der Maus" erinnert... M.S.: Augenscheinlich sind Sie nicht mit der Formulierung sozialwissenschaftlicher Fragestellung vertraut. Denn dann würden Sie wissen, dass die Antworten auf "Warum"-Fragen den Kern der sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausmachen. Vielleicht bleiben Sie aber bei Ihren "Was" und "Wie"- Fragen. Dann sollten Sie sich vielleicht den Geschichtswissenschaften zuwenden. Die scheinen Sie ja außerordentlich zu interessieren."
Ich sehe weder einen Grund um gehässig zu werden, noch einen um zu suggerieren, dass man ohne mit sozialwissenschaftlichen Formulierungen vertraut zu sein, lieber den Mund halten soll.
Ich bin mir aber sicher, dass sie nicht beleidigend wirken wollten, auch wenn Ihre Formulierungen diese Interpretation nahe zu legen vermocht hätten. Wie Sie sehen können, ist das Ignorieren der "Was" oder "Wie"- Fragen (hierauf bezogene Beispiele wären: 'Was will ich genau sagen' oder 'Wie formuliere ich das was ich schreibe, so wie ich es meine') auch kein Königsweg.
Hätte ich wiederum, Ihrem Modell folgend, nur nach dem "Warum" gefragt, wäre dieser überaus konsistente und konstruktive Dialog möglicherweise anders oder gar nicht zustande gekommen.





Der andere Michael   11:51 Uhr 10.05.2015

Lieber Bernd Friedrich,

ich könnte mir vorstellen, dass Sie die Michaels verwechselt haben, beim adressieren Ihrer Antwort... :)





Michael   14:00 Uhr 09.05.2015

Streikgrund ist weniger die fehlende Bereitschaft zur Lohnerhöhung, als vielmehr das Tarifeinheitsgesetz
Implizieren Sie, dass die Arbeitgeber wollten, wenn sie könnten? M.S.: Richtig geschlussfolgert. Gratulation. Argumentiert die GDL denn mit dem Hinweise auf zu wenig Lohn? Ich habe dieses Argument bisher nicht in der Diskussion wahrgenommen.

- Woher kommt die These, dass den Deutschen das Verständnis für den Streik fehlt?
Für meinen Teil, genügt eine oberflächliche Betrachtung dessen was hauptsächlich nach 1998 dem Deutschen Volk zugemutet wurde, ohne dass auch nur Ansatzweise eine Gegenbewegung aus den Reihen der Gewerkschaften vernehmbar gewesen wäre. Einige wenige Stichworte wären: Soziale Implikationen von Krieg, Hartz-Gesetze, Einschränkung von Menschenrechten, Überwachung, Datenschutz. M.S.: Ist diese, ist Ihre Betrachtung in diesem Kommentar gegeben?

- Wo ist hier eigentliche der sozialwissenschaftliche Bezugspunkt? Was wird hier sozialwissenschaftlich betrachtet und wie wird sozialwissenschaftlich argumentiert? Mit Bonmots von Lenin und Tacitus?
Meinen Sie, dass weder Lenin noch Tacitus sozalwissenschaftlich qualifiziert sind, weil sie kein entsprechendes Diplom haben? Wenn ja, mag sein dass Sie recht haben. M.S.: Fühlen Sie sich etwa auf die Füße getreten? Wenn das Magazin mit dem Anspruch auftritt sozialwissenschaftlich zu argumentieren, dann ist dieser Anspruch hier nicht erfüllt. Mancur Olson lässt grüßen.

- Die Infografik trägt den Titel "Streik in Europa". Wie viele Streiktage gibt es denn in Ungarn oder Rumänien? Zwei Mitgliedsstaaten der EU.
Ist das eine indirekte Kritik an die dortigen Demokratischen Verhältnisse, oder eine Größenordnung die Sie der Deutschen Demokratie als Vergleichsgröße zubilligen? M.S.: Ich könnte auch Italien oder Griechenland als Beispiel nehmen. Bleibt ihr Argument valide? Und warum so aggressiv? Ich selbst wohne in Osteuropa und habe eine andere Blickweise als Sie. Bevor Sie über Rumänien oder Ungarn urteilen, sollten Sie vielleicht mal dorthin fahren. Ganz interessant ist, dass Sie nicht auf den Hinweis eingehen, dass das, was im Text steht, nicht mit der Infografik übereinstimmt. Dafür könnten Sie mich doch mal loben, oder nicht?

- Die Schlüsselfrage, sprich: Warum soll man streiken? Wird nur gestreift und auf eine weitere Veröffentlichung verwiesen.
Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn der Autor mir auch gleich die Definition eines Streiks, oder der Zweck von Protest im Allgemeinem mitgegeben hätte. Es hätte mich zu sehr an "Die Sendung mit der Maus" erinnert... M.S.: Augenscheinlich sind Sie nicht mit der Formulierung sozialwissenschaftlicher Fragestellung vertraut. Denn dann würden Sie wissen, dass die Antworten auf "Warum"-Fragen den Kern der sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausmachen. Vielleicht bleiben Sie aber bei Ihren "Was" und "Wie"- Fragen. Dann sollten Sie sich vielleicht den Geschichtswissenschaften zuwenden. Die scheinen Sie ja außerordentlich zu interessieren.





Benjamin Fredrich   14:00 Uhr 09.05.2015

Lieber anderer Michael,

„Wo ist hier eigentliche der sozialwissenschaftliche Bezugspunkt? Was wird hier sozialwissenschaftlich betrachtet und wie wird sozialwissenschaftlich argumentiert? Mit Bonmots von Lenin und Tacitus?„

Das ist ein Kommentar

„Die Infografik trägt den Titel "Streik in Europa". Wie viele Streiktage gibt es denn in Ungarn oder Rumänien? Zwei Mitgliedsstaaten der EU. Ist das eine indirekte Kritik an die dortigen Demokratischen Verhältnisse, oder eine Größenordnung die Sie der Deutschen Demokratie als Vergleichsgröße zubilligen?„

Es gibt keine Daten. Wenn du welche hast, her damit.

Beste Grüße, Benjamin Fredrich





Teodor Webin   10:54 Uhr 09.05.2015

An die Vorredner: Bitte zu bedenken: Das ist ein Kommentar, kein wissenschaftlicher Aufsatz. Und dafür ist der Anspruch sehr gut, weder ist der Beitrag besonders polemisch, noch wissenschaftlich falsch. Denn in der Tat: Je mehr Streik, desto höher die Löhne. In deutschland ist der Trend seit den 1990er Jahren andersrum. Und das in Deutschland wenig gestreikt wird, ist keineswegs ein neues Phänomen!





Ein anderer Michael   20:49 Uhr 08.05.2015

- Streikgrund ist weniger die fehlende Bereitschaft zur Lohnerhöhung, als vielmehr das Tarifeinheitsgesetz
Implizieren Sie, dass die Arbeitgeber wollten, wenn sie könnten?

- Woher kommt die These, dass den Deutschen das Verständnis für den Streik fehlt?
Für meinen Teil, genügt eine oberflächliche Betrachtung dessen was hauptsächlich nach 1998 dem Deutschen Volk zugemutet wurde, ohne dass auch nur Ansatzweise eine Gegenbewegung aus den Reihen der Gewerkschaften vernehmbar gewesen wäre. Einige wenige Stichworte wären: Soziale Implikationen von Krieg, Hartz-Gesetze, Einschränkung von Menschenrechten, Überwachung, Datenschutz.

- Wo ist hier eigentliche der sozialwissenschaftliche Bezugspunkt? Was wird hier sozialwissenschaftlich betrachtet und wie wird sozialwissenschaftlich argumentiert? Mit Bonmots von Lenin und Tacitus?
Meinen Sie, dass weder Lenin noch Tacitus sozalwissenschaftlich qualifiziert sind, weil sie kein entsprechendes Diplom haben? Wenn ja, mag sein dass Sie recht haben.

- Die Infografik trägt den Titel "Streik in Europa". Wie viele Streiktage gibt es denn in Ungarn oder Rumänien? Zwei Mitgliedsstaaten der EU.
Ist das eine indirekte Kritik an die dortigen Demokratischen Verhältnisse, oder eine Größenordnung die Sie der Deutschen Demokratie als Vergleichsgröße zubilligen?

- Die Schlüsselfrage, sprich: Warum soll man streiken? Wird nur gestreift und auf eine weitere Veröffentlichung verwiesen.
Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn der Autor mir auch gleich die Definition eines Streiks, oder der Zweck von Protest im Allgemeinem mitgegeben hätte. Es hätte mich zu sehr an "Die Sendung mit der Maus" erinnert...





Berthold   18:39 Uhr 08.05.2015

die faz titelt ähnliches:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/streiks-bei-bahn-und-lufthansa/bahnstreik-gdl-mitglieder-haben-keine-lust-auf-streik-13581539.html





Hartmut Theden   13:11 Uhr 07.05.2015

Stimmt, Sie haben vollkommen Recht! Es wird zu wenig gestreikt. Hätte der DGB und sein damaliger Vorsitzender Sommer zum Generalstreik aufgerufen und damit zum zivilen Ungehorsam, wäre uns Hartz IV und die Folgen erspart geblieben.





B. F. Fertig   19:31 Uhr 06.05.2015

Erstmal vielen Dank für den interessanten Diskussionsanreiz.
Ich finde den Beitrag in so fern verbesserungswürdig, als denkst die systemischen Unterschiede gar nicht gewürdigt werden. Der Korporatismus Österreichs bringt gt es mit sich, dass die Streiks nahe null liegen und dennoch gute Lohnabschlüsse erzielt werden. Dass der kurze Beitrag hierbei nicht alles erfassen kann ist natürlich klar, doch um zu einer konstruktiven Debatte anzustoßen wäre zumindest die koponente der jeweiligen sozialpartnerschaftliche Arrangements wichtig gewesen, da an diesem Aspekt die Diagnose des Textes steht oder fällt. Denn nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Tarifverhandlungsabläufe kann man den Schluss ziehen, wie effizient Streiks letztlich sind. Folgt man dem Text zusammen mit der Karte wären Österreich (aber auch die Schweiz) ein Niedriglohnland.
Beste Grüße,
B. F. Fertig



1 - 10 11 - 16
AUTOR/IN

ÄHNLICHE ARTIKEL

  1. Syrienkrieg Macht statt Menschenrechte

  2. Die französische Rechte Die "republikanischen" Ideale als Waffe der Diskriminierung und Verachtung

  3. Anti-Terror-Paket Der Wahlkampf hat begonnen

  4. Geber und Empfänger Humanitäre Hilfe

  5. Rechtsruck in Europa Zurück ins 19. Jahrhundert



ÄHNLICHE KARTEN














© 2015 Katapult gUG (haftungsbeschränkt)