Tierpsychologie
Optimistische Schweine

Schweine sind uns genetisch sehr ähnlich. Aber auch ihr Verhalten ist mit dem des Menschen vergleichbar, wie eine Studie herausfand: Es gibt Optimisten und Pessimisten. Von ELLA DAUM



Optimisten gehen davon aus, dass ihnen eine unbekannte Situation Gutes bringt, Pessimisten erwarten Schlechtes. Auch bei Schweinen ist das nicht anders. Das fanden Forscherinnen der Universitäten Belfast, Lincoln und Newcastle in einer aktuellen Studie heraus.

Die Versuchsgruppe bestand aus 36 Schweinen mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften. Unter ihnen gab es Tiere mit proaktivem und solche mit reaktivem Verhalten. Die proaktiven Schweine zeichneten sich dadurch aus, dass sie aktiver und extrovertierter waren, reaktive Schweine passiver und zurückhaltender.

Die Tiere wurden in zwei Gruppen mit jeweils 18 Schweinen aufgeteilt. In jeder Gruppe befanden sich sowohl proaktive als auch reaktive Schweine. Eine Gruppe wurde in einem "gemütlichen" Gehege gehalten, das mit besonders viel Stroh und Platz ausgestattet war, die andere in einem karg ausgestatteten Stall.

Außerdem gab es ein Versuchsgehege, in das die Tiere geführt wurden: In der einen Ecke stand ein Futtertrog, gefüllt mit Schokolade, in der anderen Ecke ein Gefäß mit Kaffeebohnen. Schweine mögen Süßes, die bitteren Bohnen hingegen fressen sie ungern. Der eine Ort wurde deshalb von den Schweinen als positiv, der andere als negativ empfunden. Im weiteren Verlauf des Versuchs wurden die Schweine in das Testgehege entlassen, in dem die Forscherinnen zuvor die Futtertröge verschoben hatten, sodass die Tiere den Standort nicht mehr mit dem ursprünglichen Inhalt verbinden konnten.

Geprüft wurde, ob und wie schnell sich die Schweine den Trögen nähern. Hierbei galt die Annahme: Je schneller sich die Schweine den Trögen nähern, um nachzusehen, ob sie Schokolade enthalten, desto "optimistischer" sind sie. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Das Verhalten der Schweine hängt von der "Persönlichkeit" des Tieres sowie vom Umfeld ab.

Proaktive Schweine zeigten sich generell optimistisch. Die reaktiven Schweine wurden hingegen stark von ihrer Umgebung gesteuert: Diejenigen, die in einem "ungemütlichen" Stall gelebt hatten, waren pessimistischer, näherten sich dem Trog also nicht oder nur langsam. Sie interessierten sich weniger für den Trog: Er stand nicht in an dem Ort, an dem sie Gutes vermuteten.

Die reaktiven Schweine, die in einem "gemütlichen" Stall gelebt hatten, waren optimistisch und liefen zu den Trögen, in der Hoffnung, Schokolade zu finden. Die Umgebung hatte also ihre Einstellung positiv beeinflusst. Persönlichkeit und aktuelle Stimmung verändern das Verhalten bei Schweinen anscheinend ebenso wie bei Menschen.

Dieser Beitrag erschien in der vierten Ausgabe von KATAPULT. Abonnieren Sie das gedruckte Magazin und unterstützen damit unsere Arbeit.

Quelle: rsbl.royalsocietypublishing.org

11.01.2017
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