Bargeldlimit
Der Krieg gegen das Bargeld

Die Banane mit Karte zahlen - verschwindet bald das Bargeld? Wen stört’s? SEBASTIAN BLATZHEIM



Wer dem Volkswirtschaftsprofessor Gerald Mann zuhört, kann auf die Idee kommen, dass dieser vor einer Verschwörung aus Politik, Noten- und Geschäftsbanken warnen möchte. Denn beim "Krieg gegen das Bargeld" werde "sichtlich eine Salamitaktik angewendet"1, um das Bargeld insgesamt loszuwerden.

Der Auslöser für diese doch deutlichen Worte sind die Pläne der Bundesregierung beziehungsweise des Bundesfinanzministeriums, Bargeldzahlungen ab einem Betrag von 5.000 Euro zu untersagen. Doch wo liegt der Grund für die Empörung?

Wer an einer deutschen Supermarktkasse in die Gesichter der Wartenden schaut, wenn der Kunde seine Banane "mit Karte zahlen" will, kann erahnen, welchem Zeitdruck Supermarktkunden ausgesetzt sind. Das Warten an einer Supermarktkasse wird häufig als lästig und unnötig empfunden und verursacht daher Stress. Die Kartenzahlung dauert meist länger als die Zahlung mit Scheinen und Münzen. Es überrascht daher kaum, dass 80 Prozent der Zahlungen im Handel bar erfolgen.2

Ein Vergleich mit französischen Kunden, die lediglich 56 Prozent ihrer Zahlungen in bar vornehmen,3 zeigt eine deutlich andere Beziehung zur Bezahlung und zu Bargeld. Während im Juni 2015 die Einführung der Kreditkarten-Zahlung in deutschen Discountern gefeiert wurde, gehört dies in Frankreich schon seit Jahren zum Alltag.4 Wie stark diese Möglichkeit in Deutschland tatsächlich genutzt werden wird, bleibt abzuwarten, denn nur 33 Prozent der Deutschen besitzen eine Kreditkarte.

Der europäische Vergleich zeigt jedoch, dass Deutschland und einige andere Staaten mit ihrer unlimitierten Bargeldzahlung in der Minderheit sind. In einigen Staaten finden die Beschränkungen jedoch nur in speziellen Bereichen statt.

Man könnte nun fordern, dass die Deutschen sich langsam an die Idee des bargeldlosen Zahlens gewöhnen und die Gegner in die Wüste schicken sollen. Jedoch gibt es ein Argument, das in der Debatte bisher noch nicht entkräftet wurde: der Datenschutz. Denn alle bargeldlosen Zahlungsmittel hinterlassen Spuren und führen zu einer weiteren Verknüpfung von Datensammlungen. Mit anderen Worten: das Netz wird dichter.

Die Bundesregierung hat als Begründung für die Einführung des Bargeldlimits den "Kampf gegen den Terrorismus" genannt, denn Prepaid-Handys und Bargeld seien ein wichtiger Bestandteil der IS-Finanzierung.5 Wie jedoch ein Bargeldlimit in den Geschäftskreisen, in denen sich der IS bewegt, durchgesetzt werden soll, bleibt offen.



[1] URL: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/plan-der-bundesregierung-bar-zahlen-kuenftig-nur-noch-bis-5000-euro-14048560.html, 09.02.2016.
[2] Vgl. URL: https://www.ehi.org/de/pressemitteilungen/barzahlung-bevorzugt/, 09.02.2016.
[3] Vgl. URL: http://qz.com/262595/why-germans-pay-cash-for-almost-everything/, 09.02.2016.
[4] Vgl. URL: http://www.n24.de/n24/Wissen/Finanzen/d/6960138/hier-koennen-sie-mit-kreditkarte-zahlen.html, 09.02.2016.
[5] Vgl. URL: http://www.tagesspiegel.de/politik/kampf-gegen-is-terror-bundesregierung-will-bargeld-limit-von-5000-euro/12914000.html, 09.02.2016.


10.02.2016
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