Medienanalyse
Getarnte Anzeigenblätter

Wie viel Werbung steckt in deutschen Printmagazinen? Wir haben es ausgezählt. Von BENJAMIN FREDRICH




Das Zeitmagazin und Brand eins liegen an der Spitze der 21 untersuchten Magazine. Für beide gilt: Etwa jede vierte Seite ist Werbung. Die Wirtschaftswoche folgt knapp dahinter. Unter den ersten drei Plätzen sind bereits zwei Wirtschaftsmagazine. Das kann daran liegen, dass die Zielgruppe vieler Firmen auf Leser ausgerichtet ist, die Interesse an Wirtschaft haben. Es kann aber auch sein, dass bei diesen Lesern höheres Einkommen vermutet wird – oder aber, Brand eins und die Wirtschaftswoche haben einfach fähige Anzeigenverkäufer.

Platz vier nimmt das SZ Magazin ein. Es wird kostenlos zur Süddeutschen Zeitung mitgeliefert. Beim erstplatzierten Zeitmagazin ist das genauso. Aus dieser Perspektive wirken beide Magazine wie die hochwertigsten Anzeigenblätter Deutschlands. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat versucht, dieses Modell zu kopieren, und vor kurzem die Frankfurter Allgemeine Woche gegründet. Das Anzeigengeschäft läuft allerdings schlecht. Nur drei Seiten Werbung. Wahrscheinlich ist es für junge Magazine grundsätzlich schwerer, Anzeigen zu verkaufen. Die Leserschaft muss erst aufgebaut werden und die Zielgruppe ist für Werbetreibende noch nicht vollständig erkennbar. Möglicherweise ist es auch eine bewusste Entscheidung des Verlages – auf jeden Fall ist es angenehm für den Leser.

Beim Spiegel muss man zwar am Anfang viel blättern, um überhaupt erst einmal zu einer Seite ohne Werbung zu gelangen. Er liegt allerdings mit 10,7 Prozent Werbeanteil nur im Mittelfeld und ist die größte Überraschung des Vergleichs.

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Datengrundlage für die Grafik (eigene Recherche):


Preis in Euro


Ausgabe


Seitenzahl

davon
 Werbeseiten
  Anteil in Prozent
Zeitmagazin-1. Juni 20175614,6626,2
Brand eins8,50Nr. 6, 201716439,1623,9
Wirtschaftswoche5,50Nr. 23, 201710824,6622,8
SZ Magazin-Nr. 21, 2017448,3318,9
Eulenspiegel3,50Nr. 6, 20176812,3318,1
Neon3,80 Juniausgabe 2017 1402316,4
Stern4,40Nr. 23, 201713221,516,3
Geo7,50Nr. 6, 20171562516,0
Focus4,20Nr. 23, 201713220,3315,4
Hohe Luft9,90Nr. 4, 20179212,3313,4
Zeozwei5,50Nr. 2, 201768913,2
Philosophie Magazin6,90Nr. 4, 20171001111,0
Spiegel4,90Nr. 23, 201713414,3310,7
Cicero9,00Nr. 6, 201712412,339,9
Psychologie heute7,90Nr. 451009,59,5
Konkret5,50Nr. 6, 2017685,58,1
Titanic4,50Nr. 6, 2017684,336,4
Katapult5,80Nr. 510066,0
Compact4,95Nr. 6, 2017683,164,6
FAZ Woche3,50Nr. 23, 20176834,4
Das Magazin3,60Juniausgabe 201711643,4


14.08.2017

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Kommentare


Ulf J. Froitzheim   15:51 Uhr 22.08.2017

Das SZ-Magazin und das Zeitmagazin als \"getarnte Anzeigenblätter\" zu bezeichnen, kann ich gedanklich noch nachvollziehen, wenn ich zu Euren Gunsten unterstelle, dass Ihr Euch ausschließlich die Themenhefte (SZ Mag: Männer-, Frauen-, Reise-) angeschaut habt. Oder nur die Stilrubrik.
Jedenfalls habt Ihr das Geschäftsmodell von Zeitungs-Supplements nicht begriffen: Sie werden ohne Aufpreis für den Leser beigelegt, müssen sich also aus den Anzeigenumsätzen heraus selbst tragen (und darüber hinaus einen Deckungsbeitrag zum Mutterblatt beisteuern). Wenn man das Anzeigenblatt nennen will... Getarnt ist daran jedenfalls nichts.
Was wirklich völlig neben der Spur ist: brand eins in diesem Kontext anzuführen – und das ganz prominent, als sei da etwas anzuprangern. Im Gespräch mit Detektor.fm wird dann auch noch ein \"Finanzmagazin\" draus, als ginge es darin um Geldanlage und Börsenkurse. Peinlich. brand eins wurde von Journalisten gegründet, die Geschichten aus der Wirtschaft zu erzählen haben, nicht von Verlagskaufleuten, die irgendwelchen Content einkaufen, um den Raum zwischen den Anzeigen zu füllen, welche die einzige raison d\'etre ihrer Titel sind.
Im Grunde ist die ganze Nummer hier ein Eigentor: Man sollte wissen, dass Magazine früher einen weitaus höheren Anzeigenanteil hatten (bis zu 45 Prozent) und dass Verlage umso gefährdeter sind, von Inserenten erpresst zu werden, je nötiger sie es haben, hinter jedem Inserenten herzulaufen. Die besten Zeiten des kritischen Journalismus waren die, als die Hefte vor Anzeigen aus den Nähten platzten, die Verlage dadurch viel Geld für Redaktionen und Autoren hatten und den Verkaufspreis niedrig halten konnten.
Im Übrigen sollte man nicht mit Steinen aus dem Glashaus werfen. Katapult WILL ja auch Anzeigen haben, nur scheint der Erfolg nicht so groß zu sein. Neidisch?



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