Einwanderung
Viele Ausländer, mehr Wohlstand?

Die AfD will an der Grenze auf Ausländer schießen. Wie geht es eigentlich den Ländern, in denen viele Ausländer leben? Eine statistische Auswertung von BENJAMIN FREDRICH



Die Forderung der AfD, auf unbewaffnete Hilfsbedürftige zu schießen, ist zwar abstoßend, sie spiegelt aber auch eine verbreitete Grundhaltung wider: Ausländer gelten als allgemein unwillkommen, weil sie teuer und schwer zu integrieren sind. Das wissen nicht nur die AfD-Politiker, sondern auch PEGIDA, die NPD und gelegentlich auch die CSU.

Die Gegenseite behauptet etwas Anderes: Ausländer werden die Renten der Deutschen finanzieren, sind eine kulturelle Bereicherung und ihre Arbeitskraft wird in Deutschland benötigt.

Befürworter und Gegner von Ausländern haben die verschiedensten Ideen und Argumente, um ihre Position zu stärken. Ihre Grundpositionen bleiben jedoch eher konstant: Ausländer wirken sich entweder positiv oder negativ auf den Wohlstand einer Gesellschaft aus.

Beide Positionen haben ihre eigene innere Logik. Welche hält der Statistik stand?
Um die Thesen zu testen, bietet sich eine Zusammenhangsanalyse (Korrelation) zwischen der Wirtschaftskraft (pro Kopf) und der Ausländerquote an. Bei einer solchen Analyse wird statistisch berechnet, ob ein Zusammenhang zwischen zwei Variablen besteht oder nicht. Am Ende ergibt sich ein Wert, der zwischen +1 und -1 liegt.

Für die EU-Mitgliedsstaaten existiert in dieser Hinsicht eine schwache, kaum signifikante Korrelation von +0,331.1


Im Streudiagramm sind die Werte für alle EU-Länder verzeichnet. Luxemburg wurde als Ausreißer (sehr hoher Ausländeranteil und sehr hohes BIP pro Kopf) nicht mit einbezogen, da es die Gesamtverteilung verfälschen würde. Bei einem Wert von +1 würden alle Werte im Streudiagramm auf einer Linie von unten links nach oben rechts verlaufen (je höher die Ausländerquote, desto höher auch das BIP). Bei einem Wert von -1 lägen alle Werte auf einer Linie von oben links nach unten rechts (je höher Ausländerquote, desto kleiner das BIP). Bei einem Wert von Null existiert keine Korrelation, das bedeutet, es besteht kein Zusammenhang. Die Werte sind unregelmäßig im Diagramm zerstreut.


Der gemessene Wert von +0,331 ist leicht positiv. Das heißt: Je höher der Ausländeranteil eines Landes durchschnittlich ist, desto höher ist das BIP pro Kopf. Hierbei handelt es sich jedoch um einen positiven Trend mit großer Streuung und ohne Signifikanz. Eine kausale (Ursache-Wirkung) Aussage kann aus dieser Metadatenanalyse grundsätzlich nicht getroffen werden.

Ob also Ausländer Wirtschaftswachstum verursachen oder Wirtschaftswachstum Ausländer anzieht, geht aus dieser Statistik deshalb nicht hervor. Sie sagt lediglich, dass die EU-Staaten mit höherem Ausländeranteil auch wirtschaftlich besser aufgestellt sind. Die Gründe (Mikroebene) können dabei ganz verschieden sein und eventuell überhaupt nichts mit der jeweils anderen Variable zu tun haben.

Sind Ausländer positiv oder negativ für unsere Gesellschaft?
Das Ergebnis dieser Analyse bestätigt die These nicht, dass Ausländer eine positive Auswirkung auf die Wirtschaft eines Landes haben. Die Befürworter der Migration können also an dieser Stelle nur bedingt unterstützt werden.

Anders verhält es sich mit den Gegnern der Einwanderung. Auch wenn für PEGIDA und AfD nicht nur wirtschaftliche Faktoren wichtig sind, kann ihnen zumindest entgegnet werden, dass durch mehr Ausländer keine negativen ökonomischen Auswirkungen zu befürchten sind.

Wer in der Vergangenheit viele Ausländer ins Land gelassen hat, hat in der EU heute auch eine starke Wirtschaft.



[1] Die Pearson-Korrelation kann Werte von -1 bis +1 annehmen. +1 bedeutet, dass ein linearer Zusammenhang besteht und die Werte der Variablen sehr gleichmäßig verteilt sind. Negative Werte bedeuten, dass ein umgekehrter Zusammenhang bestehen würde: "Je höher, desto geringer".


05.02.2016
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Kommentare


Jürgen Voss   15:43 Uhr 07.02.2016

Die beiden Variablen miteinander in Verbindung zu bringen ist zwar verlockend, aber falsch. Zuwanderer suchen sich als Zielland immer das mit mehr Wohlstand und den besseren Sozialleistungen aus. Insofern besteht immer eine leicht positive Korrelation.
Empirisch angegangen, sieht die Sache anders aus. Ist Japan, das so gut wie niemand reinläßt, ein armes Land? Ist Norwegen, das bis vor wenigen Jahren mit Zuwanderung nichts zu tun hatte, ein armes Land. Sind die USA oder Kanada, die Zuwanderung strikt regulieren, arme Länder? Kernpunkt ist immer die Frage: Ist der Zuwanderer imstande, existenzsichernde Arbeit für sich und seine Familie zu finden. Falls nicht, ist Zuwanderung immer eine schwere wirtschaftliche Belastung, von der soziologischen und kulturellen ganz abgesehen, es sei denn, die Zuwanderer kommen aus dem gleichen Kluturraum.





Redaktion   13:50 Uhr 05.02.2016

Schweden hatte einen falschen Wert. Karte ist jetzt berichtigt. Danke.





Jan Serbin   12:54 Uhr 05.02.2016

Klar, die gibt es. Estland und Lettland haben einfach eine andere (striktere) Gesetzgebung bezüglich ihrer russischen Einwohnerschaft, die zwischen 1940 und 1990 zugezogen ist. Daher handelt es sich zum größten Teil auch nicht um "Ausländer" im Wortsinne, sondern um angestammte Einwohner der beiden Länder, die als "Nichtstaatler" gelten und dann eben teilweise die russische Staatsbürgerschaft haben. In Litauen funktioniert das anders.





Ferdinand   11:44 Uhr 05.02.2016

Ist Schweden falsch eingefärbt oder stimmen die mri sehr hoch erscheinenden 45 % nicht?

Gibt es eine Erklärung für die extrem niedrige Quote in Litauen im Vergleich zu den anderen baltischen Staaten?



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